Märkte kommen aus dem Nebel
US-BlindflugDer längste Shutdown in der US-Geschichte könnte sich seinem Ende nähern. Im Senat wurde einem Kompromiss bereits zugestimmt, jetzt fehlen „nur“ noch das Repräsentantenhaus und natürlich Donald Trump. Der ist bekanntlich für so manche Überraschung gut. Dennoch setzen die Märkte im Moment auf die Überwindung der Hängepartie. Das ist eigentlich eine gute Nachricht. Man hofft, dass die Dinge danach wieder rundlaufen, jedenfalls so wie vor dem Shutdown. Ein Effekt des Herunterfahrens der Regierungsgeschäfte war allerdings, dass zahlreiche Makrodaten nicht errechnet und entsprechend auch nicht publiziert werden konnten. Nach der Flaute wird also ein regelrechter Datensturm folgen. Dieser kann durchaus erneut für Unsicherheit sorgen, denn im Moment ist unklar, was sich hinter den Nebelschleiern verbirgt. Zwischen strahlendem Sonnenschein (eher unwahrscheinlich) bis zu schwerem Wetter ist einiges möglich.
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Drei Zuckerl für die Bullen
Es sind drei Aspekte, welche die Marktteilnehmer kurzfristig eher hoffnungsvoll stimmen: Erstens hassen Börsianer weniges mehr als Ungewissheit. Reiner Wein ist den meisten deutlich lieber als gar kein Wein. Will sagen, selbst, wenn sich im Makrokranz die eine oder andere Ausfallserscheinung zeigen sollte, kann man mit diesen Zahlen/Tendenzen dann wenigstens arbeiten. Historisch waren die Zeiten nach einem Re-Opening zudem regelmäßig klar positiv.
Zweitens war der vielbeachtete Fear & Greed Index in der Vorwoche auf 18 abgesunken, was extreme Angst („Extreme Fear“) bedeutet. Inzwischen konnte er sich mit Werten von 32 zwar erholen, liegt aber weiter im „Fear“-Bereich. Aus einer solchen Situation heraus neigen die Märkte kurzfristig eher nicht zur Schwäche. Allerdings ändern sich diese Werte täglich und stellen insofern nur eine Momentaufnahme dar.

Drittens kommen wir nun langsam in die attraktivste saisonale Marktphase – die Jahresendrally steht vor der Tür. Sie ist eines der gut belegten und entsprechend häufig zu beobachtenden Phänomene. Oft genug reicht bereits das allgemeine Geraune von der bevorstehenden Rally, um die Kurse tatsächlich nach oben zu treiben. Schließlich will man bei der gefühlt „sicheren Sache“ auf jeden Fall dabei sein. FoMo – Fear of Missing Out – übernimmt dann die Regie. Dabei gibt es eigentlich nur zwei kleine Schönheitsfehler. Die Jahresendrally ist ein statistisches Phänomen, das sich zwar über den langjährigen Jahresdurchschnitt zeigt, aber nicht zwangsläufig in jedem einzelnen Jahr. Und wichtiger noch: Wenn es eines an den Märkten nicht gibt, dann ist es eine „sichere Sache“.

Rutschender Ölpreis
Saudi-Aramco hat die offiziellen Verkaufspreise für Asien deutlich gesenkt – ein Signal der Vorsicht in einem gut versorgten Markt. Brent oszilliert zwischen 63 bis 65 USD/Barrel. Lageraufbauten und schwächere Nachfrageindikatoren halten derzeit den Deckel auf dem Preis. Kurzfristig entspannt das die europäischen Inflationsrisiken und hilft zinssensitiven Segmenten wie dem Konsum. Dagegen reagierten Energieaktien verschnupft. Die Margenerwartung für klassische Upstream-Titel wie ExxonMobil (WKN: 852549), Chevron (WKN: 852552) oder ConocoPhillips (WKN: 575302) könnte unter Druck geraten. Mittelfristig bleibt das Bild fragil: Das Anbieterkartell OPEC+ steuert datenabhängig, die US-Schieferölproduktion reagiert elastisch, aber die fortbestehenden geopolitischen Risiken bleiben der Joker im weiteren Preisgeschehen. Das Basisszenario der U.S. Energy Information Administration sieht Brent in vierten Quartal 2025 im Schnitt eher im niedrigen 60-USD-Bereich. Allerdings warnen einzelne Analysehäuser vor zusätzlichen Angebotsausweitungen im kommenden Jahr. Was für die Ölindustrie tatsächlich eine Warnung darstellt, könnte die Inflationsseite entlasten bzw. in Deutschland zumindest einen Teil der zum Jahreswechsel anstehenden, drastischen CO2-Preiserhöhungen abfedern.

Reaktion im Abwärtstrend
Nach dem scharfen August-Rückschlag im produzierenden Gewerbe (-4,3 % gegenüber Vormonat) meldet Destatis für September ein Plus von 1,3 %. Das ist eine klassische technische Gegenbewegung, die zum Teil auch saisonal geprägt ist. August ist der Ferienmonat. Hier ist die Produktion gegenüber dem Vormonat traditionell niedriger und große Werke nutzen Betriebsurlaube für umfangreiche Wartungen oder Umrüstungen. Aussagekräftiger ist da der Vergleich zum Vorjahr. Dennoch fiel der August auch hier besonders schwach aus. Das Minus gegenüber 2024 betrug -3,9%. Gegenüber dem Vorjahr löst sich das September-Plus im Monatsvergleich dann mehr oder weniger in Luft auf. Das Minus der Industrieproduktion liegt bei -1,0%, was zwar eine Verlangsamung des Abwärtstrends aber noch keinen Richtungswechsel darstellt. Für den DAX ist das eher Stimmungs- als Fundamentaltreiber: besser als befürchtet, aber zu wenig für einen echten, selbsttragenden Aufschwung. Interessant wird in diesem Zusammenhang die morgige Veröffentlichung der Quartalszahlen und des Ausblicks für Siemens (WKN: 723610) sein. Das Unternehmen darf als ein nicht ganz untypischer Vertreter der deutschen Industrie gelten und ist – trotz internationaler Aufstellung – von hiesigen Konjunktur- und Standortthemen noch immer betroffen. Dennoch notiert die Aktie auf Allzeithoch. Spannend wird insbesondere, ob auch die Siemens-Spitze die Gelegenheit nutzen wird, der deutschen/europäischen (Energie-)Politik die Leviten zu lesen, wie dies jüngst Evonik-CEO Christian Kullmann in Bezug auf das Emissionshandelssystem und BASF-Vorstandsvorsitzender Markus Kamieth taten, der die EU-Klimapolitik als „Zerstörungsmechanismus“ für Europas industrielle Basis geißelte.

Zu den Märkten
Eine deutliche Aufhellung zeigt sich im DAX. Nachdem in der Vorwoche die Zeichen noch auf Sturm und einen möglichen Durchbruch der Unterstützung standen, wandelte sich das Bild über das Wochenende dramatisch. Die mögliche Einigung im US-Haushaltsstreit strahlte bis nach Europa aus und der deutsche Leitindex eröffnete mit einem Satz nach oben. Einziger Wehrmutstropfen, die Umsätze zogen nicht mit. Dennoch ging es die Woche weiter aufwärts. Am Dienstag stieg der Markt über die Marke von 24.000 Punkten, eröffnete am heutigen Mittwoch mit einem Aufwärts-Gap und legte bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe weiter zu.
Als wir weiter oben vom Geraune über Jahresendrally sprachen, meinten wir genau diese Situation. Der Markt steigt, aber viele sind noch nicht an Bord, weil sie eher mit rückläufigen Kursen gerechnet haben. Die Angst, die Rally zu verpassen, nimmt mit jedem weiteren Aufwärtstag zu. Hier könnte also durchaus eine Dynamik entstehen, die noch weiterträgt. Bevor wir uns aber vom Optimismus davontragen lassen, muss an dieser Stelle betont werden, dass sich die deutschen Standardtitel weiter in ihrer breiten Konsolidierungszone befinden. Diese könnte sich letztlich noch immer als Top-Bildung erweisen. Um den zuvor vorherrschenden Aufwärtstrend wieder eindeutig aufzunehmen, müssten die drei markanten Hochs im Bereich von grob 24.400 bis 24.800 Punkten überzeugende überwunden werden.
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Fazit
Das mögliche Ende des längsten US-Shutdowns der Geschichte hat für neue Kursfantasie gesorgt. Ob der nahtlose Übergang in die Jahresendrally gelingen wird, ist allerdings noch offen.
Ralf Flierl, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.



