Interview
Substanz Investor im Gespräch mit Oliver Gasser, BANTLEON Convertible Experts AG, über Trends im Wandelanleihensegment und die Strategie des Bantleon Global Convertibles Fonds
Substanz Investor: Wie haben sich Wandelanleihen bislang im Jahresverlauf geschlagen und was waren die Treiber für die Entwicklung?
Oliver Gasser: Wandelanleihen sind seit Jahresanfang mit großem Abstand das beste Anleihensegment. Gemessen am FTSE Global Convertible Bond Index in US-Dollar abgesichert erzielten sie bis Mitte September eine Performance von 17,3%. Zur guten Entwicklung haben vor allem die haussierenden Aktienmärkte sowie die dynamischen Umwälzungen in der Anlageklasse beigetragen, die in den vergangenen Monaten spannende Neuemissionen mit ausgewogenem Profil hervorgebracht haben.
Substanz Investor: Was können Anleger auf Sicht der nächsten zwölf Monate erwarten?
Gasser: Wir rechnen mit der langfristigen Durchschnittsperformance von etwa 6% bis 7%. Sollten die Aktienmärkte aber weiter sehr gut laufen, sind je nach Segment auch zweistellige Renditen möglich. Nach dem Ende eines Zinserhöhungszyklus haben Wandelanleihen in den vergangenen 30 Jahren stets eine überdurchschnittliche Performance gezeigt.
Substanz Investor: Welche Besonderheiten und Trends gibt es mit Blick auf Neuemissionen?
Gasser: 2025 dürfte in Bezug auf das Primärmarktvolumen das drittbeste der vergangenen 18 Jahre werden. Dabei ist ein anhaltend hoher Anteil von Investment-Grade-Emissionen am Gesamtvolumen zu beobachten. Der gestiegene Anteil von Investment-Grade-Primärpapieren ist Teil des allgemeinen Trends zu Emissionen höherer Qualität, den wir in den letzten Jahren insbesondere in den USA beobachtet haben. Ein starker Primärmarkt bringt deutlich verbesserte Chancen mit sich, weil neue Namen auf den Markt kommen, anstatt dass alte Schulden einfach in neue umgewandelt werden. Hinzu kommen eine bemerkenswerte Preisgünstigkeit, die eine klare Quelle für Alpha ist, und nicht zuletzt Gewinnmitnahmen. So werden alte, im Geld liegende Geschäfte umgewandelt, um Platz für Neuemissionen zu schaffen. Zudem fällt auf, dass Asien ohne Japan seinen Anteil am globalen Markt in den vergangenen acht Jahren mehr als verdoppelt hat und auf dem besten Weg ist, Europa als zweitgrößte Region im globalen Markt für Wandelanleihen abzulösen.
Substanz Investor: Was sind beim BANTLEON Global Convertibles Fonds die wesentlichen Kriterien bei der Titelauswahl?
Gasser: Die Anleihen wählen wir über eine klassische Bottom-up-Analyse aus. Dabei müssen die Aktienperspektive, die Kreditqualität und das Profil der Wandelanleihe stimmen. Bevorzugt werden Emissionen mit einem ausgewogenen Profil. Unter dem Strich bietet diese Auswahl einen guten Schutz vor Rückschlägen dank eines hohen Anteils an Investment -Grade-Emittenten und eine optimale Partizipation an langfristigen Aktientrends wegen unbeschränkter Aktiensensitivität. Die Strategie hat keine Beschränkung bezüglich Kreditqualität oder Aktiensensitivität.
Substanz Investor: Wie hat sich der Fonds seit Jahresanfang entwickelt und wie ist das Portfolio unter Risikogesichtspunkten aktuell ausgerichtet?
Gasser: Je nach Währung hat der Fonds dieses Jahr bis Mitte September zwischen 15% und 20% rentiert. Wir haben weiterhin eine „Long-Delta-Position“, also eine höhere Aktiensensitivität als das Universum und sind in den tieferen Kreditqualitäten eher vorsichtig. Grundsätzlich setzen wir auf eine breite Diversifikation über die Sektoren und Emittenten.
Substanz Investor: Was können Wandelanleihen in einem ausgewogenen Portfolio bewirken?
Gasser: Die Aufnahme von Wandelanleihen in ein gemischtes Portfolio kann zur Reduzierung des Portfoliorisikos beitragen, ohne die Renditeerwartungen zu verändern, bzw. die erwartete Rendite steigern, ohne das Risiko zu erhöhen. Dieser Effekt der Risikodiversifikation basiert vor allem auf der geringen Korrelation globaler Wandelanleihen mit globalen Staats- und Unternehmensanleihen. Auch die geringere Volatilität globaler Wandelanleihen im Vergleich zu Aktien kann das Portfoliorisiko reduzieren; ebenso der geringere Drawdown, weil Wandelanleihen ein asymmetrisches Risiko-Ertrags-Profil haben.
Substanz Investor: Wie erschließen sich Anleger dieses Anleihensegment am besten?
Gasser: Um Ausfallrisiken zu minimieren und alle Vorteile von Wandelanleihen nutzen zu können, ist ein aktiver Managementansatz notwendig, weil sich das Risiko-Ertrags-Profil von Wandelanleihen im Laufe ihres Lebenszyklus verändert. Diese Dynamik macht ein aktives Management sinnvoll, um ein Portfolio innerhalb der angestrebten Risiko- und Ertragsparameter zu halten. Aktives Management bietet auch die Flexibilität, um sich ändernde Marktcharakteristika, die sowohl durch dynamische Marktbedingungen als auch durch die Emissionstätigkeit bedingt sind, zu steuern. Zudem unterliegen Convertible Bonds in Phasen strukturell steigender Zinsen und konjunktureller Risiken einem deutlich erhöhten Kurs- und Liquiditätsrisiko, das aktiv bewirtschaftet werden muss. Darüber hinaus sollten Anleger die zahlreichen Bedingungen in den Verkaufsprospekten prüfen und bewerten, um für sie nachteilige Bedingungen zu vermeiden.
Substanz Investor: Herr Gasser, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.
Oliver Gasser, CFA, arbeitete nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann in der Handelsabteilung der Schweizerischen Kreditanstalt und der Credit Suisse First Boston. Von 2002 bis 2007 arbeitete er als Credit Portfoliomanager bei der UBS. Im Jahr 2008 wechselte Gasser zu Credit Suisse Asset Management. Im Jahr 2017 wurde er CEO der AgaNola AG, die 2020 in Credit Suisse Investment Partners AG umfirmiert wurde. Seit der Umfirmierung der Credit Suisse Investment Partners AG in BANTLEON Convertible Experts AG im Oktober 2024 verantwortet Oliver Gasser als CEO die Unternehmensführung sowie die Leitung des Portfoliomanagements, das sich auf globale Wandelanleihenstrategien spezialisiert hat.


