Zwischen Geopolitik, Epstein-Files und US-Datenflut
Japan: Wahltriumph und die Yen-FalleDer Erdrutschsieg von Premierministerin Sanae Takaichi bei der Unterhauswahl am 8.2. – mit einer Zweidrittelmehrheit für die LDP – ist mehr als ein politischer Erfolg: Die konservative Pragmatikerin hat mit einem klaren Programm aus wirtschaftlicher Unabhängigkeit, gezielten Investitionen, Aktionärsfreundlichkeit und einer restriktiven Einwanderungspolitik breiteste Wählerschichten überzeugt. Ihre Kernbotschaften – Steuersenkungen für Unternehmen bis hin zu 20%, massiver Aufbau nationaler Champions in Halbleitern und Verteidigung sowie ein Ende der Abhängigkeit von fragilen Lieferketten aus China – sprachen die wesentlichen Sorgen der Exportnation an: jahrelange Stagnation, periodische Yen-Stärke und geopolitische Unsicherheiten. Ergänzt wird das Programm um eine Migrationspolitik, die qualifizierte Fachkräfte priorisiert, aber einen undifferenzierten Massenzuzug wie in Europa vermeidet. Damit konnte Takaichi nicht nur die LDP-Basis, sondern auch skeptische Mittelständler und junge Wähler mobilisieren. Hielten einige Beobachter die vorgezogenen Neuwahlen für ein unkalkulierbares Risiko, der Mut der Regierungschefin wurde aber belohnt. Die neue Regierung verfügt nun über ein stabiles Mandat für entschlossene Reformen, welche Japan nach Jahren der Unsicherheit wieder in die Offensive bringen könnten. Mut, entschlossene Reformen, Steuersenkungen – damit ist Takaichi, ebenso wie der argentinische Präsident Milei, ein weiterer Anti-Merz, und Japan ist einer der großen Konkurrenten Deutschlands auf den Weltmärkten.

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Die Märkte belohnten die neue Klarheit in Japan prompt und massiv: Der Nikkei schoss in den folgenden zwei Börsensitzungen um mehr als +6% auf ein neues Allzeithoch, angeführt von Finanzwerten wie Mitsubishi UFJ, Maschinenbau-Giganten und Tech-Perlen wie SoftBank oder Tokyo Electron, deren Orderbücher von Auslandsinvestoren überrannt werden. Nachgegeben hat dagegen der Yen. Inzwischen werden konstant mehr als 155 Yen benötigt, um einen US-Dollar zu erwerben. Die Tendenz geht sogar in Richtung 160, was den japanischen Exporteuren noch zusätzliche Windfall Profits bescheren wird. Aber es gibt auch einen Wermutstropfen. Die Rendite 10jährigen JGBs ist auf 1,1% geklettert, das höchste Niveau seit 2013. Das freut zwar Sparer und Rentner, belastet aber den mit rund 235% des BIP verschuldeten Staat(shaushalt) zusätzlich. Die Bank of Japan spielt hier allerdings die perfekte Komplizenrolle: Mit einem Leitzins von 0,75% und anhaltenden Anleihekäufen im Umfang von 6 Bio. JPY monatlich sorgt sie für reichliche Liquidität, ohne Takaichis Wachstumskurs zu bremsen oder den Aufwärtstrend zu gefährden. Politische Stabilität plus reichlich geldpolitisches Feingefühl können Bullenmärkte erzeugen, jedoch am Rande des Crack-up-Booms.

Während Japan mit Takaichis Wahltriumph Fahrt aufnimmt, reagiert Peking verhalten – ein klares Zeichen für strategische Zurückhaltung angesichts der neuen politischen Realitäten in Tokio. Das chinesische Außenministerium betont lapidar, die Wahl ändere nichts an Pekings Haltung, doch hinter den Kulissen brodelt es: Sanktionen wie Importverbote für japanische Meeresfrüchte, Reisebeschränkungen und Exportstopps für Dual-Use-Güter (seit November 2025) haben Takaichis Kampagne eher gestärkt als geschwächt – ihr harter Taiwan-Kurs zahlte sich aus. Experten sehen darin Pekings Fehleinschätzung: Nun kann die neue und alte Regierungschefin mit Zweidrittelmehrheit Verfassungsreformen und Militäraufrüstung vorantreiben.
Die Stille im SturmDabei ist die Situation in China nach den Säuberungen in der Generalität offenbar nur scheinstabil. Gedanken, die man so im westlichen Mainstream nicht zu lesen bekommt, machte sich dazu die Exil-chinesische Analystin Lei in ihrem jüngsten Video „Xi Jinping’s Real Condition—and Why the CCP Is Quietly Splitting“. Darin beschreibt sie eine tiefe Spaltung innerhalb der KPCh: Zwei parallele Machtzentren, mit Xi Jinping, der trotz institutioneller Kontrolle (Partei, Regierung, Militär) an persönlicher Basis einbüßt – vor allem durch die Verhaftungen von Generälen wie Zhang Youxia und Miao Hua im Januar. Die Editorials der Armeezeitung PLA Daily spiegeln das Ringen. Sollte der Vorgang zunächst mit Korruptionsvorwürfen kleingehalten werden, gab es zuletzt Warnungen vor einer Parteispaltung. Dies deute auf Widerstand in Militär und Eliten hin. Dabei identifiziert Lei drei Lager – Konservative/Princelings, die hartnäckig systemtreu, aber auch gegen einen Taiwan-Krieg sind, Reformisten aus der Parteielite wie Wen Jiabao (ebenfalls gegen Krieg) und die schwächer werdenden Xi-Loyalisten. Zwar ist noch keine offene Konfrontation ausgebrochen, die Hinweise auf den Macht- und Grabenkampf seien aber unübersehbar. Entscheidend sei dabei, was nicht gesagt werde. So hat das Militär nach der Säuberung mit Loyalitätserklärungen für Xi bis heute gezögert. Dies wiederum habe diesen zu aggressiven Propagandakampagnen gezwungen. Dazu seien auch die offenbar aus eigenem Antrieb geführten Telefonate mit Putin und Trump zu zählen, mit denen Xi seine Position auf der Weltbühne unterstreichen wolle – vor allem als Signal nach innen. Je stiller es ist, desto potenziell gefährlicher sei die Situation.
Window of Opportunity?Die Auswirkungen einer Instabilität Chinas – Produktions-, Handels- und Technologiegroßmacht – auf die Volkswirtschaften und Märkte der Welt können gar nicht überschätzt werden. Es lohnt sich also hier das Ohr am Puls zu haben. Während die Welt in den Iran schaut, könnte sich dort das eigentliche geopolitische Thema des Jahres zusammenbrauen. Natürlich hängt das alles miteinander zusammen. Sollte sich der Autoritätsverlust Xis, dem ohnehin paranoide Tendenzen zugeschrieben werden, beschleunigen, dann kann jeglicher Übergang oder auch Nicht-Übergang ruppig werden. Unterschätze niemals ein Regime, das um sein Überleben kämpft (siehe Iran). Das innerchinesische Ringen wird auch in Washington genau beobachtet. Dadurch könnten sich Fenster für die Amerikaner auftun, um vollendete Fakten zu schaffen. Haben Sie etwa zuletzt viel über Kuba gehört? Wir auch nicht. Dennoch ist die dortige sozialistische Diktatur seit dem Versiegen venezolanischer Öllieferungen unter erheblichen wirtschaftlichen Druck geraten. Auf dem Schachbrett der US-Geopolitik liegen derzeit mit Kuba und dem Iran zwei Hauptpreise, wobei das in beiden Fällen auch noch Russland und China zusätzlich schwächen könnte.
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Am 17. März um 12.15 Uhr veranstaltet die französische Fonds-Gesellschaft H2O erneut einen sogenannten Makro-Lunch in einem edlen Münchner Restaurant.
Vincent Chailley, der Chief Investment Officer von H2O, wird die makroökonomischen Ansichten des Hauses H2O präsentieren. Der Vortrag und die anschließende Fragerunde werden auf Englisch stattfinden.
Die Veranstaltung richtet sich an professionelle Investoren oder aber vermögende Privatkunden.
Da die Plätze begrenzt sind, wird darum gebeten, bei Interesse eine E-Mail an Karina Perwald-Leroy zu senden
Verschwörungspraxis schlägt Verschwörungstheorie – um Längen!
Die über Jahrzehnte erstarrten Machverhältnisse verflüssigen sich gerade und es ist völlig offen, ob sie sich wieder in der bisherigen oder einer anderen Form stabilisieren werden. Das ist nicht allein eine Folge des „großen Disruptors“ Trump. Allerdings ist es nicht so, dass die USA nur noch darauf warten müssten, dass ihnen die reifen Früchte in den Schoß fallen. Seit der Veröffentlichung von rd. drei Mio. Seiten der sogenannten Epstein-Files sind Teile der westlichen „Eliten“ bzw. derjenigen, die sich offenbar zu Unrecht dafür halten, in heller Aufregung. Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue, abscheuliche Details über einige exponierte Angehörige des „Wertewestens“ ans Tageslicht kommen. Selbst manche Verschwörungstheorie wirkt dagegen harmlos. Hier ist im Moment sehr viel Rauch und dahinter lodern einige Feuer auf den höchsten Etagen. Zudem sind weitere Enthüllungen in ähnlichem Umfang angekündigt. Belastet ist schon länger das britische Königshaus, jetzt kommt das norwegische dazu. Im engsten Umfeld von Briten-Premier Keir Starmer wurden ebenso enge Kontakte zu Epstein gepflegt wie von Trumps Handelsminister Howard Lutnick, der dazu, wie sich jetzt herausstellte, offenbar auch noch dreist gelogen hatte. Die Liste lässt sich nahezu täglich erweitern.
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Die Milei-Konferenz
Deutschland muss sich entscheiden:
Ein Weiter so mit höheren Steuern, mehr politischer (Fehl)-Steuerung und einem immer größeren Staatsapparat? Oder radikale Deregulierung, Wettbewerb und ein Rückzug der Politik aus vielen Entscheidungsbereichen in Wirtschaft und Gesellschaft?
Die Milei-Konferenz 2026 verzichtet bewusst auf allseits bekannte Problembeschreibungen. Hier diskutieren namhafte Redner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, was jetzt konkret getan werden kann, um Deutschland wieder wirtschaftlich stark, politisch handlungsfähig und gesellschaftlich freizumachen.
Im Zentrum steht eine gemeinsame Überzeugung:
Deregulierung ist kein Selbstzweck – sie ist die unabdingbare Grundlage für Wohlstand und eine der Zukunft zugewandte Gesellschaft mündiger Bürger und Familien.
Die Milei-Konferenz 2026 – für alle, die nicht länger verwalten, sondern selbst gestalten wollen!

US-Datenflut
Doch während sich der Epstein-Skandal rasend schnell ausbreitet, sind die Märkte in dieser Woche erst einmal mit ganz praktischen Herausforderungen konfrontiert. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe sind bereits einige der Schlüsseldaten für die US-Konjunktur bekannt und wurden an den Märkten verarbeitet. Enttäuschend fielen gestern die Einzelhandelsumsätze für Dezember mit +-0,0% aus, erwartet worden waren +0,4% nach einem vorherigen Wert von 0,6%. Das nährte vorübergehend Zinshoffnungen. Die heute um 14:30 Uhr bekanntgegebenen Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payrolls) für Januar fielen mit +130.000 Beschäftigten deutlich besser aus als erwartet. Die Arbeitslosenquote lag mit 4,3% ebenfalls besser als erwartet (4,4%). Das wiederum Daten aus denen sich keine Zinshoffnungen ableiten lassen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass in diesem Sektor die später durchgeführten Revisionen erheblich sind. Mit den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe kommt morgen eine weitere Arbeitsmarktzahl zur Abschätzung der konjunkturellen Lage.
Die Zahl auf welche diese Woche alle blicken, ist aber der Verbraucherpreisindex, der am Freitag bekanntgegeben wird – am Freitag, den 13., um genau zu sein. Erwartet wird hier ein Monatsplus von 0,3% und eine Jahresrate von +2,5%.
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Zu den Märkten
Der DAX pendelt weiter in dem zuletzt hier identifizierten Bereich von ca. 24.800 +/- 500 Punkten. Die Neuigkeiten auf Indexebene halten sich hier in Grenzen. Im Wesentlichen bewegen wir uns hier weiter in einer Schiebezone, die nun schon seit Juni 2025 anhält. Wenn so wenig los ist, besteht immer die Versuchung, die Lage etwas überzuinterpretieren. Theoretisch könnte man innerhalb dieser Zone eine Widerstandslinie einzeichnen. Diese war, abgesehen von einem kurzen und gescheiterten Ausbruchsversuch Anfang Oktober 2025, mit mindestens fünf Auflagepunkten/-Bereichen gut bestätigt. Als dann zum Jahreswechsel der Ausbruch nach oben erfolgte, wurde aus dem Widerstand Unterstützung. Insofern hat sich der deutsche Leitindex also eine kleine Stufe hochgearbeitet, was positiv ist, und er hat dies gegen den Sog des Indexschwergewichts SAP geschafft (vgl. Ausgabe der Vorwoche), was ebenfalls ein Pluspunkt ist.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Handelstage mit den zuletzt höchsten Umsätzen jeweils Abwärtstage waren, was zumindest auf eine gewisse Verunsicherung der Marktteilnehmer hindeutet. Wie gesagt, diese Betrachtung könnte eine gewisse Überinterpretation eines Kursgeschehens darstellen, das bislang nur eine Konsolidierung ist. Erst, wenn ein nachhaltiger Ausbruch erfolgt, stehen auf Indexebene wieder echte Entscheidungen an.
Peter Hahne kommt …
… nach Ergolding. Wer den renommierten Ex-ZDF-Moderator und Bestsellerautor Peter Hahne einmal live erleben will, hat dazu Gelegenheit im Bürgersaal Ergolding (Lindenstraße 40, 84030 Ergolding) bei Landshut am 19.2. ab 18:00 Uhr (Einlass ab 17:00 Uhr). Freuen Sie sich auf den Vortrag „… nicht alles vorbei! Sind wir noch zu retten?“, bei dem das Medienurgestein auch diesmal kein Blatt vor den Mund nehmen wird. Der Eintritt beträgt 20 EUR. Tickets gibt es online unter krasser.guru/hahne oder im Rathaus Ergolding; Restkarten an der Abendkasse. Im Rahmen der Veranstaltung besteht die Möglichkeit Hahnes brandneues Buch „Warum macht ihr uns kaputt?“ zu erwerben und signieren zu lassen.
Musterdepots & wikifolio
In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über zwei extremere Entwicklungen bei Einzelpositionen. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.
Fazit
Das noch junge Jahr steht weiter im Zeichen von Politik und Geopolitik. Damit meinen wir nicht die anstehenden Parteitage von CDU und SPD im deutschen Landtags-Superwahljahr, sondern jene (Geo-)Politik, in der die Dinge in den Fluss gekommen sind, oder Länder wie Japan, in denen man nun auf echte Reformen hoffen kann.
Ralf Flierl, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.




