Kapitalschutz
Warum selbst Versorgungswerke keine sichere Altersvorsorge mehr darstellen
Gastbeitrag von Felix M. Früchtl
Über Jahrzehnte galten sie als das Bollwerk der Altersvorsorge für Akademiker und Freiberufler. Versorgungswerke standen für Solidität, Verlässlichkeit und staatlich überwachte Sicherheit. Wer Arzt, Rechtsanwalt, Apotheker oder Architekt war, musste sich – so die landläufige Meinung – um das Thema Rente nicht weiter kümmern. Die Pflichtmitgliedschaft versprach Stabilität; die Kapitalanlage galt als konservativ, die Leistungen als garantiert.
Doch dieses Fundament beginnt sichtbar zu bröckeln. Was sich aktuell bei mehreren Versorgungswerken abzeichnet, ist mehr als ein vorübergehendes Problem: Es ist ein strukturelles Warnsignal – und es zeigt, dass selbst jene Systeme, die jahrzehntelang als besonders krisenfest galten, nicht immun gegen Fehlentwicklungen sind. Es ist auch kein Phänomen, das erst in den vergangenen Monaten entstanden ist; die Brisanz aber hat in den letzten Wochen spürbar zugenommen.
Beispiel Versorgungswerke
Besonders deutlich wird das am Beispiel des Versorgungswerks der Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen. Dort ist inzwischen ein massives Finanzloch offenkundig geworden, das in der öffentlichen Berichterstattung auf über 1 Mrd. EUR beziffert wird. Sollte sich diese Zahl bestätigen, wäre über die Hälfte der Anlagevolumina verloren gegangen – eine Summe, die nicht durch kurzfristige Marktschwankungen erklärbar wäre, sondern das Ergebnis jahrelanger Fehlannahmen und problematischer Anlageentscheidungen darstellen würde.
Was neben der Höhe der Verluste viele Mitglieder schockiert hat, ist die Tatsache, wie spät sie davon erfahren haben; oft nur aus der Presse und den Berichterstattungen der letzten Wochen. Eine proaktive Kommunikation durch das Versorgungswerk an sich sieht anders aus. Die Kapitalanlagepolitik war für die meisten indes kaum nachvollziehbar, Warnzeichen wurden offenbar ignoriert oder relativiert. Investitionen in Immobilien und alternative Anlageformen, die lange als stabil galten, entpuppten sich in einem veränderten Zinsumfeld als riskanter denn seinerzeit angenommen. Steigende Finanzierungskosten, sinkende Bewertungen und eine zu optimistische Renditeplanung, verbunden mit fehlenden Absicherungsmechanismen, haben ein System unter Druck gesetzt, das auf langfristige Stabilität ausgelegt war. Noch gravierender ist jedoch, dass es sich dabei keineswegs um einen Einzelfall handelt.
Auch die Bayerische Versorgungskammer, die größte ihrer Art in Deutschland und zuständig für mehr als zweieinhalb Millionen Menschen, musste nach neusten Erkenntnissen ebenfalls erhebliche Verluste eingestehen. Medienberichten zufolge gingen allein durch Fehlinvestitionen im US-Immobiliensektor rund 700 Mio. EUR verloren. Brisant daran ist hier weniger die verloren gegangene Summe als der Umstand, dass die betroffenen Mitglieder kaum Einblick in das tatsächliche Risikoprofil ihrer Altersvorsorge haben.
Denn Versorgungswerke bewegen sich in einer besonderen Grauzone. Sie sind weder klassische Versicherungen noch frei wählbare Investmentvehikel. Ihre Mitglieder sind zur Einzahlung verpflichtet, haben aber kaum Einfluss auf die Anlagestrategie. Gleichzeitig unterliegen sie nicht denselben Transparenzpflichten wie etwa Fonds oder Versicherer. Wer einzahlt, muss vertrauen – und genau dieses Vertrauen gerät zunehmend ins Wanken.

Das eigentliche Problem liegt tiefer
Versorgungswerke funktionieren nur unter bestimmten Voraussetzungen: stabile Kapitalmärkte, auskömmliche Zinsen, stetiger Zustrom neuer Beitragszahler und ein funktionierender Generationenausgleich. Doch genau diese Rahmenbedingungen existieren auch hier nicht mehr. Die Zinswende hat die Kalkulationen vieler Jahre auf den Kopf gestellt; Investitionen verlieren an Wert, während gleichzeitig immer mehr Leistungsempfänger auf immer weniger Einzahler treffen.
Hinzu kommt ein strukturelles Risiko, das lange verdrängt wurde: Die meisten Versorgungswerke sind stark langfristig investiert, während sie gleichzeitig laufende Rentenzahlungen leisten müssen. Gerät das System unter Druck, z.B. durch die eben diskutierten Fehlallokationen, entstehen Liquiditätsprobleme – und diese lassen sich nicht einfach wegdiskutieren.
Besonders problematisch ist dabei die Zwangsmitgliedschaft. Wer als Angehöriger eines freien Berufs tätig ist, kann sich dem System nicht entziehen. Es gibt keine Wahlfreiheit, keine echte Alternative, kein Ausweichen auf eigenverantwortliche Lösungen. Damit tragen Millionen Menschen ein Risiko, über dessen Ausmaß sie oft erst informiert werden, wenn es bereits Realität geworden ist.
Das größere Bild
Die gesetzliche Rente ist strukturell überlastet, private Versicherungsmodelle leiden unter hohen Kostenstrukturen und regulatorischen Vorgaben – und nun zeigt sich, dass selbst die berufsständischen Versorgungswerke keine uneingeschränkte Sicherheit bieten. Der Glaube an ein verlässliches „Dreisäulenmodell“ der Altersvorsorge ist damit endgültig erschüttert.
Die zentrale Erkenntnis daraus ist unbequem, aber unausweichlich: Altersvorsorge lässt sich nicht mehr delegieren – weder an den Staat noch an Versicherungen oder an Kammern oder Versorgungseinrichtungen. Wer heute finanzielle Sicherheit im Alter erreichen will, muss sich selbst mit der Struktur seiner Vorsorge auseinandersetzen, Risiken verstehen und Verantwortung übernehmen.
Die aktuellen Entwicklungen sind kein Ausreißer, sondern ein Symptom eines Systems, das auf Annahmen basiert, die nicht mehr gelten. Sie zeigen, wie gefährlich es ist, sich auf vermeintliche Garantien zu verlassen – und wie wichtig es ist, Alternativen zu kennen, bevor der Druck zu groß wird.
Fazit
Altersvorsorge ist keine Verwaltungsfrage mehr. Sie ist eine persönliche unternehmerische Entscheidung.
Und wer sie nicht selbst trifft, läuft Gefahr, dass andere sie für ihn treffen – mit ungewissem Ausgang.
Felix Früchtl bezeichnet sich als Spezialisten für den vermögensübergreifenden Ausstieg aus Geldversprechen. Mit einem Masterabschluss in Steuern und Wirtschaftsprüfung stieg er im Jahr 2018 in das Familienunternehmen ProLife GmbH ein, dessen Geschicke er seit 2020 erfolgreich leitet. Mit seinem Team hat er bereits über 67.000 Menschen geholfen, ihr hart erspartes Geld in privaten Altersvorsorgeverträgen zu retten. Mehr Informationen unter: www.prolife-gmbh.de


