Buchbesprechung
Wo sonst trifft der Rapper auf einen Pfarrer in Rente, einen Stimmcoach, einen Propagandaforscher, einen Bürgerrechtsaktivisten, einen „Bewusstseins-Zeitreisenden“ oder einen Molekulargenetiker? Wobei dies nur eine kleine Auswahl ist, denn letztlich kommen insgesamt 100 Personen, die unterschiedlicher kaum sein können, zu Wort und legen in diesem Werk ihre ganz persönliche Sichtweise zum Thema „Frieden“ dar. Eine Doppelseite pro Person, die mit nachdenklichen, kritischen, zornigen, humorigen oder anderweitigen Inhalten befüllt werden kann. Keine Vorgaben – darum so authentisch und abwechslungsreich.
Dabei fällt ein häufig wiederkehrendes Muster auf, das im Postulat nach einem „inneren Frieden“ als Grundvoraussetzung für Frieden im Außen besteht. Gleichwohl unterscheiden sich die prosaischen Ausformulierungen dieses Gedankens, die von nüchtern-bodenständig bis exaltiert esoterisch reichen. Meine persönlichen Top-vier-Beiträge stammen von Fußball-Weltmeister Thomas Berthold („Selbstbestimmt und frei sein“), Dr. Michael Nehls („Das friedensfähige Gehirn“), Dr. Markus Krall („Was ist der Krieg?“) und Ludger K. („Kiesewetter an die Front! Über das Gesagte, das Ausgesagte und eine ausgesprochen ausgekochte Kriegstreiberei“). Wie man an den grundverschiedenen Titeln erkennt, gibt es bei diesen kaum Berührungspunkte, aber gerade das macht dieses Werk eben aus – jede Doppelseite birgt Überraschungen, Lesestoff und potenzielle Aha-Erlebnisse. Und natürlich auch Enttäuschungen und Ärgernisse, wie z.B. das debil wirkende … pardon! Es geht ja um Frieden, da hol ich jetzt mal nicht weiter aus.
Fazit
Unterhaltsame Lektüre, die in vielen Fällen geistreich um die Ecke kommt. Der eigentliche Wermutstropfen ist, dass ein Buch das Thema Frieden überhaupt erst wieder in den Fokus rücken muss.



