Substanz Investor im Gespräch mit Christian Scheid und Lars Winter, die seit Dezember 2025 gemeinsam den Salus Alpha Special Situations (WKN: A42DFN) managen, über Übernahmen, Squeeze-outs und die Rolle von Anleihen im Fonds
Substanz Investor: Sie beide haben mit eigenen Strategien über viele Jahre einen starken Track Record aufgebaut. Warum jetzt ein Fonds?
Lars Winter: Wir beschäftigen uns beide seit mehr als 25 Jahren mit Sondersituationen, vor allem bei deutschen Nebenwerten. Unsere Ansätze haben sich über viele Marktphasen bewährt. Im Fonds bündeln wir diese Erfahrung. Jede Idee muss den kritischen Blick des anderen bestehen.
Christian Scheid: Uns hat auch der regulatorische Rahmen gereizt. Der Salus Alpha Special Situations ist ein UCITS-Fonds – d.h. klare Regeln für Streuung, Liquidität und Risiko.
SI: Was sind die wesentlichen Charakteristika des Investmentansatzes, der im Salus Alpha Special Situations umgesetzt wird?
Scheid: Wir suchen Unternehmen, bei denen ein konkretes Ereignis eine Neubewertung auslösen kann. Das sind Übernahmen, Squeeze-outs, Abspaltungen, Kapitalrückführungen oder Restrukturierungen. Eine günstige Aktie allein genügt uns nicht. Wir fragen immer: Wer profitiert, wo entsteht Wert – und warum gerade jetzt?
Winter: Rund 60% liegen derzeit in Anleihen, knapp 30% in Aktien, der Rest in Cash. Auf der Aktienseite konzentrieren wir uns auf neun bis zwölf Sondersituationen, vor allem aus der zweiten und dritten Reihe.
SI: Können Sie ein Beispiel für eine Sondersituation aus dem Portfolio nennen?
Winter: Nehmen Sie 1&1. Großaktionär United Internet hat seinen Anteil per Sachkapitalerhöhung auf rund 89,3% ausgebaut. Ab 90% ist ein Squeeze-out möglich. Der Ausgabepreis bei der Kapitalerhöhung von 24,05 EUR liefert einen ersten Referenzwert.
Scheid: Bereits abgeschlossen haben wir Brockhaus Technologies. Wir sind im Mai bei 18,90 EUR eingestiegen. Die Holding hatte ihre Beteiligung an Bikeleasing verkauft und erhielt netto rund 240 Mio. EUR. Im Juli kündigte der Vorstand einen Rückkauf zu angestrebt 24 EUR je Aktie an. Wir haben verkauft, Aktien und Andienungsrechte brachten zusammen 21,23 EUR – das sind gut 12% Gewinn in rund fünf Monaten.
SI: Wie korreliert die Strategie mit dem europäischen Aktien- und Anleihenmarkt?
Scheid: Die Aktienseite hängt vor allem an Einzelereignissen. Die Allfunds-Aktie etwa folgt dem Übernahmeangebot der Deutschen Börse, nicht dem STOXX 600. Ganz entkoppelt ist der Fonds aber nicht; in scharfen Abverkäufen steigen die Korrelationen.
Winter: Bei den Anleihen halten wir die Zinssensitivität bewusst gering. Der Großteil der Papiere wird Ende 2026 und Anfang 2027 fällig. Schwankungen am Rentenmarkt schlagen deshalb nur begrenzt auf den Fonds durch.
SI: Welche Renditen und welche zwischenzeitlichen Drawdowns sind bei der Strategie zu erwarten?
Winter: Konkrete Renditeziele nennen wir bewusst nicht. Bei Sondersituationen entsteht die Rendite aus dem Ereignis selbst, etwa einer Übernahmeprämie, einem Squeeze-out oder einer Kapitalrückführung. Darin liegt das Potenzial für marktunabhängige Renditen.
Scheid: Auch bei den Drawdowns hilft der Ansatz. Ein laufendes Übernahmeangebot wirkt wie eine Untergrenze für den Kurs. Fällt der Gesamtmarkt, halten solche Positionen meist besser. Rückschläge sollten daher geringer ausfallen als am Gesamtmarkt.
SI: Der Fonds ist ein Mischfonds und investiert auch in Anleihen. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation des Bondmarkts vor dem Hintergrund steigender Renditen?
Winter: Kurzfristig schmerzt der Anstieg, weil die Kurse bestehender Anleihen fallen. Mittelfristig ist er eine Chance: Es gibt wieder auskömmliche Copons, ohne große Bonitätsrisiken einzugehen. Unsere Anleihen werden bald fällig. Die freiwerdenden Mittel legen wir dann zu höheren Renditen an.
Scheid: Offen ist, wie weit der Anstieg noch geht. Die Inflation bleibt hartnäckig, die Staatsverschuldung steigt. Wir meiden daher lange Laufzeiten und setzen gezielt auf Unternehmensanleihen mit klarer Story, etwa die 6%-Anleihe der Deutschen Rohstoff.
SI: Welche Auswirkungen haben steigende Zinsen auf das M&A-Segment, in das der Fonds auch investiert?
Scheid: Am stärksten leiden Finanzinvestoren. Teure Kredite drücken die Rendite fremdfinanzierter Übernahmen. Strategische Käufer mit solider Bilanz trifft das weniger. Bei Berentzen bietet der US-Spirituosenkonzern Sazerac 5,55 EUR je Aktie. Wir setzen auf eine Nachbesserung.
Winter: Weniger Deals bedeuten weniger Gelegenheiten. Dafür steigen die Abschläge bei laufenden Übernahmen, weil Anleger für die Wartezeit mehr Rendite verlangen. Bei Squeeze-outs drückt ein höherer Kapitalisierungszins die Abfindung im Gutachten. Umso wichtiger sind der Börsenkurs als Untergrenze und ein mögliches Spruchverfahren.
SI: Meine Herren, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.
Christian Scheid verantwortet seit Ende 2025 gemeinsam mit Lars Winter das Fondsmanagement des Salus Alpha Special Situations. Der Diplom-Volkswirt leitete bis 2006 das Aktienressort bei BÖRSE ONLINE. Seither ist er freier Finanzjournalist, etwa für CAPITAL DEPESCHE, ZertifikateJournal und Zertifikate Austria. Seine Spezialgebiete sind deutsche Nebenwerte, vor allem jene in Sondersituationen. Seine Kompetenz beweist sein wikifolio „Special Situations long/short“ mit rund 850% Plus seit Ende 2013. Lars Winter verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Finanzjournalismus und Portfoliomanagement. Er war u.a. für die PLATOW Börse, Capital und die Financial Times Deutschland tätig. Von 2013 bis 2026 war er stellvertretender Chefredakteur von BÖRSE ONLINE, zuvor leitete er die Redaktion der €uro am Sonntag. Heute schreibt er als freier Finanzjournalist u.a. für die Bernecker Börsenbriefe. Auf wikifolio betreut Winter auch die viel beachteten Portfolios „Börse Online Nebenwerte“ und „Platintrader mit Leidenschaft“. Seit Dezember 2025 ist er Co-Fondsmanager des Salus Alpha Special Situations.


