Emerging Market Corporate Bonds – Eine unterschätzte Assetklasse

Charles Gélinet, J. Stern & Co.

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Kolumne

Gastbeitrag von Charles Gélinet, J. Stern & Co.

Widerstandsfähig
Schwellenländer-Unternehmensanleihen in US-Dollar zeigten sich im unsicheren Jahr 2025 bemerkenswert widerstandsfähig. Der „Liberation Day“ löste eine Phase der Risikoaversion aus, in der sich die Spreads ausweiteten, jedoch auch rasch wieder normalisierten. Stärkere Auswirkungen gab es indirekt durch ein niedrigeres Wachstum und einen Anstieg der Währungsvolatilität. Asien erwies sich am anfälligsten, da Donald Trump China fest im Visier hat. In Lateinamerika war die Lage differenzierter: Mexiko war ein offensichtliches Ziel Trumps. Doch viele Unternehmen haben mittlerweile ihre Erlösquellen diversifiziert und ihre Produktion innerhalb der USA ausgebaut. Über einen Zeitraum von 20 Jahren haben sich Emerging Marktets (EM) Corporate Bonds in Phasen hoher Volatilität besser entwickelt als US-Aktien, wobei die Verluste der Anleihen um 40% geringer als die der Aktien ausfielen, was ihre defensiven Eigenschaften unterstreicht.

Fundamentaldaten im Blick
EM-Unternehmen leiden unter der Risikobewertung ihrer Heimatländer. Ihr Risiko wird jedoch von Fundamentaldaten bestimmt: Unternehmen mit einer starken Wettbewerbsposition und vorhersehbaren Cashflows können ihre Schulden unabhängig von ihrem Sitz bedienen. Dies führt zu robusten langfristigen Renditen von über 8% p.a. über die letzten 20 Jahre. Nur US-Aktien kamen mit etwa 10% p.a. auf höhere Erträge. Im Jahr 2025 trugen höhere Zinsen zu unerwarteten Ausfällen bei Unternehmen aus Industrieländern (z.B. First Brand) bei, insbesondere bei US Private Credit. Im Gegensatz dazu hat sich das Verhältnis von Schulden zu EBITDA bei EM Corporate Bonds nur geringfügig verschlechtert und liegt weiterhin unter dem Niveau seiner US-amerikanischen Pendants. Die Ausfälle bei den EM Corporate Bonds, die 2022 und 2023 durch den Immobilienmarkt in Russland und China angestiegen waren, normalisieren sich nun in Richtung des langfristigen Durchschnitts von etwa 3%. Private Credit ist aufgrund seiner fehlenden Transparenz und der weitverbreiteten Nutzung von Sachleistungszahlungen, die Stresssituationen verzögern können, schwieriger zu bewerten. Während lange Zeit davon ausgegangen wurde, dass die Ausfallquote unter 1% liegt, deuten neuere Untersuchungen darauf hin, dass sie etwa ein Drittel höher ist als bei EM Corporates.

Ausblick
Für 2026 bleiben wir vorsichtig optimistisch. Das globale Wachstum dürfte, gestützt durch nachlassende Zollrisiken und eine allmähliche geldpolitische Lockerung, ähnlich wie 2025 ausfallen. Schwellenländer verfügen im Allgemeinen über eine solidere Verschuldung als Teile der Industrieländer und dürften ein wichtiger globaler Wachstumstreiber sein. Die Hauptrisiken wie Inflationsdynamik und ihre Auswirkungen auf die Politik der US-Notenbank sind makroökonomischer Natur. Es spricht weiterhin einiges für EM Corporate Debt: Die Erhöhung der Leitzinsen 2022 und 2023 hat die Gesamt-renditen angehoben, sodass Anleihen mit einem Rating unter Investment Grade nun hohe einstellige Renditen bieten. Die Credit Spreads wiederum dürften aufgrund der robusten Fundamentaldaten stabil bleiben. EM Corporate Debt ist eine attraktive Assetklasse, um die Gesamtvolatilität eines jeden Portfolios bei gleichzeitig hohen Renditen und breiter Diversifikation zu reduzieren.

Charles Gélinet ist Co-Portfoliomanager der EMD Stars Strategie (ISIN: LU2652042362) bei J. Stern & Co. Seit annähernd 20 Jahren im Portfoliomanagement, war er vor seinem Eintritt bei J. Stern & Co. 2020 für GIB Asset Management und Investec tätig. Er ist CFA Charterholder und Absolvent der University of Bristol sowie der London School of Economics. J. Stern & Co., mit Hauptsitz in London, baut auf der mehr als 220-jährigen Bankierstradition der Frankfurter Familie Stern auf.

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