Interview: „Der Rohstoffkrieg hat längst begonnen“

Dana Kallasch

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Substanz Investor im Gespräch mit Dana Kallasch, Commodity Capital AG, über Rohstoffnachfrage im Rüstungsboom und das Lithium-Comeback

Substanz Investor: Neben Digitalisierung und Energiewende treibt nun auch die Aufrüstung die Nachfrage nach Metallen. Wie stark beeinflusst der aktuelle Rüstungsboom den globalen Rohstoffbedarf?
Dana Kallasch: Wir erleben derzeit einen historischen Nachfrageschock von mehreren Seiten gleichzeitig. Jahrzehntelang konnten Investoren Rohstoffmärkte relativ isoliert betrachten. Heute konkurrieren Energiewende, KI-Rechenzentren, Verteidigung und industrielle Reshoring-Programme um dieselben Metalle. Der Rüstungssektor wird dabei oft unterschätzt. Eine moderne Lenkwaffe enthält Kupfer, Nickel, Titan, Wolfram und Seltene Erden. Drohnen, Satelliten und Radarsysteme sind hochgradig metallintensiv. Gleichzeitig werden weltweit die Verteidigungsbudgets massiv erhöht. Das Problem: Die Minen wurden nicht auf diese zusätzliche Nachfrage vorbereitet. Wir sprechen nicht über einen normalen Konjunkturzyklus, sondern über einen strukturellen Wettlauf um kritische Rohstoffe.

SI: China dominiert bei kritischen Rohstoffen und nutzt Exportstopps als Hebel. Gibt es kurzfristige Wege aus dieser Abhängigkeit?
Kallasch: Nein. Die ehrliche Antwort lautet: Die westliche Welt hat dieses Problem mindestens zwei Jahrzehnte verschlafen. Viele Anleger denken bei Rohstoffen an die physischen Metalle, Soft Commodities wie Weizen oder Kakao, aber nur in wenigen Fällen an Minen. Der Machthebel liegt jedoch nicht nur in der „Erzeugung“ oder Produktion der Rohstoffe, sondern auch in deren Verarbeitung. Genau dort dominiert China bei zahlreichen kritischen Rohstoffen mit Marktanteilen von teilweise über 80%, baut jedoch auch die Kontrolle weltweiter Rohstoffprojekte stetig aus. Deshalb sehen wir jetzt etwas, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre: Staaten kaufen sich direkt in Minen ein, subventionieren Projekte und bauen strategische Reserven auf. Der Markt allein soll und kann das Problem nicht mehr lösen. Für Investoren ist das eine enorme Veränderung. Rohstoffe werden zunehmend zu einem geopolitischen Asset.

SI: Der Structured Solutions – Next Generation Resources Fund (WKN: HAFX4V) hat einen hohen Lithiumanteil. Nach dem Boom folgte der Absturz. Ist die Story noch intakt?
Kallasch: Absolut. Der Markt hat den Fehler gemacht, kurzfristige Preisbewegungen mit der langfristigen Investmentthese zu verwechseln. Der Lithiumpreis ist eingebrochen, weil zu viel Kapital gleichzeitig in neue Projekte geflossen ist. Aber die Welt elektrifiziert sich weiter. Batteriespeicher wachsen explosionsartig, Stromnetze werden ausgebaut und die Nachfrage nach Energiespeicherung steigt weltweit. Interessant ist, dass der Preisverfall inzwischen das zukünftige Angebot zerstört. Projekte werden verschoben, Finanzierungen gestrichen und Explorationen eingestellt. Genau daraus entstehen oft die nächsten Rohstoffzyklen. Wir glauben deshalb, dass Lithium heute deutlich interessanter ist als auf dem Höhepunkt der Euphorie vor drei Jahren.

SI: Welchen „Next-Generation-Metallen“ trauen Sie die stärkste Entwicklung zu?
Kallasch: Wenn ich nur ein Metall nennen dürfte, wäre es Kupfer, weil es das Rückgrat der Elektrifizierung ist. Ohne Kupfer gibt es keine Energiewende, keine KI-Infrastruktur, keine Rechenzentren und keine moderne Verteidigungstechnologie. Gleichzeitig wird die Entdeckung neuer Großlagerstätten immer schwieriger. Die Genehmigungsverfahren dauern inzwischen häufig weit über zehn Jahre. Daneben sehen wir großes Potenzial bei Uran, Silber und Seltenen Erden. Besonders spannend ist, dass sich hier wirtschaftliche und geopolitische Interessen überlagern.

SI: Welche Aktie überzeugt Sie aktuell besonders?
Kallasch: Unternehmen mit strategischen Assets werden unserer Ansicht nach die größten Gewinner dieses Jahrzehnts sein. Noch wichtiger als einzelne Namen ist jedoch die übergeordnete Erkenntnis: Die westliche Welt versucht derzeit, ganze Rohstofflieferketten neu aufzubauen. Davon profitieren nicht nur Minenbetreiber, sondern auch Verarbeiter und Technologieunternehmen entlang der Wertschöpfungskette.

SI: Ihr Fazit?
Kallasch: Viele Investoren betrachten Rohstoffe immer noch als zyklisches Thema. Wir sehen das anders: Wir erleben die Entstehung einer neuen Rohstoffordnung. Die Welt wird elektrifiziert, digitalisiert und gleichzeitig aufgerüstet. All das benötigt enorme Mengen kritischer Metalle. Der Rohstoffkrieg hat längst begonnen – die meisten Anleger haben ihn nur noch nicht bemerkt. Genau deshalb verfolgen wir mit dem Structured Solutions – Next Generation Resources Fund einen breit diversifizierten Ansatz entlang der wichtigsten Zukunftsrohstoffe. Unser Fokus liegt nicht auf kurzfristigen Preisschwankungen einzelner Metalle, sondern auf den langfristigen strukturellen Trends, die aus Elektrifizierung, Künstlicher Intelligenz, Energiesicherheit und geopolitischer Neuordnung entstehen. Investoren müssen in den kommenden Jahren nicht nur verstehen, welche Technologien die Zukunft prägen werden, sondern vor allem auch, welche Rohstoffe diese Technologien überhaupt erst ermöglichen.

SI: Frau Kallasch, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

Dana Kallasch, Mitgründerin und CEO von Commodity Capital, verfügt über eine langjährige und umfassende Erfahrung im Finanzsektor. Ihre Karriere begann 1999 bei der Dresdner Bank AG, wo sie private und institutionelle Kunden im Bereich der Investmentstrukturierung unterstützte. Im Jahr 2006 wechselte sie zur Banque LBLux S.A. in Luxemburg. Dort verantwortete sie den Bereich Business Development. Kallasch ist als CEO bei Commodity Capital hauptverantwortlich für die einzelnen Unternehmensbereiche und zuständig für die strategische Entwicklung des Unternehmens. Zudem zählt der Produktvertrieb zu ihren Schwerpunkten. Ihre Ausbildung umfasst einen BBA-Abschluss der HfB (Frankfurt Business School) und der Universidad Pablo de Olavide (Sevilla). Zusätzlich erlangte sie praxisorientierte Abschlüsse der Universität München.

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