Editorial „Rohstoffe“: Ölschock ohne Puffer

Björn Paffrath

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Die Börsen hatten sich an die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran gewöhnt. Doch geopolitische Risiken halten sich selten an den Terminkalender – Washington nahm die Luftangriffe wieder auf und erneuerte die Seeblockade. Teheran antwortete mit Gegenschlägen und erklärte die Straße von Hormus für geschlossen. Der Ölmarkt verstand die Botschaft sofort: Brent sprang binnen weniger Sitzungen von gut 70 USD bis in den mittleren 80-USD-Bereich. Die Risikoprämie ist zurück!

Und dies ausgerechnet jetzt, da die US-Inflationsdaten Entspannung signalisierten: Im Juni sanken die Verbraucherpreise um 0,4%, die Jahresrate fiel von 4,2% auf 3,5% und die Kernrate auf 2,6%. Sofort keimte Hoffnung auf baldige Zinssenkungen auf. Doch wie passt das zu Rohöl, das deutlich nach oben dreht?

Die Antwort liefert der Zeitpunkt der Erhebung. Die Junizahlen erfassen noch jene Phase, in der Rohöl um 70 USD notierte und günstigere Energie die Inflation drückte; eine Welt also, die so nicht mehr existiert. Hält sich Öl auf dem erhöhten Niveau, dürften auch die Inflationserwartungen wieder anziehen. Die US-Notenbank steckt in der Klemme: Schwächere Konjunkturdaten sprechen für niedrigere Zinsen, der Ölpreisschub für anhaltende Vorsicht.

Besonders sichtbar wird der Widerspruch bei den Edelmetallen. Trotz wachsender geopolitischer Spannungen rutschte Gold zeitweise unter die wichtige Marke von 4.000 USD. Silber ringt mit der 60-USD-Marke und viele Minenaktien notieren nahe ihren jüngsten Tiefständen. Das erscheint paradox. Kurzfristig lasten dagegen steigende Renditen und ein festerer US-Dollar auf dem Sektor – genau jene Kräfte, die ein neuer Inflationsschub noch verstärken könnte.

Auf der anderen Seite prallen an den Börsen zwei Welten aufeinander. Der Kupferpreis hält sich mit rund 6,40 USD je Pfund in seinem langfristigen Aufwärtstrend. Mehrere Branchenwerte erreichten sogar neue Hochs, auch kleinere Kupferaktien zeigen sich robust. Ein Rohstoff fällt dabei oft durchs Raster: Nickel. Nach Jahren des Angebotsdrucks wird es stiefmütterlich behandelt, bleibt für Edelstahl, Batterien und die westliche Versorgung aber strategisch wichtig.

Mit anderen Worten: Der Rohstoffzyklus ist keineswegs vorbei, er sortiert seine Favoriten neu. Während Energie- und Kupferwerte bereits angesprungen sind, ringen die Edelmetalle noch um einen tragfähigen Boden – und Nickel wartet auf seine Wiederentdeckung.

Zudem sind die Puffer kleiner als bei der ersten Eskalation. Die strategischen US-Ölreserven liegen nahe einem jahrzehntelangen Tief, die freien OPEC-Förderkapazitäten sind begrenzt und die Schieferölindustrie fährt ihre Bohraktivitäten zurück. Bei einer längeren Beeinträchtigung der wichtigen Seeroute könnte der Preisschub heftiger ausfallen als beim ersten Mal.

Wie immer hängt fast alles vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. Eine schnelle diplomatische Einigung könnte den geopolitischen Aufschlag rasch abbauen. Sollte die Straße von Hormus allerdings umkämpft bleiben, dürften Energie und Kupfer ihren Vorsprung behaupten. Bei Gold und Silber bleibt dann Geduld gefragt.

Gerade jetzt lohnt es sich, ausgewählte Nickel-, Gold- und Silberwerte auf die Beobachtungsliste zu setzen. Drei interessante Aktien aus diesen Bereichen stellen wir auf den folgenden Seiten vor.

Björn Paffrath
Minenexperte und Unternehmer,
Herausgeber des Börsenbriefs

„DER ROHSTOFF-KÖNIG“

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