Japanische Halbleitergiganten

Dr. Claudia Giani-Leber

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Kolumne

Gastbeitrag von Dr. Claudia Giani-Leber, ACATIS

Ende November 2025 bot sich für meinen Mann und mich eine besondere Gelegenheit: Wir haben an einer von Sven Krüger, Broker bei der japanischen SMBC Bank, organisierten Reise teilgenommen. Der Fokus lag auf Besuchen bei Akteuren der Halbleiter-Wertschöpfungskette.

Upstream-Spezialisierung
Halbleiter sind die Basis unserer modernen Welt. Ihre Herstellung ist von intensivem Wettbewerb geprägt, und hier behaupten japanische Unternehmen ihre unangefochtene Marktführerschaft. Ihr Erfolgsgeheimnis liegt in der extremen Spezialisierung auf Upstream-Nischen. Qualität, Zuverlässigkeit und proprietäres Know-how sind die entscheidenden Barrieren für den Wettbewerb. Diese Firmen liefern die Werkzeuge und Materialien für die „Chips der vierten Generation“, die bereits in den Bereich der Ångström-Größe (der zehnmilliardste Teil eines Meters) vordringen.

Infrastruktur und Materialien
Als weltweit einziger Anbieter bietet Japan Material einen „One-Stop-Shop“ für die Chipfertigung an – von Gas und Chemikalien bis hin zur Klimatisierung. Dieses Outsourcing senkt die Kosten der Kunden und sichert dem Unternehmen stabile Aboeinnahmen. Auch im Bereich der Rohmaterialien ist Japan dominant. So hält Shin-Etsu seit 2000 einen konstanten Weltmarktanteil von 30% bei Siliziumwafern. Da die Qualität der Wafer die Ausbeute des Endprodukts massiv beeinflusst, ist die Zuverlässigkeit von Shin-Etsu ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Ähnlich spezialisiert ist auch Nissan Chemicals: Das Unternehmen investiert konsequent 7% bis 9% seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung für zukunftsweisende Materialien wie Perowskit.

Präzision in Komponenten und Optik
Andere Giganten des Landes konzentrieren sich auf hochkomplexe Bauteile für Server der nächsten Generation. Murata dominiert den Markt für keramische Vielschichtkondensatoren durch überlegene Schicht- und Schneidetechnik. Der Glasproduzent HOYA aus Tokio ist ein unverzichtbarer Komponentenlieferant für Extreme-Ultraviolet-Masken-Rohlinge. Zudem treibt Hoya u.a. Innovationen in der Augmented-Reality-Optik voran.

Maschinenbauer der Ångström-Ära
Die Fertigung winzigster Strukturen erfordert spezialisierte Anlagen. Kokusai ist mit 70% Marktanteil der dominierende Akteur bei der schichtweisen Materialabscheidung (Batch-ALD). Durch den Trend zur 3D-Bauweise von Chips rechnet das Unternehmen mit starkem Wachstum, da Halbleiterstrukturen mittlerweile Dimensionen im Atombereich erreichen. Japan Electron Optics Laboratory ist führend bei Photomasken-Maschinen. Das neueste Modell zielt auf Strukturen von nur 7 Ångström (0,7 nm) ab. Ein exklusiver Einblick bot sich uns bei Tohoku-MicroTec. Unter strengsten Reinraumbedingungen – inklusive Luftschleuse und Vollschutz – führte uns der prämierte Forscher Prof. Koyanagi durch die Anlagen, in denen Superchips mit Micro-Bump-Verbindungen, quasi der Goldstandard in der Chipproduktion, entwickelt werden.

Fazit
Nicht jedes dieser Unternehmen produziert selbst Chips, aber sie alle liefern die unverzichtbare Technologie, um die Ångström-Generation überhaupt erst zu ermöglichen. Japans Halbleiterindustrie ist hochgradig innovativ, dynamisch und bietet weiterhin erstklassige Investitionschancen.

Dr. Claudia Giani-Leber studierte Kunstwissenschaft sowie italienische und neuere deutsche Literatur an der Universität Basel (Schweiz), wo sie in Kunstwissenschaft auch promovierte. Gleichzeitig, als sie zusammen mit ihrem Mann, Dr. Hendrik Leber, 1994 die Firma ACATIS gründete, etablierte sie auch ihre Galerie ARTE GIANI, die bis heute besteht. In den 1980er Jahren unterrichtete sie einige Jahre Italienisch an der Oberstufe eines Schweizer Gymnasiums. Frau Giani Leber ist bei Acatis Geschäftsführerin und verantwortet den Bereich Marketing/ PR.

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