Trump verliert beide Häuser, nicht aber die Lust am Konflikt
Denkzettel für „The Donald“
Eine blaue Welle hatten viele erwartet, gekommen ist eine Springflut. Bei den Zwischenwahlen am Dienstag haben die Demokraten beide Kammern des US-Kongresses erobert. Im Senat nahmen sie den Republikanern sieben Sitze ab, darunter in Texas, Kansas und South Carolina, die seit Jahrzehnten als sichere republikanische Bastionen galten. Nach den Projektionen von CNN kommen sie auf 54 der 100 Senatssitze, die Republikaner auf 44, offen sind am Mittwochmittag nur noch Alaska und Mississippi. Im Repräsentantenhaus stehen 231 demokratische gegen 139 republikanische Sitze, die Mehrheitsschwelle liegt bei 218. Mindestens 27 Mandate haben die Demokraten den Republikanern dort abgenommen. Die Richtung hatten die Prognosemärkte vorgegeben, wie wir im aktuellen Substanz Investor 11/2026 in „Das große Bild“ (S. 30) beschrieben haben: Am 23.10. lag die Wahrscheinlichkeit einer demokratischen Senatsmehrheit bei Kalshi und Polymarket bei rund 68%. Dass es so deutlich ausging, hatten dennoch nur wenige auf dem Zettel. Wie schnell sich die Verhältnisse in den USA drehen können, beschreibt auch unser Heftbeitrag „Swing States“ über vermeintliche Traumziele für Auswanderer (S. 18).

Hinweis der Redaktion
Für Schnellentschlossene in Sachen Rohstoffmesse:
Unsere Kooperationspartner Rohstoffinsider und Rohstoff-König veranstalten auf der Rohstoffmesse in der Münchner Motorworld das exklusive Event „Rohstoffinsider hautnah“, bei dem unsere Leser zum vergünstigten Preis teilnehmen können: 25% Nachlass mit dem Code „insider25“.
Mehr dazu erfahren Sie im nachfolgenden Video von Björn Paffrath und Florian Kössler:
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Das Event am Samstag, 7.11., ist bereits ausgebucht.
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Substanz Investor ist mit Chefredakteur Ralf Flierl auf der Rohstoffmesse in München vertreten.
Parallel zur Deutschen Goldmesse am 13. und 14.11. in Frankfurt finden ebenfalls „Rohstoffinsider hautnah“-Events statt. Buchungen sind unter dem YouTube-Video möglich.
An den Börsen gab es zunächst einen Schreckmoment. Die NASDAQ-Futures fielen in der Nacht zeitweise um mehr als 2%, in Tokio brach der Nikkei um 4,5% ein. Der DAX, der am Dienstag bei 25.864,62 Punkten geschlossen hatte, wurde vorbörslich zeitweise nur noch bei 25.532 Punkten taxiert. Bis zum Morgen hatten sich die US-Futures weitgehend erholt, und der DAX drehte nach Handelsbeginn ins Plus. Zur Mittagszeit stand er 1,45% höher bei 26.241 Punkten, angeschoben auch von überzeugenden Quartalszahlen. „Der Wahlverlierer des Tages heißt Donald Trump“, kommentierte Jochen Stanzl von der Consorsbank. Für Anleger zählt weniger, wer im Kapitol die Mehrheit hat, als was dort künftig nicht mehr durchkommt. Weitere Steuergeschenke und Ausgabenprogramme auf Pump dürften es schwer haben. Dass ausgerechnet die gegenseitige Blockade von Weißem Haus und Kongress das Defizit bremsen könnte, ist eine der wenigen guten Nachrichten dieser Wahlnacht – sofern sich beide Seiten nicht doch auf die bewährte Formel einigen: heute ausgeben, später zahlen.
Zornige lahme Ente
Donald Trump nahm die Niederlage so, wie man es von ihm kennt. „I wasn’t on the ballot, and if I was, we would have won IN A LANDSLIDE!“, schrieb er auf Truth Social. Die Schuld sah er bei den Kandidaten, bei den hohen Benzinpreisen und vor allem bei Fox News: Der Sender trage die Verantwortung, weil er ständig die „Dumocrat“-Opposition ins Bild rücke. Immerhin sagte er der New York Times, er sei „absolutely willing“, das Ergebnis anzuerkennen. Im Wahlkampf hatte er seine Anhänger noch beschworen, so zu tun, als stehe er selbst auf dem Stimmzettel. Viele haben genau das getan, nur anders als erhofft.
Für die verbleibenden zwei Amtsjahre ist Trump nun zwar eine „lame duck“, aber lahm heißt nicht zahm. Dass er ein ziemlicher „angry bird“ sein wird, machte er unmittelbar nach der Wahlschlappe mit dem Bild einer roten Kappe mit der Aufschrift „VETO“ auf Truth Social deutlich. Vor der Wahl hatte er angekündigt, bei einer Niederlage zum „Mr. Veto“ zu werden. Schon im Januar hatte er gewarnt, ein demokratischer Kongress werde ihn ein drittes Mal mit einem Amtsenthebungsverfahren überziehen. Mit Untersuchungsausschüssen und Vorladungen ist ab Januar zu rechnen, einen Haushalt gibt es nur noch gegen Zugeständnisse. Bleibt das Feld, auf dem der Präsident allein entscheidet: Dekrete, Zölle und Außenpolitik. „Ein Präsident ohne innenpolitischen Spielraum wird seine Erfolge dort suchen, wo er allein entscheidet“, schrieben wir im aktuellen Substanz Investor 11/2026 (S. 34). Aus dem Weißen Haus ist zu hören, Trump werde nicht leise abtreten. Für Teheran und Brüssel sind das beunruhigende Aussichten.
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Rote Linien
Wie das aussehen könnte, deutete sich am Vorabend der Wahl an. Schon am Montag griffen US-Streitkräfte erneut iranische Ziele an, US-Medien zufolge auf der Insel Qeschm in der Straße von Hormus. Getroffen werden sollten nach Angaben eines Regierungsvertreters jene Iraner, die dort Boden-Luft-Raketen gegen amerikanische Kräfte eingesetzt hatten. Eine begrenzte Operation, hieß es. Laut Wall Street Journal hatte das Weiße Haus Verbündete am Golf zudem darauf eingestellt, dass schon ab dem 4.11. – also ab heute! – eine „kurze, intensive Militärkampagne“ gegen den Iran beginnen könnte. In der Region sollen mehr als 20 amerikanische Kriegsschiffe einsatzbereit sein. Druck kommt auch aus Israel. Benjamin Netanjahu hat bei der Parlamentswahl in der vergangenen Woche seine Mehrheit verloren, ein neuer Krieg könnte ihm eine Notstandsregierung ermöglichen. Am Wochenende drängte er Trump telefonisch zu weiteren Schlägen. In der Vorwoche schrieben wir an dieser Stelle, nicht wenige Beobachter rechneten nach dem Wahltermin mit neuen Bombenangriffen. Am Mittwochmorgen klang Trump dann auffallend verhalten: Der Financial Times sagte er, es gebe keine unmittelbaren Pläne für neue Angriffe. „We’re locked and loaded if we need to go“, fügte er hinzu, womöglich gebe es aber keinen Grund dafür. Ob aus ihm die Wahlniederlage spricht oder die Taktik vor neuen Verhandlungen, muss sich zeigen. Eine Entwarnung ist das nicht.
Gewarnt hatte übrigens einer, der es wissen muss. Chris Murphy, demokratischer Senator aus Connecticut und einer der außenpolitischen Wortführer seiner Partei, war nach eigenen Angaben mit anderen Abgeordneten über den Kriegsplan unterrichtet worden. Vergangene Woche sagte er beim Middle East Institute in Washington: „Their plan is insane.“ Der Plan führe zu einer verheerenden Eskalation und beschädige die Herrschaft des Rechts, einen Auftrag des Kongresses für diesen Krieg gebe es nicht. Damit hat Murphy öffentlich ausgesprochen, was ihm in vertraulicher Runde vorgetragen wurde. Am Samstag erlitt der 53-Jährige beim Eishockeyspiel seines Sohnes dann einen Schlaganfall. Nach Angaben seines Büros ist er wach und ansprechbar, die Ärzte erwarten eine vollständige Genesung. Seine Warnung bleibt im Raum, und ab Januar sitzt im Kongress eine Mehrheit, die ihr eher Gehör schenken dürfte.
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Pariser Verhältnisse in Deutschland
„Halloween mit Ansage“ überschrieben wir einen Abschnitt unseres Beitrags „Pariser Verhältnisse“ im aktuellen Heft (S. 30). Auf Deutschland solle der Funke am 31.10. überspringen, schrieben wir. Er sprang. Tagsüber demonstrierten nach Angaben der Initiative „Gen Z regelt“ bundesweit rund 120.000 Menschen friedlich für bessere Schulen und bezahlbare Lebenshaltungskosten. Mit Einbruch der Dunkelheit kippte die Lage in mehreren Städten. In Berlin schwoll der Zug „Gen Z hat genug!“ laut Polizei von 700 auf bis zu 3.500 Teilnehmer an, Steine und Pyrotechnik flogen, es gab 56 vorläufige Festnahmen und 27 verletzte Beamte. In Hamburg brannten rund um den Hauptbahnhof Barrikaden, etwa 120 Personen wurden vorläufig festgenommen. In Frankfurt gingen auf der Zeil Schaufenster zu Bruch, Geschäfte wurden geplündert, auch ein Waffengeschäft wurde angegriffen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt machte „linke Gruppen und Chaoten aus migrantischem Milieu“ verantwortlich und forderte harte Strafen. Die Initiative distanzierte sich von der Gewalt. Der nächste Termin steht bereits: Für den 20.11. sind europaweite Demonstrationen geplant, „Gen Z regelt“ will dafür mobilisieren. Wie in Frankreich beginnt es mit maroden Schulen und endet mit Plünderungen. Und wie in Frankreich geschieht dies in einem Staat, der seinen Bürgern immer mehr abnimmt und immer weniger zurückgibt, ja sogar bei der elementaren Staatsaufgabe der inneren Sicherheit versagt. Wer wissen will, wie man das eigene Vermögen vor den Folgen schützt, findet im aktuellen Heft nicht nur ab S. 6 im Kapitalschutzreport die Bilanz aus 20 Jahren Substanz Investor bzw. Smart Investor, sondern auf S. 58 auch das Interview mit RealUnit-Chef Daniel Stüssi, der erklärt, wie sich Geldvermögen in reale Werte überführen lässt. Beide Links sind für Abonnenten dieses Newsletters freigeschaltet.

Angst als Kontraindikator
Die Stimmung an der Wall Street ist so schlecht wie selten in diesem Jahr. Der Fear & Greed Index von CNN, der sieben Marktindikatoren zu einer Kennzahl zwischen 0 und 100 bündelt, stand am Dienstag bei 19 Punkten und damit tief im Bereich „extreme Angst“. In der Wochenumfrage der US-Privatanlegervereinigung AAII rechneten zuletzt 41,4% der Teilnehmer mit fallenden Kursen, das langjährige Mittel liegt bei 31,5%. Nur 37,8% waren optimistisch. Die Gründe liegen auf der Hand: Die NASDAQ-Werte erlebten im Oktober ihren schwächsten Monat seit März 2025, die Zweifel am milliardenschweren KI-Karussell wachsen, und nun kommen auch noch politische Unsicherheit und verschärfte geopolitische Spannungen hinzu.
Auffällig ist der Kontrast zu Deutschland. Im aktuellen sentix-Beitrag auf S. 39 des Substanz Investor 11/2026 heißt es, die professionellen Anleger blieben beim DAX „ausgesprochen entspannt“. Amerikanische Privatanleger in Angst, deutsche Profis in Ruhe – eine der beiden Gruppen wird sich irren. Somit gibt es durchaus einen Hoffnungsschimmer, denn extreme Angst war in der Vergangenheit eher in der Nähe von Tiefs zu beobachten als in der Nähe von Hochs. Ein Kaufsignal per Knopfdruck ist diese Angst trotzdem nicht. Auf der anderen Seite stehen nämlich Wertpapierkredite von 1,48 Bio. USD, gemessen am BIP mehr als auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase (Ausgabe 11/2026, S. 35). Wer auf Pump gekauft hat, muss bei fallenden Kursen verkaufen, ob er will oder nicht. Für einen echten Boden braucht es neben der Angst regelmäßig noch die Kapitulation.

Zu den Märkten
Selbst Edelmetallanleger, häufig Krisenprofiteure par excellence, brauchen derzeit starke Nerven. Am Freitag fiel Gold in London bis auf 3.937 USD je Feinunze, den tiefsten Stand seit November 2025. Mit 3,7% war dies der größte Tagesverlust seit Ende September. Silber rutschte bis auf 49,62 USD und damit wieder unter die „magische“ Marke von 50 USD, die auf das Hoch vom Januar 1980 zurückgeht. Den Ausschlag geben wieder einmal die Zinsen – Lorie Logan, Präsidentin der Dallas Fed, hält mindestens zwei weitere Erhöhungen für nötig. Dazu kam der starke Dollar, über den wir in der Rubrik ChartCheck des aktuellen Hefts auf S. 56 geschrieben haben. Heute Morgen folgte die Gegenbewegung: Mit dem Wahlsieg der Demokraten fiel der Dollar auf ein Monatstief, die Renditen gaben nach, und Gold sprang um 2,3% auf 4.022 USD, zurück über die Marke von 4.000 USD. Silber legte um 4% auf 51,76 USD zu. Seit Jahresbeginn liegt Silber damit noch gut 27% im Minus, Gold knapp 7%. Vom Rekordhoch Ende Januar ist Gold rund 28% entfernt.
Wer kauft und wer zögert, zeigt der neue Bericht des World Gold Council für das dritte Quartal. Barren und Münzen wurden mit 268 t um 19% weniger nachgefragt. Die Notenbanken dagegen kauften 321 t, 42% mehr als vor einem Jahr und so viel wie seit Ende 2024 in keinem Quartal. Auch die Gold-ETFs verzeichneten mit 211 t kräftige Zuflüsse, ihre Bestände erreichten den Rekord von 4.256 t. Das ist das Bild eines klassischen Shake-outs: Die Privatanleger verlieren die Geduld, die geduldigsten Käufer der Welt greifen zu. Wer sich für Minenaktien interessiert, findet im Heft ab S. 50 fünf Goldminen abseits des Mainstreams, mit hohem Risiko, aber auch hohen Chancen.
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Veranstaltungshinweise
Übermorgen, am 6.11., ist es so weit, dann beginnt „Die Rohstoffmesse“ in der Motorworld München. Zwei volle Tage können sich Anleger und Interessierte hier über die neuesten Entwicklungen bei Minen und Explorern informieren. Anleger sollten sich diesen Termin vormerken, gerade in der aktuell turbulenten Marktsituation. Unternehmen aus aller Welt stellen sich dort nicht nur vor, die Besucher können sogar direkt mit den Vorständen ins Gespräch kommen. Substanz Investor wird mit einem Stand ebenfalls vor Ort sein, Chefredakteur Ralf Flierl am Freitag (6.11.) auch persönlich. Auf der Rednerliste stehen unter anderem Florian Grummes, Prof. Dr. Torsten Dennin, Matthew Piepenburg sowie der Investor und Substanz-Investor-Kolumnist Björn Paffrath. Der Eintritt ist frei, vorherige Online-Registrierung auf der Seite der Rohstoffmesse München genügt.
Nur eine Woche später findet die Deutsche Goldmesse am 13. und 14.11. im The Westin Grand in Frankfurt statt. Unter den Rednern sind der Edelmetallveteran Alasdair Macleod und Col. Douglas Macgregor. Der pensionierte Militär hat sich mit seinen geostrategischen Analysen und Einschätzungen eine große Fangemeinde erarbeitet. Auch hier spricht Björn Paffrath, Herausgeber des „Der Rohstoff-König“-Anlegerbriefs. Ein besonderes Highlight sind die rund 35 Minen- und Explorationsgesellschaften, die im Rahmen der Messe ausstellen. Hier gibt es nicht nur die Gelegenheit, sich mit anderen Investoren auszutauschen, sondern auch 1:1-Meetings mit Vertretern der Gesellschaften. Wer mehr wissen will, findet schon jetzt alle relevanten Infos auf der Seite der Deutschen Goldmesse, auf der auch die Möglichkeit zur kostenlosen Registrierung besteht.
Musterdepots
In unserer Rubrik Musterdepot betrachteten wir zuletzt „zwei echte Schmankerl“. Heute sind zwei Sorgenkinder an der Reihe, die leider auch zum Anlagegeschäft gehören, besonders in turbulenten Zeiten. Die große Monatsübersicht für Oktober inklusive der Transaktionen finden Sie in der Ausgabe vom 28.10. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues an bei abo@substanzinvestor.de.
Fazit
Aktuell ist die Unsicherheit an den Märkten enorm. Selbst Gold und Silber wurden zuletzt von schwachen Händen abgegeben, ehe sie sich heute nach der Wahl erholten. Die Wähler haben Trump eine rote Linie gezogen, auf die dieser trotzig reagiert. Die gefährlichste Linie verläuft aber weiter durch die Straße von Hormus, daran ändern auch versöhnlichere Töne aus Washington wenig.
Ralf Flierl, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.




