Faszination Amazon

Bild: AdobeStock 256067904

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Kolumne

Gastbeitrag von Thomas Bartling, CONCEPT Vermögensmanagement

Am 30.10. war es wieder einmal so weit: Der US-Tech-Gigant Amazon veröffentlichte seine Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal. Und die Anleger staunten nicht schlecht: CEO Andrew Jassy berichtete von einem wieder deutlich gestiegenen Wachstumstempo mit 180 Mrd. USD Quartalsumsatz und somit einem satten Umsatzplus von 13% gegenüber dem Vorjahresquartal. Deutlich stärker noch (+39%) konnte das Unternehmen seinen Gewinn auf 21 Mrd. USD steigern. Investoren katapultierten die Aktie unmittelbar danach auf neue Allzeithochs. Was steckt hinter den aktuellen Erfolgen? Blicken wir dazu auf die Unternehmensgeschichte.

E-Commerce-Urgestein
Jeff Bezos hat Amazon 1994 gegründet und die Idee umgesetzt, über das Internet Bücher zu verkaufen. Mit dem Start eines der ersten Onlineshops und der besonderen Betonung einer hohen Benutzerfreundlichkeit wurde Bezos zu einem der Väter des E-Commerce. Im Mai 1997 feierten Börsianer den Börsengang und trieben den Kurs bis Dezember 1999 auf ein Vielfaches des Emissionspreises. Noch bevor die Blase platzte, hatte Bezos seine Einkaufsplattform in viele Länder hinausgetragen, etwas später skalierte er seine Produktpalette zum Onlinekaufhaus und gab anderen Händlern Raum, ihre Waren bei Amazon Marketplace anzubieten. Erfolgsfaktor und zentraler USP ist der 1999 patentierte One-Click-Button, der es Kunden ermöglicht, mit nur einem einzigen Click den Kaufprozess abzuschließen. Bis 2017 gelang es Amazon, den Patentschutz gegenüber Wettbewerbern aufrechtzuerhalten und damit einen unschätzbaren Wettbewerbsvorteil zu genießen. 2004 schließlich erfand Amazon das digitale Buch (Kindle) und begann noch vor der Finanzkrise, es millionenfach zu verkaufen.

Amazon Modell eins
Diese Entwicklungen sind Erfolgsfaktoren des „Amazon Modell eins“, die im Amazon-Chart von Mai 1997 bis Oktober 2009 abzulesen sind. Der Aktienkurs schaffte es denn auch, sich nach der Finanzkrise im Oktober 2009 wieder an das Allzeithoch von ca. 5,64 USD aus Dezember 1999 heranzurobben – nur was passierte im Anschluss?

Mit der Verkündung seiner Ergebnisse für das dritte Quartal am 22.10.2009 schob sich der Aktienkurs über das Allzeithoch aus 1999 und hinterließ dabei eine Kurslücke, die noch heute besteht. Im weiteren Verlauf lässt sich auf einer logarithmischen Skala erkennen, dass der Kurs scheinbar einer Regressionsgeraden folgt, die ihn in 16 Jahren auf ein aktuelles Kursniveau von 234 USD bringt und eine Verneununddreißigfachung realisiert hat. Was ist der Grund?

Transformation
Amazon startete 2006 Amazon Web Services (AWS), um Entwicklern und Unternehmen IT-Infrastruktur anzubieten. AWS wurde als Cloud-Computing-Plattform aufgesetzt, bei Amazon intern entwickelt und in den ersten Jahren teils kostenlos angeboten. 2013 wies Amazon die Sparte erstmalig in seinen Finanzberichten aus, markierte einen Jahresumsatz von ca. 2 Mrd. USD und erreichte Profitabilität. In den Folgejahren beschleunigten sich die Wachstumsraten, sodass AWS 2025 einen Jahresumsatz von mehr als 120 Mrd. USD erzielen wird. AWS ist heute der strategisch wichtige Teil, der ca. 60% des operativen Gewinns ausmacht. Mit AWS hat „Amazon Modell zwei“ den Retailerstatus verlassen und ist globaler KI- und Cloudinnovator – im Chart ist diese Weiterentwicklung wohl frühzeitig indiziert worden.

Thomas Bartling

Thomas Bartling (61) studierte Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Informatik an der Universität Bielefeld, um im Anschluss zunächst im IT- und Finanzmanagement von Bertelsmann zu arbeiten. Seit Auflage 2008 ist er verantwortlicher Fondsmanager des Publikumsfonds CONCEPT Aurelia Global (WKN: A0Q8A0). Bartling ist Geschäftsführer und Gesellschafter von CONCEPT Vermögensmanagement in Bielefeld.

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