„Gold besitzt durchaus noch Verdoppelungspotenzial“

Thomas Bartling

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Interview

Substanz Investor im Gespräch mit Thomas Bartling, CONCEPT Vermögensmanagement, über die Volatilität bei Edelmetallen und die gigantischen KI-Investitionen v.a. in der Tech-Industrie

Substanz Investor: Nach den extremen Kursanstiegen bei Gold und Silber kam es zuletzt zu sehr volatilen Preisbewegungen. Was steckt aus Ihrer Sicht dahinter?
Thomas Bartling: Die Entwicklung der Edelmetalle zeigte in den letzten beiden Jahren eine sehr positive Tendenz. Damit trat ein Szenario ein, auf das Anleger lange gewartet hatten: Gold und Silber bewiesen eindrucksvoll ihre Rolle als wertbeständiges Äquivalent zum Papiergeld. Angesichts der massiven Kurssteigerungen ist vermehrt spekulatives Kapital in den Markt geflossen. In der Folge führten Gewinnmitnahmen und Korrekturen der steilen Aufwärtsbewegung zu einer erhöhten Volatilität. In solchen Phasen ist es jedoch entscheidend, die fundamentale Bedeutung von Gold innerhalb unseres Papiergeldsystems nicht aus den Augen zu verlieren. Führende Notenbanken wie die Fed oder die Bundesbank halten nach den Kurssteigerungen in ihren Währungsreserven 80% Gold. Die Hausse wurde maßgeblich durch globale Unsicherheit befeuert. Anhaltende geopolitische Krisen fungierten als Katalysatoren. Hinzu kam, dass die Politik unter Trump Marktunsicherheiten verstärkt und Investoren in sichere Häfen getrieben hat. Parallel dazu erlebte Silber eine historische Zäsur. Nach dem Überwinden der Marke von 50 USD war der Weg nach oben frei, was einen Durchmarsch des Silberpreises bis auf 120 USD zur Folge hatte.

SI: Wie gehen Sie damit im Portfolio um?
Bartling: Aktuell halten wir im Fonds einen Anteil von 20% an physisch rückgedeckten Edelmetallen, ergänzt durch eine 10%-Quote an Minenwerten. Die jüngsten Rekordmarken bei Gold und Silber haben wir genutzt, um Gewinne zu realisieren. Ich habe die Eurokrise 2011 im Hinterkopf, die gezeigt hat, dass Korrekturen in diesem Sektor scharf verlaufen können. Mario Draghis Whatever-it-takes-Ansage zur Rettung des Euro schickte Gold auf ca. 1.060 USD, nachdem die Feinunze bereits mit 1.920 USD gehandelt worden war. Damals fungierte Gold primär als Fluchtwährung für den bedrohten Euro. Heute sind die Rahmenbedingungen mit Blick auf den Vertrauensverlust in US-Staatsanleihen andere. Ein Blick auf die Relation zwischen US-Staatsschulden und dem Goldpreis verdeutlicht das Potenzial: 1975 lag der Goldpreis im Schnitt bei 150 USD, während die USA mit 0,5 Bio. USD verschuldet waren. Heute stehen 5.000 USD pro Unze Schulden von 39 Bio. USD gegenüber. Während die Verschuldung um den Faktor 76 gestiegen ist, hat sich Gold nur verdreiunddreißigfacht. Angesichts dieser fortschreitenden Geldentwertung besitzt Gold auf Sicht der nächsten Jahre durchaus noch das Potenzial für eine Verdoppelung.

SI: Neben Edelmetallen und Minen sind Tech-Aktien ein wichtiges Standbein des globalen Mischfonds CONCEPT Aurelia Global (WKN: A0Q8A0). Vielfach macht sich Angst breit, dass die hohen Investitionen in KI sich nicht rechnen. Wie sehen Sie die Entwicklung?
Bartling: Allein Amazon plant in diesem Jahr Investitionen von rund 200 Mrd. EUR in die KI-Entwicklung – das ist schon gigantisch. Nicht jedes Unternehmen der „Magnificent Seven“ wird gleichermaßen profitieren. Nur First Mover mit echten Alleinstellungsmerkmalen werden die Ausgaben in nachhaltigen Cashflow ummünzen. Eine Unbekannte bleibt die chinesische Konkurrenz, die zwar geringere Volumina investiert, den US-Giganten jedoch Marktanteile streitig machen könnte – auch wenn die Kerninnovationen weiterhin im Silicon Valley entstehen.

SI: Unter den „Magnificent Seven“ trauen Sie Alphabet einiges zu. Was stimmt Sie positiv?
Bartling: Anfangs herrschte Skepsis: Experten fürchteten, die KI-Wende könnte die klassische Google-Suche überflüssig machen. Doch das Blatt hat sich gewendet. Mit Gemini 3 Pro hat Alphabet nicht nur den Anschluss gefunden, sondern ist auch mit Blick auf Wettbewerber wie OpenAI mit ChatGPT auf der Überholspur. Parallel umschiffte der Konzern erfolgreich regulatorische Hürden. Auch beim Quantencomputing ist Alphabet hervorragend positioniert. Diese Entwicklung blieb auch Warren Buffett nicht verborgen. Das letzte Investment vor seinem Rückzug war der Kauf von Alphabet-Aktien im Wert von 5 Mrd. USD.

SI: Strategy, ein Tech-Unternehmen mit starkem Bitcoin-Exposure, hat sich vor dem Hintergrund der Bitcoin-Baisse im vergangenen Jahr fast halbiert. Welche Rolle spielt das Unternehmen im Portfolio des CONCEPT Aurelia Global und wie sind die Perspektiven?
Bartling: Die Strategy-Aktie bietet mir die Möglichkeit, mittelbar in Bitcoin zu investieren. Die ursprüngliche Gewichtung von 3% im Portfolio in der Spitze hat sich bereits halbiert. Das Unternehmen wird derzeit unter dem Wert seiner Bitcoin-Bestände gehandelt. Kritiker werfen CEO Michael Saylor vor, die Käufe durch Kredite und Eigenkapitalverwässerung finanziert zu haben, was bei einem weiteren Bitcoin-Preisverfall zu Zwangsverkäufen führen könnte. Davon sind wir jedoch noch entfernt. Ein entscheidender Stabilitätsfaktor bleibt die Zugehörigkeit zum Nasdaq-100, wodurch die Aktie weiterhin in passiven Indexprodukten vertreten ist. Da ich Bitcoin als inflationsresistentes Asset betrachte, das sich seit 2009 bewährt hat, überwiegen bei der Aktie für mich klar die Chancen.

SI: Herr Bartling, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

Thomas Bartling (61) studierte Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Informatik an der Universität Bielefeld, um im Anschluss zunächst im IT- und Finanzmanagement von Bertelsmann zu arbeiten. Seit Auflage 2008 ist er verantwortlicher Fondsmanager des Publikumsfonds CONCEPT Aurelia Global (WKN: A0Q8A0). Bartling ist Geschäftsführer und Gesellschafter von CONCEPT Vermögensmanagement in Bielefeld.

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