Insgesamt 31 Bubbles – über die letzten Jahrhunderte verteilt – hat Autor Markus H. Schiml in seinem Werk ausgemacht und ausgewertet. Während in der gängigen Praxis meist Aktien-, Immobilien- oder sonstige Vermögenspreisblasen losgelöst und für sich betrachtet werden, stellt dieses Buch eine andere Arbeitshypothese in den Raum: Was wäre, wenn es sich vielmehr um eine systemische Dauerblase handeln würde, die von System und Gesellschaft nicht nur in Kauf, sondern stillschweigend sogar befeuert wird?
Nachdem im ersten Teil die wichtigsten Börsenblasen dargelegt und in den historischen Kontext gestellt werden, geht der Autor detailliert auf individuelle und kollektive Denk- sowie Entscheidungsmuster ein, die vom Spannungsfeld, das sich zwischen den Extremen Gier und Angst erstreckt, geprägt sind. Insofern mögen die Exzesse an der Börse zwar Zeugnis von geldpolitischen Auswüchsen ablegen – „Verzerrungen, Irrationalitäten, Massenpsychosen und Fehlurteile“ tragen gleichwohl ein beträchtliches Maß dazu bei. „Was wäre, wenn wir heute schon in einem Denkrahmen operieren, dessen Gültigkeit nicht mehr gegeben ist und es vielleicht auch nie war?“ Damit rüttelt Schiml vehement an den Grundfesten vieler Börsianer und Investoren, die im Laufe der Lektüre massig Gelegenheit erhalten, ihr Denken zu hinterfragen.
Fazit
Ein Werk, das unbestreitbar das Prädikat der Interdisziplinarität verdient mit Einladung zur Selbsthinterfragung und Selbstbegegnung. Wobei es nicht nur weit über das gewöhnliche Wirtschaftsbuch hinausgeht, sondern gleichzeitig auch noch unterhaltsam zu lesen ist. Übrigens würde allein die Anlage II mit einem individuell zusammengestellten Glossar, das eine wahre Fundgrube für interessierte Leser ist, die Anschaffung bereits rechtfertigen.



