Interview
Substanz Investor im Gespräch mit Thomas Bachheimer über Gold und Silber und deren Verhältnis zueinander, die Bedeutung der LBMA, den Niedergang des US-Dollar-zentrierten Weltfinanzsystems und die Emanzipation der BRICS-Staaten
Substanz Investor: Herr Bachheimer, Gold und Silber haben neue Höchststände erreicht. Sollte man Bestände nun abbauen?
Thomas Bachheimer: Aber natürlich – wenn man auch beim nächsten Crash wieder zu jenen gehören möchte, die sich wundern, warum das Rettungsboot keinen Platz mehr hat. Nein, ganz im Ernst: Gold verkauft man nicht am Gipfel, denn Gold ist kein Asset, sondern die letzte volkswirtschaftliche Neurosetherapie. Wer heute verkauft, vertraut ja anscheinend darauf, dass westliche Politik plötzlich wieder vernünftig agieren, dass Schulden verschwinden würden wie der Beamte nach 16:59 Uhr und dass Geopolitik ab morgen von Pfadfindern und Priestern betrieben würde. Kurz gesagt: Nein, auf keinen Fall baut man Bestände ab. Im Gegenteil: Ich würde sie erhöhen, sobald immer es nötig ist – und nötig ist es immer dann, wenn man etwas mehr Geld auf dem Konto hat, als man unmittelbar braucht. Darüber hinaus gilt generell: Solange dieses Fiatgeldsystem am Leben ist, ist es geradezu eine Pflicht, seine Goldbestände zu erhöhen.
SI: Welche Gründe sprechen denn konkret für weiter hohe Edelmetallnotierungen?
Bachheimer: Nun, lassen Sie mich die Antwort so formulieren, dass sie sogar von der mit beeindruckender Unkenntnis gesegneten EZB-Präsidentin Christine Lagarde verstanden werden würde: Wir leben im Zeitalter der globalen Schuldenkaskade. Die USA betreiben eine Fiskalpolitik, bei der selbst lateinamerikanische Bananenrepubliken betreten zu Boden schauen, während die EU so tut, als gäbe es keine Inflation – und gleichzeitig russische Zentralbankbestände einfriert, als wäre das eine besonders raffinierte Form der Außenpolitik.
Das Ergebnis? Die Welt teilt sich sauber auf: hier der alte, müde Herr namens Westen, dort der junge, hungrige Revoluzzer namens Globaler Süden und Osten. Der Westen ist überschuldet, seine Währungen sind überdehnt, und seine Eliten sind überfordert – und dennoch fragt sich der Durchschnittsnutzer von West(zwangs-)geld, warum Gold steigt!? Die Edelmetalle steigen nicht wegen „Nachfrage“, sondern wegen politischer Dummheit und institutioneller Ignoranz. Und seien wir ehrlich: Das sind in Europa die einzigen Rohstoffe, die wirklich unbegrenzt nachwachsen.
SI: Gibt es denn einen fairen oder sinnvollen Preis für Gold?
Bachheimer: Sarkastisch gesagt: Natürlich gibt es einen fairen Goldpreis – nämlich genau jenen, den der Markt gerade nicht zulässt. Gold lässt sich nicht fair bewerten, weil es aufgrund seines Stock-to-Flow-Verhältnisses die absolute Singularität unter allen Gütern ist. Es ist das Einzige, das nicht lügt, nicht verfällt und keine Politiker braucht, die sich vor Mikrofone stellen und sagen: „Gold ist sicher.“ Gold hält Pressekonferenzen nämlich nicht aus – es ist zu ehrlich dafür.
SI: Könnte man es nicht etwas wissenschaftlicher ausdrücken?
Bachheimer: Bei der globalen Verschuldung müsste Gold bei mindestens 23.000 USD stehen – eher bei 30.000 USD, falls die Institutionen des westlichen Finanzsystems und die LBMA endlich damit aufhören würden, tonnenweise Papier-Placebos als „Gold“ zu verkaufen. Die Edelmetallpreise gehören in die Hände jener, die physisch kaufen und physisch verkaufen – nicht in die Hände von Derivatefuchtlern, die mit Papiersubstituten werfen, als wären sie Konfetti-Clowns – was sie ja eigentlich ohnehin sind; von daher passt’s auch wieder.
Ein Beispiel gefällig? Beim Silber wird an den Börsen täglich so viel gehandelt, wie weltweit in einem ganzen Jahr gefördert wird. Das ist nicht nur absurd – das ist ein ökonomisches Sittenverbrechen, für das man sich als Zivilisation schämen müsste. Also ich schäme mich vor den Archäologen der Zukunft. Aber was will man erwarten? Die Mehrheit der West-Menschheit ist entweder grenzenlos naiv oder in den Händen korrupter Banden, die diese Märkte kontrollieren – und die Fesseln bekommt man ohne physisches Metall einfach nicht mehr los.
SI: Was lässt sich denn aus dem Gold-Silber-Ratio ablesen?
Bachheimer: Silber wird seit Jahrzehnten behandelt wie das ungeliebte Stiefkind der Finanzmärkte – und zwar nicht zufällig, sondern mit chirurgischer Absicht. Die großen Spieler wissen längst, dass das künftige Angebot die Nachfrage nie mehr decken kann. Und anders als bei Gold lassen sich bei Silber Produktionsdefizite nicht einfach mit Papierkontrakten zukleistern. Bei einem industriellen Bedarf von 55% und einem Defizit von rund 30% pro Jahr – jeweils bezogen auf dem Gesamtbedarf – ist irgendwann schlicht Feierabend. Darum hält man Silber über Kursmanipulation künstlich klein – damit das „kleine monetäre Metall“ bloß nicht attraktiv wird.

Auf der Metaebene zeigt die Gold-Silber-Ratio ziemlich deutlich, wohin die Reise geht. Eine hohe Ratio heißt: Gold wird gehortet. Das ist der klassische Vorbote für Rezession, Unsicherheit und geopolitischen Katzenjammer. Eine niedrige Ratio heißt: Silber wird hoch bewertet – also setzt die Menschheit auf Produktivität, Innovation und globales Wachstum.
Wenn die Ratio jedoch bei 80 zu eins steht, wie aktuell, hat das mit „Marktkräften“ ungefähr so viel zu tun wie die EU-Budgetplanung mit Realitätssinn. Und das ist nur den „Papiergiganten“ aus London und New York zu verdanken. Silber bleibt daher der Joker im Edelmetall-Kartenspiel: industriell unverzichtbar, monetär ignoriert und preislich misshandelt. Und wie jeder Joker taucht auch der Silberjoker genau dann auf, wenn ihn niemand eingeladen hat – laut, plump und völlig unübersehbar. Eine einstellige Gold-Silber-Ratio halte ich für absolut wahrscheinlich und dies innerhalb der nächsten sieben Jahre.
SI: Früher war London mit der LBMA* das Zentrum des Goldhandels. Das scheint sich zu ändern …
Bachheimer: Die LBMA ist heute ein bisschen wie die Queen im letzten Amtsjahr: Man weiß, sie existiert noch, man spürt sogar ein paar Restschwingungen ihrer früheren Macht – aber jeder, der bei Verstand ist, merkt längst, dass die Musik nicht mehr in London spielt.
*) Die London Bullion Market Association ist seit über 120 Jahren der bedeutendste außerbörsliche Handelsplatz für physisches Gold und Silber
Und eines sollte man nicht außer Acht lassen: Die LBMA ist kein demokratisches Organ, sondern ein exklusiver Champagnerclub ohne jede parlamentarische oder anderweitige Kontrolle. Sie kann tun, was sie will – Sanktionen erfinden, Marktteilnehmer aussortieren, Preise „feststellen“, als wäre sie die UNO des Goldes. In Wahrheit ist sie nichts weiter als die monetäre Schwester des US-Dollar: Beide bestimmen, wer am globalen Basar handeln darf – und wer draußen bleiben muss.
Doch genau diese Zeit läuft ab. Der Globale Süden – jahrzehntelang gehorsamer Rohstofflieferant – hat genug davon, dass London und Washington nach Belieben Sanktionen verteilen wie alte Damen vom Balkon Konfetti. Und jetzt, wo der Süden geschlossen spricht und der Großteil des jährlich geförderten Goldes dort entsteht, hat der Westen ein Problem: Die Rebellen haben plötzlich die Rohstoffe, aber auch die Nerven und die normative Kraft des Faktischen, sie einzusetzen.
Allen voran China. Peking hat den physischen Goldmarkt längst übernommen: die größten Raffinerien? Befinden sich dort! Die stärksten Käufe? Dort. Die chinesische Strategie? Eiskalt.
Der goldgedeckte Yuan ist kein Mythos – er ist ein funktionierender geopolitischer Hebel. Während der Westen Gold verkauft, um Haushaltslöcher zu stopfen, kauft China mit Gold ganze Staaten, Handelsrouten und Energieabhängigkeiten. Petroyuan statt Petrodollar – nicht als Idee, sondern als Realität mit Gold anstatt mit Waffendeckung.
Und die Gerüchte am Golf – nun ja, „Gerüchte“ – besagen, dass China in der saudischen Hauptstadt Riad ein eigenes Goldlager errichten will. Warum? Damit die Saudis im Zweifel ihre Petroyuans gegen echtes Geld umtauschen können: Gold. Energie gegen Yuan, Yuan gegen Gold – da braucht man keinen Nobelpreisträger, um zu verstehen, wohin sich das globale Finanzsystem gerade verschiebt. Kurz: Die LBMA ist nicht tot, aber sie wird schon mit gedämpfter Musik aus dem Saal begleitet. Die Zukunft des Goldhandels spricht Mandarin, Kantonese – und ein bisschen Arabisch.
SI: Deutschland und die EU wollen kriegstüchtig werden. Sehen Sie da einen Zusammenhang mit dem Anstieg der Edelmetallpreise?
Bachheimer: Wenn eine politisch-moralisch ausgelaugte EU plötzlich „kriegstüchtig“ werden will, weiß man sofort: Das wird teuer, das wird chaotisch und das wird so sicher schiefgehen wie ein EU-Digitalprojekt. Gold steigt dabei nicht wegen echter Kriegslüsternheit, sondern wegen der grotesken Bereitschaft, ohne industrielle Basis, ohne Energie, ohne Diplomatie und ohne Mut zur Wahrheit so zu tun, als könne man den „großen Zampano“ geben.
Die EU hängt ihre relativ kleinen „Eier“ aus dem Fenster, als wären es die Glocken von Notre-Dame – und wundert sich dann, dass der Wind kalt bläst. Wenn Brüssel das Wort „kriegstüchtig“ in den Mund nimmt, muss Gold automatisch steigen. Denn irgendwer muss ja am Ende die Reparaturrechnung bezahlen – und glauben Sie mir, sie wird nicht an Ursula gehen.
Und nicht vergessen! Mit dem Umbau zur Kriegswirtschaft ist der Krieg nur Nebensache, denn ein Wesen der Kriegswirtschaft ist die Tatsache, dass der Staat deren Ausrufung dafür verwendet, sich privater Produktionsstätten zu bemächtigen, ihnen aufträgt, was diese zu bauen haben, von wem sie die Vorprodukte beziehen und an wen und zu welchem Preis sie die Produkte zu verkaufen haben. Wir kennen das alle von der „Kriegswirtschaft im Krieg“ gegen die Klimakrise. Also in erster Linie dient die Ausrufung der Kriegswirtschaft der Re-Honeckerisierung der deutschen Wirtschaft und erst in zweiter Linie gilt diese dem Krieg gegen den ach so bösen Putin. Edelmetalle sind die einzige Versicherungspolice gegen europäische Hybris. Und diese Hybris wird – historisch belegt – nicht billiger, sondern nur peinlicher. Wenn Europa im außenpolitischen Fitnessstudio flexen will, dann lieber schnell Gold kaufen. Das Muskelkaterrisiko ist enorm.
SI: Wie beurteilen Sie dann Donald Trump in der momentanen geopolitischen Situation?
Bachheimer: Trump ist wie ein Tornado: Man liebt ihn nicht, aber er räumt wenigstens auf. Und im Gegensatz zu europäischen Politikern weiß er zumindest, dass Geld nicht aus dem EZB-Drucker kommt, sondern aus harter Arbeit, Zöllen oder aus Schulden, die man irgendwann zurückzahlen muss. Geopolitisch bringt er Chaos, aber wenigstens ein offenes, ehrliches Chaos – ungewöhnlich für die USA. Und in einer Welt, in der die EU die wahren Interessen der Bürger nicht mal im Wörterbuch findet, dafür lieber transatlantische Befehle erhält und Moral und Unterwerfung des Bürgers predigt, ist Ehrlichkeit ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Eines ist aber auch klar: Die USA hängen angezählt in den Seilen, wie es noch nie zuvor der Fall war! Selbstverschuldet! Sie wissen es auch und versuchen, ihren Abgang von der geo- und geldpolitischen Bühne möglichst langwierig zu gestalten, und es bleibt zu hoffen, dass sich die Amis als Superpower ähnlich diszipliniert aus der Premier League verabschieden wie damals die Sowjetunion. Noch 30 Jahre später ist es sehr erstaunlich, wie friedlich und mit wie wenigen Toten dieser Niedergang vonstattengegangen ist.
SI: Die USA haben 38 Bio. USD Schulden. Ist das aussichtslos oder hat Trump einen Plan?
Bachheimer: Aussichtslos? Nein! Absolut hoffnungslos? Ja! Schulden in dieser Größenordnung kann man nicht mehr zurückzahlen – man kann sie nur noch verwalten. Und glauben Sie mir: Trump hat dafür garantiert einen Plan. Der Mann ist zwar impulsiv, aber nicht dumm. Dazu kommt ein „glücklicher Zufall“: Am 4.7.2026 feiern die USA ihren 250. Geburtstag. Und eines ist sicher: Ein eitles Amerika unter einem eitlen Präsidenten wird in einem solchen Jubiläumsjahr ganz sicher keine Staatspleite bekannt geben. Darauf können wir Gift nehmen. Und wenn es ein Land gibt, das genug Gift im Schrank hat, um sich durchzuschummeln, dann sind es die Vereinigten Staaten.
Was werden sie tun? Alles, was möglich ist – und einiges, was unmöglich klingt, z.B.:
• eine Neubewertung der Goldreserven,
• ein Griff in die Fed-Bestände,
• geopolitische Taschenspielertricks,
• oder sogar ein modernes „Jubilee“ – einen Schuldenerlass nach dem Vorbild jener religiösen Tradition, mit der sich einige im Westen so gern schmücken.
Egal wie: Die USA werden 2026 feiern wollen – und sie werden die Welt dafür in Bewegung setzen, zur Not mit Druck, Lärm und politischem Feuerwerk. Und wie die Geschichte zeigt: Wenn Amerika feiert, dürfen alle anderen arbeiten. Das Jahr 2026 wird für uns daher kein gemütlicher Geburtstag – sondern ein geopolitischer Kraftakt.
SI: Welche Pläne verfolgen denn die BRICS-Staaten, um die Dollardominanz zu brechen?
Bachheimer: Die BRICS tun das, was der Westen in den letzten 30 Jahren komplett verlernt hat: strategisch denken, und zwar länger als bis zum nächsten Wahlsonntag oder NATO-Fotomotiv.
Ich kann das mit gutem Gewissen sagen, denn ich war bei den letzten drei BRICS-Summits selbst vor Ort, habe dort den Gesprächen zugehört, zwischen den Zeilen gelesen und die Stimmung gespürt. Währenddessen glänzte die westliche Presse wie üblich durch bemerkenswerte Abwesenheit – um anschließend umso lauter darüber zu philosophieren, „was die BRICS angeblich vorhaben“. Ein unterirdisches journalistisches Niveau!
Die BRICS werden keine akademisch durchgestylte, völlig goldgedeckte Einheitswährung einführen. Das wäre zwar schön für die Lehrbücher, aber unnötig starr. Stattdessen bauen sie 40% goldgedeckte Handels- und Abwicklungsnetzwerke, ein globales Clearing-System ohne SWIFT, bilaterale Rohstoffdeals und eine tokenisierte Goldabwicklung, die technologisch bereits beeindruckend weit ist.
China schiebt diese Entwicklung aktiv an – mit seinem goldunterlegten Yuan, der bewusst als „Platzhalter“ fungiert, bis „the Unit“ (oder wie auch immer sie das Baby am Ende nennen) vollständig einsatzbereit ist. Und vielleicht bleibt dieser Platzhalter länger, als es der Westen verkraften kann.
Das Entscheidende – und das betonen die BRICS-Vertreter bei jedem Gipfel, wirklich jedem – ist Folgendes: Es geht nicht nur darum, den inneren Handel zu erleichtern. Es geht darum, den einseitigen, willkürlichen Sanktionismus des US-Dollar-Systems zu neutralisieren.
Die neue BRICS-Finanzarchitektur ist primär ein geopolitischer Schutzschild. Erst danach ist sie ein wirtschaftliches Modell.
Kurz zusammengefasst: Während der Westen russische Reserven einfriert, frieren die BRICS die westliche Dominanz ein – und die Illusion einer unipolaren Zukunft gleich mit. Ich habe das persönlich vor Ort miterlebt. Der Westen hingegen hat es verpasst – und wundert sich nun, warum er nicht mehr am Tisch sitzt, sondern längst auf der Speisekarte steht.

SI: Warum ist die „Seidenstraße“ so wichtig für den Globalen Süden – und gefährlich für die USA?
Bachheimer: Weil sie die erste ernsthafte Alternative zu US-kontrollierten See- und Handelsrouten seit Ende des Zweiten Weltkriegs, faktisch seitdem unsere derzeit gelebte Handelsordnung besteht, darstellt. Wer die Wege kontrolliert, kontrolliert den Handel. Und wer den Handel kontrolliert, kontrolliert die Welt. Das musste historisch schon jedes kleine Imperium, welches sich selbst überschätzt hat, bitter erfahren, und für große Imperien, wie für den Westen der letzten 70 Jahre, ist es nicht anders.
Für Afrika, Asien und Teile Lateinamerikas hingegen ist die Seidenstraße ein Ausweg aus kolonialen Abhängigkeiten. Für die USA, eigentlich für den gesamten „Westen“, ist sie die geopolitische Version eines Magen-Darm-Virus – plötzlich, unangenehm und sehr schwer aufzuhalten. Verantwortlich für diesen Virusbefall sind wir jedoch höchstselbst, weil wir das Virus „Fiatgeld“ über 53 Jahre lang gehegt und gepflegt haben. Es wurde zwar ab 2008 unangenehm, aber wir lernten, damit zu leben. Jetzt wird es aber letal, und es gibt kein Geld-Pfizer, das uns eine Impfung dagegen anbieten wird.
SI: Die von den BRICS-Staaten aufgebaute Finanzarchitektur ist dabei so ganz anders, als wir im Westen es kennen. Können Sie noch ein paar Worte darüber verlieren?
Bachheimer: Die Fed und die EZB sind Zentralbanken, die die Staaten retten müssen, die sie selbst über Jahrzehnte systematisch in den Ruin gedruckt haben. Feuerwehr und Brandstifter in Personalunion, mit dem Unterschied, dass die Feuerwehr wenigstens Wasser benutzt – während die EZB Benzin bevorzugt. Die New Development Bank der BRICS und die SCO Development Bank sind dagegen echte Investitionsbanken. Diese finanzieren Infrastruktur, Energie, Transport – also Dinge, die länger halten als eine EU-Kommissionsperiode. Oder – wenn wir ehrlich sind – länger als die EU selbst.
Die Klügeren haben längst verstanden: Fed und EZB veredeln das Nichts. Sie „managen Liquidität“ – ein wunderschöner Euphemismus für „wir verleihen denselben Dollar 30-mal und wundern uns dann über Finanzkrisen“. In der westlichen Geldwelt nennt man das „Innovation“.
Bei den BRICS nennt man es „Unfug“ – und baut stattdessen die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts.
Die wissen nämlich, was wertvoll ist und was nur virtuell blinkt. Und in der Zukunft wird man sagen:
Die einen bauten Zinskurven – die anderen bauten Infrastruktur. Und nach dem Stromausfall konnte man nur eines davon noch sehen …
SI: Herr Bachheimer, wenn Ihre launigen Antworten nicht so witzig wären, müsste man – zumindest als EU-Bürger – deswegen glatt heulen. Ich danke Ihnen für dieses sehr interessante Gespräch.
Der Gründer und Herausgeber von bachheimer.com hat sein Leben der Aufklärung der Mitmenschen über die (geld-)politischen Verhältnisse im sogenannten freien Westen verschrieben. Die Freiheit des Bürgers, der Respekt vor dem Privateigentum und ein vom Staat kaum beeinflusstes Unternehmertum sind die Fundamente einer freien und prosperierenden Gesellschaft. Als Europapräsident des Goldstandard-Instituts hält er zahlreiche Vorträge im In- und Ausland. Mehr unter: www.bachheimer.com.


