Gastbeitrag von Louis Puga, Société de Gestion Prévoir
In Anbetracht der aktuellen Flut an geopolitischen Ereignissen erscheint es uns wichtig, unser Kerngeschäft – nämlich das Stock Picking – nicht aus den Augen zu verlieren. Da keiner von uns Einfluss auf den weiteren Verlauf der Ereignisse hat, ist es besser, sich auf das zu konzentrieren, womit wir uns wirklich auskennen: Unternehmen.
Branchenflaute?
Eine Branche, die in Europa ehemals sehr dynamisch war, hat in den letzten Jahren eher enttäuscht. Es handelt sich um den Gesundheitssektor. Natürlich gab es die ausgezeichnete Börsenperformance von Novo Nordisk, doch das Unternehmen sieht sich heute mit einer umfassenden operativen Krise konfrontiert, die von den Anlegern hart bestraft wird. An anderer Stelle haben große Erfolgsgeschichten wie Sartorius, Siemens Healthineers oder auch Carl Zeiss Schwierigkeiten, die Zeit nach COVID zu bewältigen. Tatsächlich haben in den Jahren der Niedrigzinsen viele Biotech-Unternehmen erhebliche Summen für ihre klinischen Studien aufgenommen, was zu einer starken operativen Dynamik in der Branche führte. Inzwischen haben die Verknappung und der schwierige Zugang zu Bankkrediten die Akteure nach und nach an den Rand gedrängt.
Hohe Eintrittsbarrieren
Zwei Unternehmen schlagen sich jedoch gut und bieten besonders interessante Entwicklungsmodelle: argenx in den Niederlanden und UCB in Belgien. Diese Unternehmen haben sich auf sehr spezifische Produkte fokussiert, die auf Krankheiten abzielen, die von den großen Akteuren kaum oder gar nicht behandelt werden und in denen sie führend sind. Hier geht es erneut um das, wonach wir suchen: eine Führungsposition mit hohen Eintrittsbarrieren, um vom Marktwachstum zu profitieren. argenx, ein Biotech-Unternehmen, konzentriert sich auf Immunologie und seltene Autoimmunerkrankungen. Die Tätigkeit basiert auf der Entwicklung innovativer therapeutischer Antikörper, insbesondere durch sein Flaggschiffmedikament (Vyvgart), das gegen neuromuskuläre Autoimmunerkrankungen (insbesondere Myasthenia gravis) wirkt. Diese Krankheit verursacht eine erhebliche Muskelschwäche, da das Immunsystem den peripheren Nervenstrang angreift. Dieser Markt wird heute auf über 5 Mrd. USD pro Jahr geschätzt, mit einer möglichen Verdreifachung in den kommenden drei Jahren. Aktuelle Studien schätzen den Marktanteil von argenx auf 45% bis 50%. UCB ist auf schwere Erkrankungen spezialisiert, insbesondere in der Neurologie (Epilepsie, Parkinson) und der Immunologie. Es entwickelt und vermarktet Medikamente, darunter sein Flaggschiffprodukt Bimzelx (25% des Umsatzes), ein immunologisches Medikament gegen Psoriasis (chronische entzündliche Hauterkrankung) und Psoriasis-Arthritis.
Attraktive Bewertung
Aus operativer Sicht weisen beide Unternehmen solide Bilanzen auf, argenx verfügt sogar über eine sehr positive Liquiditätslage. Hinzu kommen auf Sicht der nächsten drei Jahre sehr starke durchschnittliche jährliche Gewinnwachstumsraten (25% bei UCB und 30% bei argenx). Ebenfalls überzeugend sind die sehr soliden Nettomargen (27% bei UCB und 32% bei argenx) und eine sehr starke Free-Cashflow-Generierung. Es handelt sich also um zwei besonders interessante Unternehmen, die angesichts der Qualität ihrer Fundamentaldaten attraktiv bewertet sind und an die wir für die kommenden Jahre fest glauben.
Graduiert mit dem Schwerpunkt auf Finanzen der EDHEC Business School und als CIIA startete Louis Puga seine Karriere bei La Caisse des Dépôts et Consignations als Staatsanleihenportfoliomanager für Emerging Markets, bevor er in das Aktienportfoliomanagement für Small- und Mid Caps wechselte. 2021 stieß er zur Société de Gestion Prévoir und übernahm ab Januar 2022 federführend das Management des Prevoir Gestion Actions (WKN Retailtranche: A1T7ND; Institranche: A114GU), welcher auf Mid- und Big Caps in Paneuropa fokussiert ist.


