Substanz Investor im Gespräch mit Babak Abrar und Dr. Karina Perwald-Leroy von H2O AM Europe über den Global-Macro-Ansatz des Hauses und die aus den Private-Debt-Erfahrungen gezogenen Lehren
Substanz Investor: Welche Rolle kann der Investmentansatz von H2O AM im heutigen Marktumfeld für Investoren spielen?
Babak Abrar: Finanzberater stehen derzeit vor einer echten Herausforderung. Der weltweit wichtigste Aktienmarkt, der S&P 500, weist Bewertungen auf, die deutlich über seinem historischen Schnitt liegen. Zeitgleich sind Anleihen nicht mehr der „sichere Hafen“, den sie in der Vergangenheit dargestellt haben. In diesem Marktumfeld sehen wir eine deutlich wachsende Streuung in der Performance zwischen den Assetmanagern. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Genau hier versuchen wir, mit unserer 30-jährigen Global-Macro-Expertise und der Währungsspezialisierung zu punkten. Das betrifft sowohl das angestrebte Alpha als auch die Diversifizierungsvorteile. Die unterschiedliche Geldpolitik der Zentralbanken schafft heute weitaus mehr Chancen für Relative-Value-Strategien, als es in der Ära der quantitativen Lockerung der Fall war. Long-only-Ansätze profitierten schlichtweg von der hohen Liquidität. Da wir weltweit sowohl Long- als auch Short-Positionen in Anleihen, Aktien und Währungen aufbauen können, erschließen wir opportunistisch ein diversifiziertes Alpha. Traditionelle 60/40-Portfolios sind volatiler geworden, da die Korrelation zwischen Anleihen und Aktien geringer wird. Dennoch behalten Währungen und Anleihen ihre natürlichen Diversifizierungsvorteile, wenn sie separat gemanagt werden. Unser Portfolioaufbau bietet einen weiteren Vorteil, nämlich die Kombination mehrerer Makroszenarien. Derzeit gehen wir beispielsweise von einer steileren US-Zinskurve aus und profitieren dabei von fiskalpolitischen Spannungen am langen Ende der Zinsstrukturkurve sowie potenziellem Risikoabwehrdruck am kurzen Ende, während wir im Devisenbereich Carry-Geschäfte betreiben, also einen eher zyklischen Trade umsetzen.
SI: Welche Lehren haben Sie aus der Erfahrung mit Private Debt gezogen und was hat sich seitdem konkret verbessert?
Abrar: Seit 2020 hat H2O AM die Anlageklasse vollständig aus seinem Anlage-universum ausgeschlossen. Zudem haben wir unsere Unternehmensführung, Unternehmenskultur, Kontrollmechanismen, Risikomanagement und internen Prozesse erheblich gestärkt. In der Unternehmensführung ist unser Vorstand global für die Strategie verantwortlich und gewährleistet, dass diese über alle unsere Einheiten hinweg einheitlich umgesetzt wird, während die Führungsebene lokal das Tagesgeschäft der einzelnen regulierten Einheiten überwacht. Unser Aufsichtsrat, der sich überwiegend aus unabhängigen Mitgliedern zusammensetzt, überwacht die gesamte Struktur. Im Risikomanagement haben wir unseren VaR-Ansatz* durch dynamische Risikolimits ergänzt, die kontinuierlich die Marktbedingungen reflektieren. Zudem setzen wir tägliche Stresstests um, die den Einfluss der schwersten Drawdowns der letzten 20 Jahre auf unsere aktuellen Portfolios quantifizieren. Diese Maßnahmen gewährleisten eine umfassende Bestandsaufnahme unserer operativen und Compliance-Risiken. Die Lektionen aus der Private-Debt-Vergangenheit haben wir gelernt. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist unsere Investoren-DNA: die langjährige Global-Macro-Expertise, gestützt durch ein robustes Governance- und Kontrollrahmenwerk.
SI: Wie haben sich bei H2O AM die Mittelzuflüsse entwickelt?
Abrar: Unser verwaltetes Vermögen ist seit Anfang 2025 stetig gewachsen, und zwar von 6 Mrd. auf 8 Mrd. USD. 2026 freuen wir uns über positive Nettomittelzuflüssen aus dem Großteil der Märkte, in denen wir aktiv sind, einschließlich Deutschland.
SI: Welche Rolle spielt der deutsche Markt für H2O AM?
Abrar: Wir freuen uns sehr über die steigende Nachfrage aus Deutschland, einem für uns wichtigen Wachstumsmarkt. Wir schätzen, dass hier die Kunden Substanz über Marketing stellen und als Investoren eine langfristige Perspektive verfolgen. Das ist für uns eine wichtige Motivation, weiter unsere Ziele zu verfolgen. Frau Dr. Karina Perwald-Leroy ist als Österreicherin mit französischen Wurzeln Ansprechpartnerin für unsere Investoren in Deutschland und Österreich. Mit ihrem Hintergrund bringt sie ein wesentliches kulturelles Verständnis mit, um eine dauerhafte Präsenz in Deutschland und Österreich aufzubauen.
Dr. Karina Perwald-Leroy: Was sind die Charakteristika des H2O-Fondsangebots?
Abrar: Unser Managementauftrag ist es, diversifiziertes Alpha zu erzielen. Was unser Angebot betrifft, basieren alle unsere Fonds auf denselben makroökonomischen Überzeugungen, bilden jedoch unterschiedliche Risikoprofile ab (von 2,5% bis 20% Value at Risk, mit/ohne Benchmark, mit/ohne Aktienexposure). Investoren können so mehrere H2O-AM-Fonds kombinieren, um ihr persönliches Risikoprofil und ihre Diversifizierungsbedürfnisse umzusetzen. Der H2O Adagio FCP eignet sich beispielsweise für Investoren, die eher ein moderates Risiko suchen, während der H2O Multibonds FCP Anleger adressiert, die bereit sind, im empfohlenen Anlagehorizont mehr Risiko einzugehen.
SI: Sie haben kürzlich auch ausschüttende Anteilsklassen aufgelegt. Was können Anleger erwarten?
Perwald-Leroy: Ja, tatsächlich haben wir Anteilsklassen aufgelegt, die jährlich 50% der Jahresrendite auszahlen. So können auch ertragsorientierte Investoren unsere Makroperspektiven nutzen. Das ist u.a. für Stiftungen attraktiv.
SI: Welchen Mehrwert bieten Sie deutschen und österreichischen Investoren zudem?
Perwald-Leroy: Einen hohen Stellenwert haben Transparenz und die umfassende Kommunikation unseres makroökonomischen Ansatzes auf unterschiedlichen Kanälen, um unsere Sichtweisen bestmöglich nachvollziehen zu können. Erfreulicherweise stoßen unsere Makro-Lunches, Podcasts und Analysen auf immer größere Resonanz.
SI: Herr Abrar, Frau Dr. Perwald-Leroy, vielen Dank Ihre interessanten Ausführungen.

Babak Abrar ist Chief Sales and Marketing Officer der H2O AM Group. Bevor er 2021 zu H2O AM kam, war Abrar über 13 Jahre lang als Executive Managing Director bei Natixis Investment Managers tätig. Als Co-Leiter des Vertriebs für das französischsprachige Europa leitete er ein Team von über 50 Mitarbeitern, das Finanzintermediäre, Family Offices, institutionelle Anleger und Privatbanken in Frankreich, Belgien, Luxemburg, der französischsprachigen Schweiz, Monaco und Israel betreute. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Finanzsektor. Abrar begann seine Karriere bei J.P. Morgan (Schweiz) SA und war dann im institutionellen Bereich bei Lombard Odier tätig. Er verfügt über einen Masterabschluss in Management mit Schwerpunkt Finanzen der HEC Lausanne School of Economics (Schweiz) sowie über ein Zertifikat der „Foundation for Business Leadership“ des IMD.

Dr. Karina Perwald-Leroy ist Vertriebsleiterin für Deutschland und Österreich bei H2O AM Europe. Sie ist ausgebildete Anwältin und verfügt über einen Doktortitel in internationalem Wirtschaftsrecht. Von 2003 bis 2005 war sie bei der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer tätig. Danach arbeitete sie bei Atos Consulting, bevor sie zu State Street wechselte und dort die Rechtsabteilung in Paris aufbaute (State Street Bank, State Street Global Advisors). Ab 2011 verstärkte sie die La-Française-Gruppe als Leiterin der Konzernrechtsabteilung; war danach als General Counsel und Compliance Officer bei Acofi Gestion tätig, einer Tochtergesellschaft der La-Française-Gruppe. 2017 wurde sie Leiterin der Rechtsabteilung der Oney Bank und verantwortete zeitgleich die Tochtergesellschaften in elf Ländern. Seit Juni 2021 ist sie für H2O AM Europe tätig, zuerst als Rechtsberaterin, in deren Funktion sie eng mit der Vertriebsabteilung der H2O -AM-Fonds zusammenarbeitete, und seit Januar 2025 als Teil des Vertriebsteams.


