Österreichische Schule
Bericht von der Jahreskonferenz 2026 des Magazins „eigentümlich frei“ (ef) auf der Insel Usedom
Intellektuell gefestigt und angriffslustig
Die neunte ef-Jahreskonferenz fand vom 16. bis 18.1.2026 in Zinnowitz auf Usedom statt und stand unter dem Leitmotiv „Die Medienreformation der 2020er Jahre“. Nach einführenden Worten des Verlegers André Lichtschlag führte C. C. („Conférencier Carlos“) Gebauer gewohnt leichtfüßig und glänzend beschuht durch die Veranstaltung. Die Vorträge verbanden medien- und kulturkritische Perspektiven mit philosophischen sowie ökonomischen Aspekten zu einem libertären Plädoyer für Wahrheit, Eigenverantwortung und dezentrale Strukturen. Man zeigte sich intellektuell gefestigt und angriffslustig gegen eine zunehmend freiheitsfeindliche und übergriffige Obrigkeit. Bei Sektempfang, gemeinsamen Mahlzeiten, Barabenden, Whisky-Tasting und Schwedenpunsch am Strand kamen auch Spaß und Vernetzung nicht zu kurz. Eingebettet in die Veranstaltung waren zudem die Verleihung des sechsten Libertären Literaturpreises und der elften Julius-Faucher-Medaille – jeweils dotiert mit purem Gold – sowie eine Lesung des Schriftstellers Michael Klonovsky aus seinem neuen Werk „Bei Tische altert man nicht“.

Kampf um die neue Weltordnung
Dr. Markus Krall argumentierte in seinem Vortrag „Kampf um die neue Weltordnung“, dass der globale Konflikt um Werte und Ordnung eine Lüge als Grundlage habe. Wie Kafka es beschrieb: „Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.“ Krall veranschaulichte diesen Kampf anhand antagonistischer Paare in den Bereichen Menschenbild (Individuum vs. Kollektiv, Menschenwürde vs. Utilitarismus, Pluralität vs. Uniformität, Verantwortung vs. Bevormundung), Wirtschaft (Freiheit vs. Sozialismus, Dezentralität vs. Zentralität, Markt vs. Planwirtschaft), Information (Wahrheit vs. Lüge, Aufklärung vs. Unmündigkeit, Wissenschaft vs. Scharlatanerie) und Macht (Freiwilligkeit vs. Zwang, Frieden vs. Krieg, Gewaltenteilung vs. Verschränkung, Rechtsstaat vs. Willkür). Er betonte ein individualistisches, gottgegebenes Menschenbild mit freiem Willen und Würde. Wirtschaftlich plädierte er für dezentrale Märkte, da Planwirtschaft erst zu Knappheit, dann zu Schlangen und letztlich zu Gewalt führe. Im Bereich Information verurteilte er Zensur, Staatsfunk und Geschlechterideologie als Lügen, die Unmündigkeit erzwingen, und berichtete von eigener Strafverfolgung aufgrund von Satire. Seine Machtkritik richtete sich gegen EU-Tyrannei, fehlende Gewaltenteilung und Ungleichheit vor dem Gesetz. Krall veranschaulichte anhand eines Kanons von 20 Kriterien, dass sich die EU wie keine andere Region der Welt zuverlässig für das jeweils unfreie Konzept entscheide, was letztlich auch den wirtschaftlichen Kollaps erkläre. Nur die Rückkehr zu Freiheit, Markt und Wahrheit ermögliche Erfolg. Europa müsse die „Kettensäge“ ansetzen.

Das Ende der „Dazwischensitzer“
Oliver Gorus („Der Sandwirt“) zeichnete das Bild eines tiefgreifenden Macht- und Strukturwandels im Bereich der Medien. Während die direkte Kommunikation zwischen Menschen bedeutsamer werde, schwinde die Macht der Vermittler, die er „Dazwischensitzer“ nannte. Leitmedien hätten ihre Rolle als kontrollierende vierte Gewalt aufgegeben. Sie agierten bzw. agitierten zunehmend staatsnah und ideologisch. Ihre wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit mache sie zudem anfälliger für staatliche Einflussnahme und Zensur. Parallel dazu vollziehe sich durch Digitalisierung und soziale Medien eine Disintermediation: In vielen Branchen – von Banken über den Handel bis zur Automobilbranche – würden Intermediäre ausgeschaltet. Bei Medien trete an die Stelle der Redaktionen die Persönlichkeit des Influencers. Social Media, das iPhone und KI beschleunigten diesen Trend, indem sie klassische Massenkommunikation in massenhafte Einzelkommunikation verwandelten. Parallel entwerte die KI standardisierten Nachrichtenjournalismus zur austauschbaren Massenware. Reichweite und wirtschaftliche Bedeutung wanderten zu Influencern und Live-Events, wodurch echte Personen und reale Begegnungen gegenüber abstrakten Marken an Wert gewönnen. Die Versuche des staatlich-medialen Zensurkomplexes, diese Entwicklung aufzuhalten, seien ein Ausdruck von Kontrollverlust. Langfristig, so gab sich Gorus optimistisch, werde sich eine demokratisiertere Öffentlichkeit mit mehr Freiheit und Meinungsvielfalt durchsetzen.
Wahrheitsvolle vs. wahrheitslose Macht
Der Publizist Robert Grözinger argumentierte, dass die „Medienreformation“ den Niedergang zentralisierter, regimenaher Altmedien und den Aufstieg dezentraler, unregulierter Plattformen markiere. Die neuen Medien förderten wahrheitsvolle Macht: Wer vertrauenswürdig und unterhaltsam informiere, gewinne Einfluss in einem freien Markt. So entstünde eine natürliche Ordnung/Hierarchie im Sinne Hoppes – durch verdienstvolles Handeln, nicht durch Zwang. Diese Medien stünden damit im Gegensatz zu wahrheitsloser Macht, die ihre Lügen durch Zwang aufrechterhalten müsse. Jeder könne via Smartphone zum einflussreichen Kommentator werden. Diese Reformation begann mit dem kometenhaften Aufstieg des libertären US-Politikers Ron Paul (2008/2012 – erste Stufe) und setzte sich in der zweiten Stufe mit politischen Erfolgen gegen das Establishment fort (Brexit, Trump 2016, AfD 2017). In der dritten Stufe gingen Staat/NGOs und Mainstream nun zur offenen Bekämpfung der Meinungsfreiheit über. Wer den Angriffen widerstehe, könne seine Reichweite teils deutlich erhöhen (Fall „Clownswelt“ etc.). Grözinger zeigte sich überzeugt, dass die Meinungs- und Handlungsfreiheit erhalten bleibe. In der Corona-Zeit erwiesen sich die 20% Skeptiker als unüberwindbar. Die neuen Tech-Oligopole leben vom Diskurs und stärken souveräne Individuen. Die Rivalität der Imperien USA, Russland und China sei positiv für die Erhaltung der Meinungsfreiheit. Natürliche Autoritäten sicherten langfristig die Freiheit durch ihren unstillbaren Wahrheitsdurst.
Im strategischen Viereck
Der Medienprofi Thomas Lackmann befasste sich mit einer vergleichenden Analyse der alternativen Medien in Deutschland und den USA. Zur Einordnung der Kräfte spannte er ein strategisches Viereck auf zwischen reichen Menschen, traditionellen Medien, alternativen Medien und NGOs. In den USA erkannte Big Business früh die Chancen alternativer Medien, etwa via Radiosyndikation (iHeartMedia) und der Einbindung von Stars wie Rush Limbaugh. „Content is King!“, denn gute Geschichten verkaufen sich unabhängig vom Medium. Reiche wie die Koch-Brüder finanzierten NGOs wie Cato Institute, Heartland Institute und Americans for Prosperity.
US-NGOs sammeln massiv und professionell Gelder ein (592 Mrd. USD/Jahr vs. 15 Mrd. EUR im DACH-Raum). Erfolgreiche Alternativmedien wie der Drudge Report, der den Lewinsky-Skandal aufdeckte, wachsen durch Investigativjournalismus, Spenden und die direkte Ansprache von Milliardären. Die USA profitierten u.a. vom starken Schutz der Meinungsfreiheit durch den ersten Verfassungszusatz, der Einschränkungen explizit verbietet. Lackmanns Empfehlung: Milliardäre direkt anschreiben und die Inhalte gratis verteilen, wie es „The Guardian“ vorlebt.
„Digitale Schrumpfköpfe“
Gerd Habermanns Vortrag „Was macht die Medienreformation aus uns?“ bot eine nuancierte Kulturkritik an der Digitalisierung. Er distanzierte sich von Maschinenstürmerei und betonte den großen Nutzen moderner Technik. Allerdings kritisierte er den Technofetischismus und die inhaltliche Oberflächlichkeit. Es sei im Übrigen nicht „der Kapitalismus“, der Innovationen vorantreibe, sondern individuelle Entscheidungen. Die Maschine diene der Lebenssteigerung, solange die Individuen selbst auswählen und bewerten. Die Gefahren einer „verpimpelten Schneeflockengeneration“ bestünden in verkürzten Persönlichkeiten und ständiger Onlinepräsenz und -ablenkung, die „verkrüppelte“ Menschen erzeuge. Die KI als „Gehirnprothese“ erfordere einen eigenen geistigen Rahmen, sonst drohten „Schrumpfköpfe“. Gesellschaftlich führe der „Sofortismus“ zur Fear of Missing Out (FOMO) und schließlich Apathie sowie Depression. Der digitale Exhibitionismus zerstöre Privatsphäre und wahre Freundschaft. Avatare ersetzten das reale Ich auf einer Weltbühne. Abschließend gab er dem Publikum noch drei philosophische Gedanken mit: Ein edler Mensch braucht keine Anerkennung (Konfuzius), Glück ist eine Überwindungsprämie (Manès Sperber) und Not ist nötig (Nietzsche). Damit plädierte Habermann für ein volles Leben jenseits bloßer digitaler Wunscherfüllung.
Verkanntes Genie
Den mitunter verheerenden Einfluss der Medien auf den Erkenntnisfortschritt demonstrierte der Verleger Holger Thuß am Beispiel des Ausnahmewissenschaftlers Thomas Gold. Er argumentiert, dass Gold mit seiner Theorie der abiotischen Entstehung von Kohlenwasserstoffen einen großen Paradigmenwechsel initiiert habe, der von Medien und Wissenschaft ignoriert bzw. verschleppt wurde. Als Belege nennt er u.a. die Alvin-Mission 1977 mit der Entdeckung sogenannter Schwarzer Raucher, Mofetten, Fumarolen sowie oberirdische Erdölquellen wie in Korna. Das Derweze-Gasfeld („Höllentor“ Turkmenistan) brenne seit 50 Jahren und unterstreiche Golds These sich nachbildender Ressourcen. Diese Theorie werde von der etablierten Wissenschaft („die Wissenschaft“) zugunsten ihres Fokus auf anthropogenes CO₂ ignoriert. Natürliche CO₂-Quellen blieben unerforscht. Zur Erklärung der Resistenz gegen neue Ideen bezog sich Thuß auf den Wissenschaftstheoretiker Thomas S. Kuhn (1922 bis 1996) und dessen Theorie der Paradigmenwechsel.
Diskurse statt Fakten
Markus Vahlefeld kritisiert in seinem Vortrag die „Krisenmaschine“ aus Klima, Corona und Krieg. Die daraus resultierende „Wirklichkeitsverfinsterung“ sieht er durch drei protestantisch geprägte Kräfte bestimmt: den eliminatorischen Protestantismus (Luthers „Allein“-Dogma), den dialektisch unmenschlichen Materialismus und den Liberalismus, dessen „Ende-der-Geschichte“-Triumph 1990 eine Lüge war. Vahlefeld kritisiert Jürgen Habermas als einflussreichsten Nachkriegsdenker, „Lordsiegelbewahrer“ westdeutscher Staatsraison und Vater der „Kommunikation als Herrschaftsinstrument“: Nicht Fakten, sondern Diskurse bestimmten demnach die Realität („normative Kraft des Faktischen“). Universitäten, Ethikräte und Journalisten erzwingen auf dieser Basis Kontrafaktisches. Habermas’ Idee der Zivilgesellschaft sei intellektueller Sozialismus à la Rousseau und Robespierre. Die Corona-Politik habe die Aggressivität der „Zivilgesellschaft“ (Impfpflicht, Krieg gegen das Virus) gezeigt. Habermas selbst hatte sogar fehlende Pandemie-Notstandsgesetze bedauert – der Philosophenstaat auf Abwegen.

Zentrale Mythen entzaubert
Prof. Dr. Thorsten Polleit, Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland, entlarvte in seinem Vortrag medial-geistige Irrtümer, Trugbilder und sonstige Unwahrheiten zur Aufrechterhaltung des Fiatgeldregimes. Herrschaft lasse sich nicht widerspruchsfrei begründen. Stattdessen werde die Bevölkerung getäuscht und zum Komplizen gemacht, indem sie Anteile der „Beute“ erhalte. Der freie Tausch werde ignoriert, obwohl er Nutzen für alle stifte. Die wahren Kosten staatlicher Ausgaben blieben verborgen. Zentralbanken sind keine „Währungshüter“, sondern mindern die Kaufkraft. Eine Geldentwertung von ca. 2% p.a. ist eine als „Preisstabilität“ bezeichnete verdeckte Steuer. Politiker „sparen“ nicht durch eine geringere Neuverschuldung, sondern sabotieren den Wohlstand. Auch seien nicht „wir alle“ der Staat; der teile sich vielmehr in Nettosteuerzahler und -empfänger. Es existiere zudem kein echter Kapitalismus, sondern Interventionismus. In der Ökonomie werde Erfahrungswissen überbewertet, während Verstandeswissen (a priori) unterschätzt werde. Hegel idealisierte den Staat als „höchste Vernunft“, Polleit sieht ihn als Räuberbande. Demagogen experimentierten mit Wirtschaft wie in einem „Meerschweinchenlabor“.

Fazit
Naturgemäß konnte hier nur ein kleiner Abriss einer Konferenz gegeben werden, die auch in Zeiten einer zunehmenden Verfinsterung der Meinungsfreiheit Mut gemacht hat. Dazu trugen neben der Vernetzung der freiheitsliebenden Kräfte auch weitere Redner bei; etwa die Bloggerin Jasmin Kosubek, die auf die Bedeutung von verbindlichen Beziehungen im libertären Kontext hinwies, der Männercoach und Männerrechtler Maximilian Pütz, der sich mit der Angst als Herrschaftsinstrument auseinandersetzte, und Christian Schneider, der eine Flaggentheorie für Network States präsentierte. Für Würze sorgten Andreas Tank, der als „rosaroter Panzer“ an der vordersten Front des „Meme Wars“ kämpft, und Michael „die Stahlfeder“ Werner, der wie kein anderer die Grenzen des Sagbaren auslotet. Falls wir Ihr Interesse geweckt haben, schauen Sie doch einmal auf dem YouTube-Kanal @eigentümlichfrei vorbei, wo die Vorträge der Konferenz demnächst veröffentlicht werden.


