Editorial „Rohstoffe“: Fallen kann es, steigen muss es! Wann schlägt Uran zurück?

Björn Paffrath

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Die Straße von Hormus hat der Welt in diesem Jahr eine unangenehme Lektion erteilt: Versorgungskrisen treffen längst nicht nur Öl und Gas. Auch Dünger, Schwefel und Helium sind knapp – Rohstoffe, über die kaum jemand spricht, solange sie verfügbar sind.

Vor dem Krieg lief ein Drittel des weltweit gehandelten Harnstoffs und fast die Hälfte des auf See gehandelten Schwefels durch Hormus. Zeitweise saßen Hunderttausende Tonnen im Golf fest. QatarEnergy stoppte die LNG-Produktion und erklärte Force Majeure, Mitte August waren bei Petronet 56 Ladungen betroffen. Weil Qatar fast ein Drittel des Heliums liefert, geriet auch dieser Markt unter Druck. Die Botschaft: Rohstoffe werden spannend, wenn sie knapp werden.

Und genau hier beginnt die Uranstory!

Bei Uran geht es längst nicht nur um den Preis eines Pfundes Uran (U₃O₈), sondern auch um die Frage: Wer kontrolliert die Versorgung? Der Ukrainekrieg legte Europas Gasabhängigkeit offen, der Irankonflikt die Verwundbarkeit globaler Lieferketten. Auch Förderung und Brennstoffkette sind auf wenige Länder konzentriert. Energiesouveränität wird zur wirtschaftlichen Notwendigkeit.

Gleichzeitig wächst die Nachfrage. BloombergNEF erwartet bis 2036 weltweit 535 GW Reaktorkapazität – rund 44% mehr als 2025. Neue und länger laufende Reaktoren sowie kleine modulare Reaktoren benötigen Brennstoff. Doch neue Uranminen entstehen nicht auf Knopfdruck: Genehmigung, Finanzierung und Bau dauern Jahre.

Die Preisindikatoren haben die Spannung längst verstanden. Ende Juli lag der von Cameco berechnete Spotpreis bei 86,38 USD je Pfund, und der langfristige Indikator bei 95,50 USD. Der Uranpreisdienst UxC wies für Lieferungen in drei bzw. fünf Jahren sogar 101 und 108 USD aus. Deutlich mehr als am Spotmarkt – kein Zeichen für Überfluss.

Die Uranaktien ignorieren den Angebotsdruck bisher und konnten sich von der starken Korrektur nach der massiven Haussephase noch nicht richtig erholen. Von Ende Februar bis Ende Juli verloren die drei Uran-ETFs URA, URNM und URNJ rund 28% bis 38%, obwohl der Spotpreis nahezu unverändert blieb und der langfristige Preis stieg. Seitdem läuft eine Gegenbewegung: Bis 14.8. gewannen die ETFs 12% bis 15%, lagen gegenüber Ende Februar aber noch 17% bis 30% zurück. Die Lücke wird kleiner – geschlossen ist sie nicht. Uranaktien sind volatil, Produktionsstarts schwierig und Genehmigungen langwierig. Deshalb reicht es nicht, irgendeinen Titel zu kaufen: Man muss schon genau hinsehen.

Bei Öl, Dünger oder Helium erkennt der Markt Knappheit oft erst, wenn Lieferungen ausfallen. Kernkraftwerksbetreiber sichern Brennstoff dagegen Jahre im Voraus. Steigt der Absicherungsbedarf, konkurrieren sie um wenige genehmigte und wirtschaftliche Minen. Die Frage lautet daher nicht, ob Uran strategischer wird, sondern ob die zaghafte Erholung seit Ende Juli eine nachhaltige Neubewertung einleitet. Schlägt Uran jetzt zurück oder müssen wir weiterhin geduldig sein? Fallen kann es – steigen muss es!

Björn Paffrath
Minenexperte und Unternehmer,
Herausgeber des Börsenbriefs

„DER ROHSTOFF-KÖNIG“

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