„Javier Milei symbolisiert Hoffnung“

Carlos A. Gebauer

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Österreichische Schule

Substanz Investor im Gespräch mit Carlos A. Gebauer, Mitbegründer und Vorsitzender des Javier Milei Institut für Deregulierung in Europa

Substanz Investor: Herr Gebauer, Sie kommen gerade von der ersten Milei-Konferenz bei Leipzig zurück. Wenn Sie die Stimmung dieses Wochenendes in einem Bild zusammenfassen sollten – welches wäre das?
Carlos A. Gebauer: Eine weltanschaulich heterogene Vielzahl von Menschen blickt zunehmend kritisch auf die politische Lage. Es entsteht – vorsichtig noch, aber deutlich greifbar – ein überparteilich getragener, vor allem aber sachlich geführter gesellschaftlicher Diskurs. Die leisen Macher betreten den Debattenraum. Das sorgt für Irritationen, besonders bei den lauten Ratlosen.

SI: Was hat Sie und Ihre Mitstreiter eigentlich auf die Idee für das Javier Milei Institut für Deregulierung in Europa gebracht? Gab es einen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat?
Gebauer: Die „Österreichische Schule der Nationalökonomie“ hat die realpolitisch herrschenden keynesianischen Prämissen seit Langem minutiös widerlegt. Die Praxis vollzieht den daher längst gebotenen Schwenk zur Rationalität gleichwohl nicht. Javier Milei symbolisiert Hoffnung, die regulatorischen Wasserfälle einzuhegen, die tagtäglich in das sprichwörtliche Fass strömen.

SI: Sofern im hiesigen Mainstream überhaupt über den argentinischen Präsidenten berichtet wird, ist der Zungenschlag überwältigend negativ. Was macht für Sie den Reiz des Namensgebers aus?
Gebauer: Wir sehen das Bestreben Mileis, ein heillos in sich selbst verknotetes argentinisches Interventionsknäuel nach „österreichischer“ Methode zu entwirren. Dieser ökonomische Gesundungsprozess hat nichts Binäres. Eine Volkswirtschaft kann nicht sofort von schlecht auf gut umschalten. Die Hoffnung liegt auf dem Prozesshaften des Vorgehens: Das Interventionsgift muss langsam ausgeschieden werden, damit der Organismus nicht gleich kollabiert. Publizistische Freunde der Staatswirtschaft mögen Mileis Erfolge nicht und schweigen in der Hoffnung auf sein langfristiges Scheitern.

SI: Lassen Sie uns zur Konferenz kommen. Was wollte das Milei-Institut mit dieser „Werkstatt für Deregulierung“ anders machen als andere Konferenzen?
Gebauer: Der inzwischen bisweilen geradezu hysterische gesellschaftliche Dialog schreckt besonnene Gemüter ab und treibt nicht selten auch Keile des Schweigens zwischen kluge Menschen. Unser kleines Institut will wie ein Katalysator wirken und herrschaftsfreie Diskurse ermöglichen.

SI: Gab es eine Begegnung oder eine Aussage eines Teilnehmers, die Sie persönlich besonders berührt oder nachdenklich gemacht hat?
Gebauer: Joana Cotar hat die Bezugnahme auf Anton Tschechows machtlose Gouvernante in meinem Referat kommentiert: Man leide mit der Frau und stelle plötzlich fest, dass wir alle dieses Kindermädchen sind.

SI: Blicken wir einmal nach vorn: Welche konkreten nächsten Schritte sind für das Institut und die Konferenz geplant?
Gebauer: Wir wären keine „Österreicher“, wenn wir uns nicht mit sensiblem Gespür für die Wirkungen unserer Konferenz weiter vortasten. Genaues weiß man nicht. Noch nicht. Klar ist nur: Es geht weiter.

SI: Und natürlich kommt ein Beitrag über Milei nicht ohne die sprichwörtliche Kettensäge aus. Wo würden Sie die drei ersten Schnitte setzen?
Gebauer: Steuerlastreduktion, Staatsschuldenstopp, Geldmengenbegrenzung. Kurz danach blüht der volkswirtschaftliche Garten wieder auf. Ich freue mich schon jetzt auf den Blumenduft.

SI: Herzlichen Dank für diese hochinteressanten Ein- und Ausblicke.

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