„Befreiungsschlag“

„Befreiungsschlag: Hoffnungsschimmer für eine verloren geglaubte Welt“ von Olivier Kessler; Orgshop GmbH; 392 Seiten; 28,00 EUR

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Buchbesprechung

Zeitlose Einsichten als Thriller

Vom Experten zum Romanautor
Olivier Kessler ist ein Schweizer Ökonom, Publizist und seit 2020 Direktor des Liberalen Instituts in Zürich. Er studierte International Affairs & Governance an der Universität St. Gallen, engagierte sich als Co-Präsident der No-Billag-Initiative gegen Medienzwangsgebühren und ist Mitglied der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft. Außerhalb liberaler bzw. libertärer Zirkel dürfte sein Name allerdings weniger bekannt sein. Die besseren Ideen finden selten ihren Weg zu einem breiteren Publikum. Mit seinem Debütroman „Befreiungsschlag“ wollte Kessler dies ändern: Denn „normale“ Menschen lassen sich eher mit einer guten Geschichte begeistern als mit einer trockenen Abhandlung.

Eine nicht allzu ferne Dystopie …
Wir schreiben das Jahr 2048 und die Welt ist ein hässlicher Ort geworden. Der Protagonist heißt Mike; er ist ein 30-jähriger IT-Spezialist mit niedrigem Sozialkredit, der in einem streng überwachten 15-Minuten-Distrikt in Zürichs Enge lebt. Allgegenwärtige Überwachungskameras, Algorithmen und eine digitale Weltwährung dominieren die Gesellschaft. Von den Machthabern wird willkürlich definiertes Fehlverhalten sanktioniert. Klimaschädliches Handeln etwa senkt den Sozialkredit. Statt Biofleisch gibt es dann nur noch Insektenpaste als „solidarische“ Ernährung. Nach einem Börsencrash und sozialen Unruhen in den 2020er Jahren hatte die UNO unter Generalsekretär Thomas Stahlherz die Macht übernommen, Staaten degradiert und eine „geeinte Welt“ versprochen, die in Wahrheit totale Kontrolle bedeutet. Mike, dessen Eltern für Privatsphäre und Bürgerrechte kämpften (die Mutter starb, der Vater ist inhaftiert), trifft Maria, eine mutige Frau mit höherem Rating. Durch seine verbotene Liebe zu Maria – und später durch das Gespräch mit seinem inhaftierten Vater – entdeckt er die vom UNO-Regime unterdrückten Ideen der Freiheit. Er schließt sich einer Rebellion an, die freies Geld als Waffe nutzt. Mit einem Trick wird der Bitcoin als freies Marktgeld der Zukunft eingeführt. Zwar endet das Buch hoffnungsvoll, doch sind die Menschen – künftig wie heute – vor die immer gleiche Wahl gestellt: Freiheit mit Verantwortung oder sichere Knechtschaft.

Eingebettete Erklärstücke
Mit pädagogischem Geschick bettet Kessler zahlreiche Erklärstücke ein zu Freiheit, Eigentum, Eigenverantwortung, freier Markt etc. Auch spart er nicht mit Kritik an jenen Fehlentwicklungen, die sich schon heute deutlich abzeichnen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Fiatgeldsystem, das 2048 zu einer Central Bank Digital Currency (CBDC) vorangetrieben sein wird. Diese albtraumhafte Überwachungs- und Kontrollwährung ist im Zusammenspiel mit dem Sozialkreditsystem das eigentliche Machtinstrument des Regimes.

Großes Vorbild
Parallelen zu Ayn Rands Opus magnum „Atlas Shrugged“ sind unverkennbar: Beide Werke üben beißende Kritik an kollektivistischen Systemen und kontrastieren diese mit den Vorzügen individueller Freiheit und freiwilliger Kooperation. Während der Hebel zur Freiheit bei Rand der Streik der Unternehmer ist, wird bei Kessler dem freien Geld eine Schlüsselrolle für den Umsturz der Autokratie zugewiesen. Entsprechend fokussiert sich sein Werk auf die Geldtheorie und den Aspekt, dass neue Technologien auch die Hoffnung auf Befreiung bergen. Während Rand auf ausführliche Dialoge setzt, wird die Theorie bei Kessler stärker in die Spielhandlung eingestreut, was sie für Neulinge leichter verdaulich macht.

Fazit
Wenn Ideen praxisrelevant werden sollen, dann müssen sie auch in der Breite einer Gesellschaft erfahrbar sein. Die bloße Einigkeit in akademischen Stuhlkreisen genügt da nicht. Den Sozialisten ist es gelungen, einen homophoben Massenmörder – Che Guevara – zu einer T-Shirt-Ikone zu machen. Warum sollte es den Libertären nicht gelingen, mit einem herausragenden Intellektuellen wie Ludwig von Mises das Gleiche zu tun? Entscheidend ist, welche Geschichten erzählt werden. Mit seinem Schlachtruf „Viva la libertad, carajo!“ inspirierte Javier Milei Menschen in der ganzen spanischsprachigen Welt. Jungen Argentiniern braucht man heute jedenfalls nicht mehr zu erklären, dass sich das sozialistische Establishment über Jahrzehnte auf Kosten von deren Zukunft vollgefressen hat.

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