Gastbeitrag von Gunter Burgbacher, Haberger Asset Management GmbH
Eigenständiges Anlagesegment mit unterschiedlichen Strategien
Börsennotierte Beteiligungsunternehmen bilden ein eigenständiges Anlagesegment, das Anlegern ermöglicht, gemeinsam mit erfahrenen operativen Investmentprofis zu investieren. Diese verbinden
Unternehmertum und Investmentexpertise auf besondere Weise und schaffen so nachhaltige Wertschöpfung. Zum Segment zählen insbesondere Investment- und Beteiligungsgesellschaften, Holdinggesellschaften sowie ausgewählte Mischkonzerne. Ihre CEOs zeichnen sich häufig durch außergewöhnliche Kapitalallokationsfähigkeiten aus. Die Unternehmen verfolgen unterschiedliche Investmentstrategien, die sich in zwölf übergeordnete Kategorien einordnen lassen. Diese stellen wir in einer Serie von zwölf Folgen näher vor.
Folge 1: Buy and Hold – Langfristigkeit als strategischer Vorteil
Buy and Hold gehört zu den klassischsten Strategien börsennotierter Beteiligungsunternehmen – und zugleich zu den am häufigsten unterschätzten. Hinter dem scheinbar einfachen Prinzip „kaufen und liegen lassen“ steht eine klare unternehmerische Haltung: nicht jedem Marktsignal hinterherzulaufen, sondern sich bewusst auf wenige, gut verstandene Beteiligungen zu konzentrieren und ihnen Zeit zu geben, ihren Wert zu entfalten. Der größte Vorteil zeigt sich in volatilen Phasen. Während kurzfristig orientierte Anleger häufig zu Umschichtungen gezwungen sind, können langfristige Eigentümer Marktzyklen aussitzen und gezielt dann Kapital einsetzen, wenn Bewertungen unter Druck stehen. Voraussetzung dafür ist eine tragfähige Investmentthese: Geschäftsmodell, Wettbewerbsposition, Bilanzqualität und Management müssen robust genug sein, um auch schwächere Jahre zu überstehen.
Buy and Hold stellt damit hohe Anforderungen an die Analyse vor dem Einstieg. Wer langfristig investiert, muss genau wissen, mit wem er sich wirtschaftlich verbindet – und welche Entwicklungen einen klaren Bruch der ursprünglichen Investmentthese darstellen würden. Statt häufiger Transaktionen verlagert sich der Fokus auf Monitoring, Governance und Kapitalallokation:
Werden freie Cashflows sinnvoll reinvestiert?
Stimmt die strategische Richtung weiterhin?
Passt das Risikoprofil zum Gesamtportfolio?
Auf Portfolioebene bringt die Strategie Ruhe und Struktur. Weniger Transaktionen bedeuten geringere Friktionen, klarere Verantwortlichkeiten und eine bessere Nachvollziehbarkeit der Werttreiber. Für Beteiligungsunternehmen mit langfristigem Anspruch ist Buy and Hold daher mehr als eine Technik – es ist ein Ordnungsprinzip, das Entscheidungen bündelt, Prioritäten schärft und hilft, auch in turbulenten Marktphasen den roten Faden zu behalten. Ein bekanntes Beispiel für diese Strategie ist Investor AB (WKN: A3CMTG, B-Aktie) aus Schweden:

In der Box sind einige Beispiele aus dem Beteiligungsportfolio dargestellt.
Gunter Burgbacher, Haberger Asset Management GmbH (facts@afb-fonds.de)


