Kolumne
Gastbeitrag von Ronald-Peter Stöferle, Incrementum AG
Miners brauchen Top-down und Bottom-up
Die Herbstkonferenzen in Beaver Creek und Colorado Springs waren so konstruktiv wie seit Jahren nicht – aber weit entfernt von Champagnerstimmung. Genau diese Mischung mögen wir: ein hoher Goldpreis, Managements, die weiterhin mit konservativen Annahmen planen, und Investoren, die Disziplin honorieren. Für uns bei Incrementum bestätigt sich: Wer Minenaktien richtig spielen will, braucht beides – Top-down und Bottom-up.
Top-down
Unser Incrementum Active Aurum Signal zeigt ein intaktes Bullenmarktregime, jedoch ohne Exzesse. Realrenditen, Liquidität und Währungen liefern Rückenwind, aber die große Rückkehr der Generalisten bleibt aus – stattdessen sehen wir mehr Family Offices und Private Equity. Viele Produzenten trauen dem Spotpreis noch nicht und budgetieren mit tieferen Mid-Cycle-Annahmen. Aus Sentimentsicht ist das positiv: Skepsis ist Treibstoff für weitere Kursavancen. Auffällig war zudem die Diskussion über staatliche Offtake-Agreements – Rohstoffe werden zunehmend als strategische Assets behandelt. Auch der M&A-Trend dürfte weiter an Bedeutung gewinnen: Tier-one-Projekte in „sicheren“ Jurisdiktionen sind rar, daher erwarten wir mehr Georisiko (Lateinamerika, Afrika) – meist via All-Share-Deals. Neue Kapitalquellen (inkl. kryptonaher Investoren via zuletzt Tether bei der Übernahme von EMX durch Elemental Altus) mischen ebenfalls mit.
Bottom-up
Wir führen pro Jahr rund 200 Managementmeetings. Dieses Jahr war der Tenor eindeutig: Rendite vor Volumen. Die Majors straffen Portfolios, drücken die Gesamtkosten, entschulden, erhöhen Dividenden und Aktienrückkäufe – Wachstum bleibt selektiv (Brownfields, District-Build-outs). Gleichzeitig kehrt bei Silber und Explorern das Beta zurück, allerdings sehr selektiv. Entscheidend sind Geologiequalität, Genehmigungsweg, Refinanzierbarkeit und Nähe zu bestehender Infrastruktur. Wo Offtakes/Streams realistisch sind, sinkt das Finanzierungsrisiko spürbar.
Portfoliokonsequenzen aus unserer Sicht:
1. Kern: Qualitätsproduzenten (unteres Gesamtkostenquartil, klare Capital-Return-Policies, Free-Cashflow-Hebel).
2. Satelliten: Developer mit 24- bis 36-Monats-Katalysoren und glaubwürdigen Funding-Pfaden.
3. Explorer: nur mit klaren Triggern und potenziellen strategischen Partnern. Dividenden und Rückkäufe werten wir höher als nominales Produktionswachstum – sie signalisieren Governance und Disziplin.

Fazit
Dieser Zyklus wird gemanagt, nicht gejagt. Top-down ist der Matchplan (Incrementum Active Aurum Signal), Bottom-up die Aufstellung nach 200+ Scouting-Gesprächen. So entstehen Tore – bei Gold, Silber und selektierten Minern.
Ronald-Peter Stöferle ist Partner bei Incrementum, spezialisiert auf Portfoliomanagement und Research. Er ist verantwortlicher Portfoliomanager des Incrementum Inflation Diversifier Fund (WKN: A1XD02) und des im Februar 2024 neu aufgelegten Incrementum Active Gold Fund (WKN: A4032M). Darüber hinaus ist er Autor des „In Gold We Trust Report“. Der letzte Report erschien am 15.5.2025. Incrementum ist unter
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