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Iran blockiert Hormus, Öl explodiert, Porsche taumelt – Geopolitik diktiert den Takt

Eskalation ohne klare Kante

Seit letzter Woche weitete sich der neue Nahostkrieg aus: Aserbaidschan meldete iranische Drohnenangriffe, gefolgt von türkischen Abwehraktionen bei Incirlik – die Türkei ist NATO-Mitglied, das allerdings sind die USA auch. Katar fing eine Rakete ab, der Oman evakuierte Deutsche aus der Region. Es ging Schlag auf Schlag. Obwohl, je nach Zählweise, mindestens 13 Staaten durch Angriffe und Abwehraktionen direkt betroffen waren bzw. sind, sind die Kampfhandlungen, in denen einige nicht weniger als den Auftakt zum Dritten Weltkrieg sehen, schon nach knapp zwei Wochen nicht mehr an erster Stelle der Boulevardschlagzeilen. Eine weitere und potenziell schicksalsschwangere Anomalie zeichnet sich im Vergleich zu bisherigen US-Militäreinsätzen unter Trump ab. Sowohl die Gefangennahme des venezolanischen Diktators Maduro („Operation Absolute Resolve“, Januar 2026) als auch der Angriff auf iranische Atomanlagen („Operation Midnight Hammer“, Juni 2025) waren – unabhängig von allen anderen Aspekten – militärisch präzise, ja spektakulär. In beiden Fällen hatten die USA das Überraschungsmoment auf ihrer Seite und konnten in kürzester Zeit ihr Kriegsziel erreichen.

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K.O. in Runde 2?

In der Rückschau erscheint allerdings zunehmend fraglich, ob die USA mit dem „Mitternachtshammer“ das Atomprogramm der Mullahs tatsächlich ausgeknockt haben. Der Luftschlag war eingebettet in den 12-Tage-Krieg Israels gegen den Iran („Rising Lion“) und schon damals gingen kritische Beobachter davon aus, dass die iranische Führung Vorsorge für mögliche Angriffe auf ihre wertvollsten Anlagen getroffen haben dürfte. Während solche Einwände seinerzeit im Westen nur eine Minderheitsmeinung darstellten, scheinen sie inzwischen bis tief in die US-Administration mehrheitsfähig geworden zu sein. Denn ursprünglich begründeten die USA den aktuellen Angriff mit einer „präventiven Aktion“ gegen eine „unmittelbare nukleare Bedrohung“. Das iranische Atomprogramm sollte dauerhaft zerstört werden, ebenso wie das ballistische Raketenarsenal, dessen Produktionsstätten und obendrein auch noch die iranische Marine. Es gehe ausschließlich um die Bedrohungen durch die militärische Infrastruktur, weshalb diese dezimiert werden solle. Regime Change war zu Beginn der „militärischen Spezialoperation“, wie Putin sie wohl scherzhaft genannt hätte, kein Ziel und Bodentruppen keine Option.

Wort und Tat

Dass auch große Teile des iranischen Führungsestablishments angegriffen wurden, inklusive der gezielten Tötung des „Obersten Führers“ Ali Khamenei, gab der realen Kriegsführung von Anfang an einen anderen Zungenschlag. Im Tagesrhythmus veränderte sich dann die Rhetorik in Richtung Iran auf „take over your government“ und „hour of your freedom“. Die USA und Israel hatten sich nach dem iranischen Volksaufstand im Januar also durchaus Chancen auf einen Regimewechsel ausgerechnet. Allerdings waren es erneut die Kritiker, die das Haar in der Suppe fanden. Ohne Bodentruppen werde dieses Ziel kaum zu erreichen sein. Die weitgehend wehrlose Bevölkerung steht den bis an die Zähne bewaffneten Einheiten des Regimes gegenüber, die ihre Überlegenheit im Fall der Fälle auch skrupellos ausspielen. Zudem hat sich das Regime in den 47 Jahren seiner Herrschaft tief in die Bevölkerung eingegraben – ca. 10 bis 15% gelten als direkte wirtschaftliche und/oder machtpolitische Profiteure, wobei der erweiterte loyale Kreis auf bis zu 25% der Iraner geschätzt wird. Zwar wird im Westen gerne auf die Massenproteste verwiesen, doch sollten die sehr weltlichen und konkreten Privilegien der zahlreichen Günstlinge des Systems, als dessen eigentliche Stabilisatoren, nicht unterschätzt werden.

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Die französische Fonds-Gesellschaft H2O veranstaltet wieder ihren beliebten Makro-Lunch in ausgewählten, edlen Restaurants in München, Frankfurt und Hamburg.

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Die Veranstaltung richtet sich an professionelle Investoren und vermögende Privatkunden.
Da die Plätze begrenzt sind, wird darum gebeten, sich bei Interesse direkt an Karina Perwald-Leroy zu wenden.


Hochrisikostrategie

Das nur verklausuliert kommunizierte Ziel des „Regime Change“ wurde bislang klar nicht erreicht. Hinter vorgehaltener Hand wird schon von einer Light-Variante gesprochen. Luftkrieg und elektronische Kriegsführung durch die USA und Israel, Bodentruppen durch die Verbündeten der Region. Aber auch das ist eine Hochrisikostrategie, denn ob Kurden oder Türken einmal eroberte Gebiete wieder aufgeben werden, ist mehr als fraglich. Trump braucht im Jahr des Semiquincentennial (250 Jahre-Feier) und der Midterms Erfolge, schnelle Erfolge. Worin diese bestehen könnten, wird von Tag zu Tag unklarer. Für die Mullahs ist die Erfolgsstrategie dagegen relativ klar. Jeder weitere Tag, an dem sie sich an der Macht halten, lässt die Anfangserfolge der US-israelischen Kampagne verblassen. Jeder erfolgreich gesetzte Nadelstich, der von einer sensationslüsternen Presse im Westen multipliziert wird, treibt für Trump und Netanjahu die Kriegskosten in die Höhe. Eine Strategie der schnellen Dominanz („shock & awe“) scheitert, wenn sie ihr Momentum verliert. Die Analogie zum Börsenhandel ist der angestrebte schnelle Trade, der verunglückt und zum verlustreichen Dauerinvestment wird.

Erste oder einsame Preisspitze?

Wie schon in der letzten Ausgabe beschrieben, ist die Entwicklung des Ölpreises einer der besseren Gradmesser für die Einschätzung der weiteren Entwicklung. Hier ist – abseits von allen konkreten Theorien – ordentlich „Skin in the Game“. Die Marktteilnehmer hatten über das vergangene Wochenende reichlich Zeit, sich in jeden weiteren Raketeneinschlag in einen Golfstaat hineinzusteigern. Wesentlicher Kristallisationspunkt der Ängste ist die Straße von Hormus, die der Iran durch seine Drohungen de facto gesperrt hatte und nun auch vermint. Jedenfalls haben sich die Versicherungsprämien inzwischen mehr als verdreifacht, während von den angekündigten amerikanischen Eskorten wenig, bis nichts zu sehen ist. Rund 150 Tank- und Frachtschiffe verharren dies- und jenseits der Meerenge. Der Bulkcarrier „Iron Maiden“ wagte die Durchfahrt mit einem Bluff. Er setzte sein AIS-Zielsignal auf „CHINA OWNER“. Andere kopieren die Taktik. Hintergrund: Rund 45% der chinesischen Rohölimporte kommen aus der Straße von Hormus und wahlloses „Schiffe versenken“ durch die Revolutionsgarden würde in Peking kaum akzeptiert werden.

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Spitzen und Plateaus

Dennoch schoss der Rohölpreis diesen Montag in der Spitze auf knapp 120 USD/Barrel nach oben. Damit waren die aktuellen Paniklevels aber dann auch erst einmal abgearbeitet. Schon am Folgetrag krachte der Preis unter 100 USD und pendelt aktuell um die 90 USD. Die extreme Volatilität zeigt vor allem die Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Aufgrund der Zerstörung von Ölinfrastruktur in der Region werden bereits Preisziele von 150 USD/Barrel und mehr herumgereicht. Allerdings setzen extreme Preisbewegungen auch diverse Rückkopplungsschleifen in Gang. Für gesperrte Transportwege werden alternative Routen gefunden, dramatische Preissteigerungen locken neue Anbieter und lassen die Nachfrage zurückgehen. Märkte sind oft erstaunlich resilient. Ob es bei der einen Preisspitze bleibt, oder ob weitere und höhere Extremwerte folgen, ist daher kaum seriös zu prognostizieren, zumal die Kriegsparteien noch die eine oder andere Überraschung im Petto haben könnten. Für Tankstellenkunden sieht das ohnehin etwas anders aus. Hier mutieren derartige Spitzen leicht zu Plateaus, denn während Preiserhöhungen rasch an die Kundschaft weitergegeben werden, führen sinkende Weltmarktpreise regelmäßig nicht in gleicher Geschwindigkeit zu Anpassungen nach unten.

„Rezflation“

Für die deutsche Konjunktur ist diese zusätzliche Verteuerung der Energie ein weiteres Negativvorzeichen. Die Prognosen eines ohnehin nur blutleeren Wirtschaftswachstums sind bereits Makulatur. Dazu kommt, dass sich die gestiegenen Öl- und Gaspreise durch die ganze Produktionskette fressen werden – also dort, wo noch etwas produziert wird. „Rezflation“ (als Kofferwort aus Rezession und Inflation) dürfte das kommende Szenario für Deutschland wohl am besten beschreiben.

Läuft und läuft und läuft nicht mehr

Nirgendwo kann man dies derzeit besser sehen als in der Kfz-Industrie, der einstigen deutschen Vorzeigebranche. Pünktlich nach der baden-württembergischen Landtagswahl, wo grünes „Weiter so!“ gewählt wurde, teilte die Zuffenhausener Edelkarossenschmiede Porsche ein Gewinnminus von -98% mit. Bei der Mutter Volkswagen waren es immerhin nur -44%, dafür wurde aber noch ein Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 in Aussicht gestellt. Der VW-Konzern war, nicht zuletzt aufgrund des starken Staats- und Gewerkschaftseinflusses, einer der Vorreiter der E-Mobilität in Deutschland. Allein, das Konzept kann in der Breite nicht überzeugen, trotz reichlich polit-medialen Rückenwinds. Die Niedersachsen produzieren mit ihren mehr oder weniger hübschen Töchtern, zu denen bekanntlich auch Porsche gehört, an den Bedürfnissen der Kunden vorbei. Dazu kommen Probleme in und mit China. Autos „made in Germany“ verkaufen sich dort nicht länger wie geschnitten Brot, zumal die Chinesen im E-Bereich die Nase vorn haben. Die Mischung aus Kostenführerschaft und Technologie überzeugt, und das zunehmend auch in Deutschland. Allerdings gibt es auch Hoffnungsschimmer im Fahrzeugbau. Mercedes-Benz investiert über eine Milliarde und schafft 3.000 neue Arbeitsplätze, allerdings nicht im weiter ergrünten Stuttgart, sondern in Kecskemét, Ungarn.

Zu den Märkten

Der DAX ist nun fast vollständig zur Kriegsbörse geworden. Die wesentlichen Impulse kommen aus der Frontberichtserstattung oder den heimischen Auswirkungen durch weitere Energiepreissteigerungen bzw. -verknappungen. In den letzten Wochen gab es drei signifikante Gaps (Rechtecke im Chart), die ersten beiden waren abwärtsgerichtet, das letzte dann wieder aufwärts. Natürlich ist die Unsicherheit auch hier zu spüren. Zum Dammbruch ist es allerdings noch (!) nicht gekommen. Alle drei Kurslücken befinden sich innerhalb der breiten Schiebezone des letzten Dreivierteljahres. Zudem prallte der Index im Bereich von 23.000 Punkten (blaue Linie) nach oben ab, wodurch diese Marke nun von hoher Bedeutung ist. Man kann davon ausgehen, dass flexible Anleger einen Durchbruch zum Anlass nehmen werden, ihre Engagements in deutschen Standardaktien erst einmal glattzustellen. Noch aber ist es nicht so weit.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute erneut über eine äußerst positive Entwicklung bei einem unserer Musterdepottitel. Die große Monatsübersicht zum Aktienmusterdepot für Februar inklusive Transaktionen finden Sie in der Ausgabe 9/2026. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.

Fazit

Die vielleicht spektakulärste Kursentwicklung war in der Berichtswoche bei Rohöl zu verzeichnen. Pessimisten erwarten weitere, noch höhere Preisspitzen. Dagegen geht in der deutschen Automobilindustrie alles seinen gewohnten Gang – nach unten.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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