Interview: „Neue Wachstumsthemen erweitern das Anlageuniversum“

Oliver Gasser

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Substanz Investor im Gespräch mit Oliver Gasser, BANTLEON Convertible Experts AG, über die Perspektiven des Wandelanleihensegments und den Boom zinsloser Convertibles

Substanz Investor: Herr Gasser, wie haben sich Wandelanleihen seit Anfang 2025 entwickelt – und wie schätzen Sie die Perspektive für das laufende Jahr ein?
Oliver Gasser: 2025 war auf Indexebene mit +23,5% ungewöhnlich stark, und das laufende Jahr 2026 dürfte nach der sehr positiven Entwicklung bis Mitte September ebenfalls deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von etwa 7% liegen. Dafür sprechen trotz hoher Aktienmarktbewertungen mehrere Faktoren, wenn auch die Dynamik in den nächsten Monaten etwas nachlassen dürfte. Eine robuste Konjunktur in den USA und Europa könnte die Aktienmärkte und damit Wandelanleihen weiter stützen. Zudem bleibt der starke Primärmarkt ein wichtiger Treiber. Und der steigende Anteil hochqualitativer Investment-Grade-Emissionen verbessert die Risiko-Ertrags-Profile. Neue Wachstumsthemen wie KI, digitale Vermögenswerte, Seltene Erden und Weltraumforschung erweitern das Anlageuniversum. Insgesamt erinnert die aktuelle Marktstruktur an die Jahre 2003 bis 2007, eine besonders erfolgreiche Phase für Wandelanleihen.

SI: Welche Besonderheiten gibt es bei Neuemissionen?
Gasser: Der Neuemissionsmarkt profitiert davon, dass wir uns in der Anfangsphase eines neuen großen Investitionszyklus befinden, weil die Energieerzeugungskapazitäten und die gesamte Infrastruktur für die Entwicklung eines KI-Ökosystems schrittweise geschaffen werden. So wurden in diesem Jahr bis Ende August bereits neue Wandelanleihen im Volumen von rund 176 Mrd. USD begeben, wovon 41% zinslose Anleihen sind. Der Boom bei zinslosen Wandelanleihen ist nicht nur ein Zeichen für günstige Unternehmensfinanzierung – er zeigt auch, dass Anleger bereit sind, auf laufende Zinsen zu verzichten, weil sie auf weiterhin hohe Volatilität und mögliche Kursgewinne insbesondere bei KI-Aktien setzen.

SI: Wie schlagen sich Wandelanleihen im Vergleich zu High-Yield-Bonds mit Blick auf die Ausfallraten?
Gasser: Die Ausfallrate von Wandelanleihen lag in den USA von 2003 bis 2025 bei etwa einem Drittel der Ausfallrate von High-Yield-Bonds. Das hängt damit zusammen, dass typische Emittenten von Wandelanleihen sich in der frühen Wachstumsphase befinden und primär durch Aktienkapital finanziert sind. Dementsprechend hat die Mehrzahl der Wandelanleihenemittenten keine weiteren Schulden in der Bilanz. Und weil Emittenten für Wandelanleihen tiefere Coupons als für herkömmliche Unternehmensanleihen zahlen müssen, ist auch ihre Zinslast wesentlich geringer.

SI: Gerade in den USA und Asien nutzen Unternehmen aus dem Tech- und KI-Segment verstärkt Wandelanleihen zur Finanzierung. Wie beurteilen Sie das Risiko der Konzentration auf Emittenten aus diesen Segmenten?
Gasser: Der Technologieanteil hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und repräsentiert mit 25% den größten Sektor im globalen Wandelanleihenuniversum. Der Sektor ist aber mit mehr als 100 Emittenten über die Regionen und unterschiedlichen Geschäftsmodelle breit diversifiziert. Aufgrund der laufenden Wandlungen und Neuemissionen mit ausgewogenen Profilen sehen wir aktuell eine gute Balance zwischen Gewinnmitnahmen und neuen attraktiven Anlagechancen.

SI: Was sollten Anleger im aktuellen Marktumfeld beachten?
Gasser: Geopolitische Spannungen und wieder steigende Inflationserwartungen treffen auf teils hohe Bewertungen am Aktienmarkt. Gleichzeitig bleibt das langfristige Wachstumspotenzial struktureller Themen wie KI und Digitalisierung intakt, während kurzfristig mit erhöhten Schwankungen und abrupten Kurskorrekturen gerechnet werden muss. Der Mehrwert von Wandelanleihen liegt auf der Hand: Sie ermöglichen ein asymmetrisches Engagement in Aktien, insbesondere in dynamischen Wachstumssegmenten, und eröffnen Zugang zu langfristigem Aufwärtspotenzial, während der Bond-Floor bei Kursrückgängen für einen gewissen Puffer sorgt. Dadurch können Anleger an der Entwicklung attraktiver Wachstumsthemen partizipieren, ohne vollständig dem Timing-Risiko einer direkten Aktienanlage ausgesetzt zu sein. Zudem profitieren Wandelanleihen von ihrer hybriden Struktur, die sowohl von der Aktienentwicklung als auch von der Anleihenkomponente getragen wird. Damit können sie gerade in einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld eine interessante Ergänzung zu klassischen Aktien- und Anleihenportfolios darstellen.

SI: Wie unterscheidet sich das Rendite-Risiko-Profil des Bantleon-Global-Convertibles-Investment-Grade-Portfolios von dem des Bantleon Global Convertibles?
Gasser: Der Bantleon Global Convertibles Investment Grade weist gegenüber dem Bantleon Global Convertibles ein defensiveres Rendite-Risiko-Profil auf, da er stärker auf bonitätsstarke Emittenten und einen höheren Bond-Floor setzt. Dadurch sind die potenziellen Drawdowns und die Volatilität geringer, während die Partizipation an steigenden Aktienmärkten erhalten bleibt. Bantleon Global Convertibles bietet demgegenüber aufgrund der niedrigeren durchschnittlichen Kreditqualität und des höheren Deltas ein größeres Renditepotenzial, was jedoch mit höheren Schwankungen und stärkeren möglichen Rückschlägen einhergeht.

Substanz Investor: Herr Gasser, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

Oliver Gasser, CFA, arbeitete nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann in der Handelsabteilung der Schweizerischen Kreditanstalt und der Credit Suisse First Boston. Von 2002 bis 2007 wirkte er als Credit Portfoliomanager bei der UBS. Im Jahr 2008 wechselte Gasser zu Credit Suisse Asset Management. Im Jahr 2017 wurde er CEO der AgaNola AG, die 2020 in Credit Suisse Investment Partners AG umfirmiert wurde. Seit der Umfirmierung der Credit Suisse Investment Partners AG in BANTLEON Convertible Experts AG im Oktober 2024 verantwortet Gasser als CEO die Unternehmensführung sowie die Leitung des Portfoliomanagements, das sich auf globale Wandelanleihenstrategien spezialisiert hat.

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