Interview
Substanz Investor im Gespräch mit Kai Hoffmann über steigende Kupfernachfrage und den Einfluss hoher Energiepreise auf Minen
Substanz Investor: Sie sind im Juli vergangenen Jahres mit dem KAMAXUS Resource Fund an den Start gegangen. Können Sie kurz den Investmentansatz umreißen?
Kai Hoffmann: Wir investieren gezielt in Rohstoffunternehmen mit Fokus auf Gold, Silber und Kupfer und wollen in einem Sektor aktiv sein, den wir bestens kennen und der vor einer längerfristig starken Phase stehen könnte. Dabei steht nicht nur das Projekt im Mittelpunkt, sondern das Gesamtbild, d.h. die Qualität der Assets, die Fähigkeiten des Managements und auch die Kapitalstruktur. Gerade im Minensektor kann ein gutes Projekt durch die falsche Finanzierung oder durch ständige Verwässerung massiv an Attraktivität verlieren. Deshalb reicht es nicht, wenn die Geologie spannend ist. Wir investieren vom Explorer bis zum Produzenten, gewichten aber nach Risiko und Visibilität. Das Portfolio ist mit 30 bis 35 Werten sehr konzentriert. Dies macht es leichter, Positionen genau zu kennen. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Fonds ist zudem die Tatsache, dass wir an Privatplatzierungen teilnehmen können.
SI: Sie haben Kupfer angesprochen. Was macht das Industriemetall für Anleger in besonderer Weise interessant?
Hoffmann: Kupfer ist für mich eines der wichtigsten Metalle überhaupt – ohne Kupfer gibt es keine Elektrifizierung, keine vernünftigen Stromnetze, keine Rechenzentren, keine Energiewende und am Ende auch keinen Ausbau moderner Infrastruktur. Aus Investorensicht ist vor allem die Kombination aus steigender Nachfrage und schwierigem Angebot interessant. Neue Minen dauern lange, Genehmigungen ziehen sich, die Kosten steigen und gute neue Lagerstätten sind selten geworden. Kupfer ist kein kurzfristiger Hype, sondern ein strukturelles Thema. Und wenn Angebot und Nachfrage weiter auseinanderlaufen, dann sollte sich das auch im Preis und letztlich in den Bewertungen guter Unternehmen widerspiegeln.
SI: Gold hat vom Hoch bei ca. 5.600 USD im Januar bis auf 4.100 USD im März korrigiert. Aktuell notiert die Feinunze bei rund 4.800 USD. Was sind die Preistreiber für das Edelmetall und welche Kursziele für Gold und Silber sind auf Jahressicht realistisch?
Hoffmann: Gold wird aktuell aus meiner Sicht vor allem von vier Dingen getrieben: von geopolitischer Unsicherheit, Zinsen und Inflation, dem Vertrauen in Papierwährungen sowie der Nachfrage von Notenbanken. Gold ist längst nicht mehr nur ein Krisenmetall, es ist wieder ein Barometer für Vertrauen geworden: Vertrauen in Staatsfinanzen, Vertrauen in Währungen und Vertrauen in das gesamte Finanzsystem. Die angesprochene Korrektur war nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist für mich eher, dass Gold auf hohem Niveau konsolidiert und die fundamentale Grundlage weiter sehr stark aussieht. Bei Kurszielen bin ich grundsätzlich vorsichtig. Wenn das aktuelle Umfeld so bleibt, dann halte ich bei Gold auf Jahressicht einen Bereich von 5.200 bis 5.500 USD für realistisch. Silber kann rasant aufholen, wenn der Sektor insgesamt mehr Kapital anzieht. Da halte ich 85 bis 95 USD für denkbar. Für mich ist Gold kein kurzfristiger Trade, sondern ein strategisches Asset und Silber bleibt der deutlich volatilere Hebel darauf.
SI: Sie waren im März in Toronto bei der PDAC Convention, die als Stimmungsbarometer der Minenbranche gilt. Welche Highlights haben Sie mitgenommen?
Hoffmann: Die Stimmung im Goldbereich war deutlich besser als noch vor einem Jahr; von Euphorie würde ich aber trotzdem nicht sprechen. Häufig läuft zuerst der Rohstoffpreis und erst danach ziehen die Aktien nach. Genau dieses Bild sehen wir im Moment. Gold ist stark, viele Produzenten verdienen sehr gutes Geld, aber ein großer Teil der Entwickler und Explorer wird vom Markt noch immer nicht so bewertet, wie man es in einem starken Goldumfeld vielleicht erwarten würde. Ein weiteres positives Zeichen ist, dass die Firmen durchweg finanziert sind oder Geld bei Investoren einsammeln konnten. Wir sind gespannt, inwieweit sich das in tatsächlichen Mehrwert ummünzt, ergo: Werden wir neue Entdeckungen und Minen sehen? Mein klares Fazit nach Toronto: Kapital kommt zurück, aber sehr selektiv. Qualität wird wieder bezahlt, Mittelmaß eher nicht.
SI: Welchen Einfluss haben die durch den Irankrieg deutlich gestiegenen Energiepreise auf die Betriebskosten und die Wirtschaftlichkeit der Minen?
Hoffmann: Energie gehört bei vielen Minen zu den größten Kostenblöcken. Das betrifft nicht nur Diesel und Strom direkt, sondern auch Transport, Chemikalien, Verbrauchsmaterialien und viele Teile der Lieferkette. Wenn Energiepreise stark steigen, erhöht das den Kostendruck im gesamten System. Besonders anfällig sind dann Projekte, die ohnehin eine schwächere Kostenstruktur haben oder finanziell nicht besonders robust aufgestellt sind. Für viele Goldproduzenten ist ein höherer Ölpreis nicht automatisch negativ, solange der Goldpreis ebenfalls hoch bleibt oder weiter steigt. In dem Fall können die Margen trotz höherer Kosten immer noch sehr ordentlich sein. Schwieriger wird es für Entwickler oder für Unternehmen, bei denen die Wirtschaftlichkeit auf Kante genäht ist. Die Produzenten haben im ersten Quartal 2026 aufgrund des hohen Goldpreises die Margen weiter ausbauen können. Der Goldpreis liegt im ersten Quartal 2026 rund 700 USD höher als noch im vierten Quartal 2025. Die Energiepreise sind ohnehin erst im März deutlich angestiegen.
SI: Herr Hoffmann, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.
Kai Hoffmann ist Rohstoff- und Makroexperte mit über 19 Jahren Erfahrung an den Kapitalmärkten. Sein Fokus liegt auf Edelmetallen, Minenaktien und den großen makroökonomischen Zusammenhängen. Zudem ist er Mitgründer und Portfoliomanager bei der KAMAVEST Asset Management GmbH.


