Wie schlecht das Sentiment und die technische Lage bei den Goldminen war, zeigte sich Anfang Juni allein am Gold Miners Bullish Percent Index (BPGDM). Dieser misst die technische Stärke und die Aufwärtstrends der Goldaktien. Der BPGDM brach zum Monatsanfang um 100% auf null ein. Ja, Sie haben das richtig gelesen: auf null – siehe Chart. Das war gleichzeitig ein neues Zehnjahrestief.
Vereinfacht gesagt: Hier gab es kurzfristig keine Goldaktien mehr mit technischer Stärke und einem positiven Chartbild. Die Situation bei allen Goldaktien war super bearisch. Das schreit nach Kapitulation und war historisch oft ein Kontraindikator. Natürlich ist das kein garantiertes nachhaltiges Kaufsignal, da wie immer alles am Goldpreis hängt.
Zuletzt fiel der BPGDM am Ende des schweren Gold- und Goldminenbärenmarkts im zweiten Halbjahr 2015 auf null – das verdeutlicht die historische Tragweite. In jedem Fall ist dieser Markt seit einigen Wochen stimmungstechnisch überwiegend im Keller. Wir treffen auf stark überverkaufte Charts; die Euphorie über die herausragenden Margen und Top-Gewinne bei den Goldminen ist komplett verschwunden. Angst und Panik sind dafür in den Goldminensektor zurückgekehrt.

Anleger sollten nicht vergessen: Selbst bei einem Goldpreis von 4.000 USD pro Unze erzielen die meisten Goldproduzenten derzeit operative Gewinnmargen von über 50%, die profitabelsten und besten Goldproduzenten erreichen sogar Margen von über 60% und sehr starke Cashflows. Das sind außerordentlich gute Zahlen und Top-Cashflows gemäß jedem historischen Vergleich – auch bei anhaltender Kosteninflation. Daneben verfügen die führenden Goldminen über die besten Bilanzen ihrer Geschichte und zudem über hohe Cashbestände. Genau das Gegenteil war im letzten großen Bullenmarkt der Fall.
Kurzfristig schien mit dem Frieden im Iran sogar eine Gegenbewegung im Edelmetallsektor möglich. Allerdings wurde die aufkommende Euphorie mit dem eher „hawkischen“ Statement des neuen Fed-Chefs zunächst gebremst; es könnte sogar für neue Tiefs sorgen. Erst die kommenden Wochen werden die Richtung zeigen. Daher kann man bis auf Weiteres entspannt sein, Cash an der Seitenlinie parken und den Sommer genießen.

Minenexperte und Unternehmer,
Herausgeber des Börsenbriefs
„DER ROHSTOFF-KÖNIG“


