Eine Vision und die Suche nach Orientierung
Die Angst und der MarktÜberall ist plötzlich diese Angst an den Börsen. Traditionell wacklig ist der Markt in der zweiten Februarhälfte ohnehin. Dabei ist Angst etwas anderes als Panik. Bei einer Panik ist der Herde die Richtung klar, alle wollen raus. Dagegen suchen in der Angstphase hochgradig verunsicherte Marktakteure nach Orientierung. Sie bilden keine Herde – noch nicht –, sondern gleichen einem aufgescheuchten Hühnerhaufen. Meta Platforms* (WKN: A1JWVX), der Mutterkonzern von Facebook, gibt gerade bekannt, dass er für enorme 100 Mrd. USD KI-Rechenleistung vom Chiphersteller AMD (WKN: 863186) kaufen wird. Prompt schießt der Kurs von AMD um 7% nach oben. Dagegen stürzten Datadog (WKN: A2PSFR), CrowdStrike (WKN: A2PK2R), Zscaler (WKN: A2JF28) Anfang der Woche ab: mit Tagesverlusten von über 9%. IBM (WKN: 851399) sackte sogar um 13% in nur einer Handelssitzung zusammen. Für „Big Blue“ bedeutet das den schlimmsten Börsentag seit dem Jahr 2000.

Der Hauptgrund für Orientierungslosigkeit und Angst dürfte eine schmale, nur rund 7.000 Wörter umfassende Studie von Citrini sein, einem Analysehaus mit gerade einmal zehn Mitarbeitern. Das Paper, eigentlich ist es kaum mehr als ein Gedankenspiel, beeindruckte die Börsenhändler tief. Womöglich weil sie sich selbst als Betroffene wähnen. Citrini spinnt aus, was wäre, wenn die Künstliche Intelligenz (KI) noch besser wäre als bisher gedacht. Wenn sie die Angestellten in Intelligenzberufen, in Verwaltung und Management überflüssig machte, da KI besser und schneller wäre als menschliche Konkurrenz. Dann wären gut bezahlte Börsenhändler womöglich überflüssig, und viele Geschäftsmodelle datengetriebener Unternehmen zerbröselten innerhalb von Monaten. Überblicken, gar einordnen kann die Auswirkungen von KI zurzeit niemand. In einer solchen Phase der Orientierungslosigkeit wird schnell der Verkaufsknopf gedrückt, um Geld aus einem Markt zu nehmen, den man schwer einschätzen kann. Andererseits wird blitzschnell gekauft, wenn sich ein Gewinner herauszukristallisieren scheint wie AMD.
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Die Milei-Konferenz
Deutschland muss sich entscheiden:
Ein Weiter so mit höheren Steuern, mehr politischer (Fehl)-Steuerung und einem immer größeren Staatsapparat? Oder radikale Deregulierung, Wettbewerb und ein Rückzug der Politik aus vielen Entscheidungsbereichen in Wirtschaft und Gesellschaft?
Die Milei-Konferenz 2026 verzichtet bewusst auf allseits bekannte Problembeschreibungen. Hier diskutieren namhafte Redner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, was jetzt konkret getan werden kann, um Deutschland wieder wirtschaftlich stark, politisch handlungsfähig und gesellschaftlich freizumachen.
Im Zentrum steht eine gemeinsame Überzeugung:
Deregulierung ist kein Selbstzweck – sie ist die unabdingbare Grundlage für Wohlstand und eine der Zukunft zugewandte Gesellschaft mündiger Bürger und Familien.
Die Milei-Konferenz 2026 – für alle, die nicht länger verwalten, sondern selbst gestalten wollen!
Link zu den Tickets: https://konferenz.milei-institut.de/events/mileiinstitut/2023944
Wenn Science-Fiction zur Realität wird
Die üblichen Verdächtigen – OpenAI, Anthropic usw. – bringen mehrmals im Jahr neue, verbesserte KI-Modelle heraus. Längst diskutieren Experten, wann es so weit sein wird, dass eine KI selbst einen eigenen Abkömmling erschaffen wird. Ab da würde sich der Innovationszyklus noch einmal drastisch beschleunigen.
Roboter sind nichts anderes als KIs mit angesetzter Mechanik. Sie können viel von der Arbeit erledigen, die Menschen bisher in Fabriken, Büros und kreativen Ateliers verrichten. Sie schlafen nicht. Sie verlangen keine höheren Löhne. Sie reparieren sich selbst. Sie werden sich selbst replizieren. Natürlich ist das Science-Fiction. Aber wie lange noch? Die Börse handelt Zukunft, sie sortiert die Welt bereits für dieses Szenario und beginnt Güter zu unterscheiden: in solche, die endlich sind und solche, welche potenziell unendlich verfügbar oder herstellbar sein werden.
Endliche Güter sind zum Beispiel Land, Wasser und Gold – zumindest solange die Raumfahrt nicht im großen Stil funktioniert. Potenziell unendlich vorhandene Güter werden im Science-Fiction-Szenario hochwertige Konsumgüter sein, aber auch Maschinen oder IT-Chips. Den Aktienmarkt schlüsselt man üblicherweise nach Sektoren auf. In der Anlegerschaft lassen sich aktuell deutliche Verschiebungen hinsichtlich der Einschätzung der Zukunftsfähigkeit einzelner dieser Sektoren registrieren. Da wird mit den Füßen abgestimmt. Großer Gewinner ist die Energie, denn die ist endlich, jedenfalls solange noch kein Fusionsreaktor konstruiert wurde. Auch Aktien aus dem Rohstoffsektor sind gesucht. Rohstoffe können nicht vermehrt werden. Eine ähnliche Überlegung steckt hinter Kursgewinnen von Real Estate-Kapitalgesellschaften. Das bewirtschaftbare Land ist endlich. Abgestoßen werden dagegen Papiere aus den Sektoren Konsumgüter, Finanzen und Technologie; hier verheißt die KI für die Zukunft Güter und Intelligenz in Hülle und Fülle.

Große Verluste mit großen Namen
Der schlechteste Rat ist auch einer der charmantesten. Formuliert hat ihn der Börsenphilosoph und Altmeister André Kostolany: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“
Noch heute wird der Satz gerne zitiert. An ihn halten sollte man sich aber nicht. Kostolany verstarb 1999. Seitdem hat sich die Börsenwelt drastisch verändert. Nicht nur ist sie schnelllebiger geworden; auch große Kapitalgesellschaften mit klangvollen Namen können schlafenden Anlegern herbe Verluste bescheren:
– Der Softwarekonzern Adobe (WKN: 871981) verliert seit seinem Allzeithoch 60%
– Der Streamer Netflix (WKN: 552484) verliert von der Spitze 40%
– Oracle (WKN: 871460) verliert 40%
– Coinbase (WKN: A2QP7J) minus 60%
(alle Prozentangaben gerundet)
Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Gründe für die jeweiligen Verluste mögen sich unterscheiden. Sie können nachvollziehbar oder falsch sein. Für Anleger, die Kostolanys Rat befolgen, bleibt das Ergebnis gleich. Sie erwachen und sind eben nicht reich. Im besten Fall waren sie reich – während ihrer Tiefschlafphase. Ob die vormaligen Highflyer wie Adobe, Netflix und Oracle jemals die Allzeithochs wieder erklimmen oder gar überwinden werden, erscheint fraglich. Heute Abend wird Nvidia (WKN: 918422) Geschäftszahlen vorlegen und Einblicke in den Ausblick gewähren. Der Vorreiter der KI-Revolution hat den Anlegern erheblichen Wohlstand eingebracht. Sein bisheriges All-Time-High schaffte der Kurs des Grafikkarten- und Chipentwicklers Ende Oktober 2025. Seitdem schiebt die Aktie seitwärts, was ein Zeichen dafür ist, dass wache Anleger trotz KI-Hype zweifeln und fortgesetzt Kasse machen. Derzeit liegt Nvidias Kurs 7% unter dem Höchststand und da dürften die Implikationen des neuen Milliarden-Deals von Meta mit AMD (s.o.), dem großen Nvidia-Konkurrenten, noch nicht vollständig eingearbeitet sein.
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Die französische Fonds-Gesellschaft H2O veranstaltet wieder ihren beliebten Makro-Lunch in ausgewählten, edlen Restaurants in München, Frankfurt und Hamburg.
Vincent Chailley, Group CIO und CIO H2O Monaco S.A.M., wird die makroökonomischen Ansichten des Hauses H2O präsentieren. Der Vortrag und die anschließende Fragerunde werden auf Englisch stattfinden.
Die Veranstaltung richtet sich an professionelle Investoren und vermögende Privatkunden.
Da die Plätze begrenzt sind, wird darum gebeten, sich bei Interesse direkt an Karina Perwald-Leroy zu wenden.
Dividenden, Zinskritik und Millionärsschwemme
Hinter uns liegen arbeitsreiche Tage, aber wir denken, die Mühe hat sich gelohnt. Gestern ging der neue Substanz Investor 3/2026 in Druck, um pünktlich zum Wochenende bei unseren Lesern zu sein. In der Titelstory geht es diesmal um „Dividenden, Zinsen & Renditen“. Jetzt, da der Tech-Motor stottert, ist es wieder einmal an der Zeit, sich mit jenen Unternehmen zu beschäftigen, die zwar nicht die Schlagzeilen dominieren, aber Jahr für Jahr abliefern. Wenn es um regelmäßige Einkünfte geht, denken viele zudem an Zinsen. Die sind schlechter als ihr Ruf, wie sich zeigt, wenn man einige Zinsmythen auf Herz und Nieren abklopft. In den Schlagzeilen waren zuletzt auch die Edelmetalle – im Guten wie im Schlechten. Der Fahnenstange folgte der Crash. Wir beleuchten die Hintergründe und verraten, welche Argumente den Bullen jetzt noch bleiben. Es gibt sie noch, die Länder, in denen die Politik erkannt hat, wie wichtig die Leistungsträger für ein Gemeinwesen sind. Millionäre sind so etwas wie der Kanarienvogel in der Kohlemine – fühlen sie sich wohl, kommt das auch der Volkswirtschaft zugute. Wir verraten, welches Land diese rare und scheue Spezies bewusst anlockt. Das und vieles mehr im neuen Substanz Investor 3/2026.
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Zu den Märkten
Im Dax bleibt uns das Thema Richtungslosigkeit weiter erhalten. Die Linie von 24.800 ist ein guter Gradmesser für die Verschiebung des Angebots-/Nachfrageverhältnisses. Oberhalb dieses Bereichs herrscht ein positiver Grundton vor. In Feierlaune ist der Markt dennoch erkennbar nicht; die würde erst einsetzen, wenn das Allzeithoch vom Januar bei 25.507 Punkten überzeugend und nachhaltig überwunden würde. Dazu bedürfte es neuer Impulse und es ist im Moment schwer zu erkennen, woher diese kommen könnten. Zuletzt trafen den Markt überwiegend negative Nachrichten wie der US-Truppenaufmarsch rund um den Iran, die KI-Unsicherheiten oder die neu verkündeten US-Zölle. Immerhin reagierte der DAX darauf bislang robust, was grundsätzlich ein Pluspunkt ist. Die nächste Nagelprobe sind die Zahlen und der Ausblick von Nvidia, die heute nach Börsenschluss bekanntgegeben werden. Die Erwartungen sind hier – wie immer – hochgespannt, und die Kursreaktion der führenden NASDAQ 100-Aktie werden direkt auf den Index durchschlagen.
Musterdepots & wikifolio
In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über den abgelaufenen Monat inklusive der detaillierten Tabellen zum Aktienmusterdepot. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.
Fazit
Die Technologie-Aktien waren über Jahre marktführend und kamen nun selbst massiv unter Druck – durch Technologie.
Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.



