Alles Trump, oder was?

Bild: grok.com

ARTIKEL TEILEN

Facebook
Twitter
LinkedIn
Email

Zölle, Krieg und Kurskapriolen – Trump macht Kurse

Ein Jahr Liberation Day

Am 2. April 2025 trat Donald Trump in den Rosengarten des Weißen Hauses und erklärte den Rest der Welt zum Wirtschaftsfeind Amerikas. Seitdem gibt es an den Märkten praktisch nur noch einen Impulsgeber: Trump selbst. Jeder Tweet, jedes Ultimatum, jede 180-Grad-Wende bewegt Milliarden – mal nach oben, mal nach unten, stets ohne Vorwarnung. Wer in den vergangenen zwölf Monaten versuchte, den Märkten mit klassischer Fundamentalanalyse beizukommen, musste feststellen: Das Modell heißt nicht mehr DCF, sondern DJT (Donald J. Trump).

Ein Jahr nach dem sogenannten Liberation Day lohnt sich die Bilanz – und die ist vor allem eines: uneinheitlich. Der Supreme Court erklärte Trumps IEEPA-Zölle am 20. Februar 2026 für verfassungswidrig. Daraufhin erhöhte er den Basiszoll trotzig auf 15%, diesmal im Rahmen des Handelsgesetzes aus dem Jahr 1974. Das Zollchaos geht also weiter, jedoch auf anderer Rechtsgrundlage. Und die Märkte? Die spielen weiter mit – notgedrungen. Pikant ist der Blick auf den südkoreanischen KOSPI seitdem „Liberation Day“. Mit einem Plus von +100,4% gehört er zu den ganz großen Gewinnern. Allerdings ist dieser Index in gewisser Hinsicht in einer Sondersituation. Mit Samsung und SK Hynix sind dort zwei der weltweit führenden Chip-Produzenten vertreten und die Nachfrage nach deren Produkten boomt. Dahinter steckt auch eine Politik, die das Land auf dem Kurs des globalen Innovationsführers hält und den Strukturwandel hin zur Künstlichen Intelligenz unterstützt. Wesentlich besser als erwartet, entwickelte sich auch der Index einer weiteren großen Exportnation. Der japanische Nikkei 225 legte seit dem Zollhammer erstaunliche +50,9% zu. Dagegen liegen die US-amerikanischen Indizes Nasdaq 100 (+22,1%) und S&P 500 (+15,9%) im unteren Bereich. Und was ist mit dem Handelsdefizit, das Trump „wegzollen“ wollte? Es ist weiter hartnäckig vorhanden. Senator Ted Cruz brachte es auf den Punkt: „Sollten wir in eine Rezession geraten, wird 2026 ein politisches Blutbad.“ Im November sind die Midterms.

Wie gewünscht verhielten sich dagegen der DAX 40, der das Schlusslicht unter den Aktienindizes in unserer kleinen Tabelle bildet und der Euro, der sich gegenüber dem US-Dollar immerhin um 7,4% aufwertete, was Exporte aus dem Euroraum unattraktiver macht. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass es für eine Schädigung der heimischen Wirtschaft keines Donald Trump bedarf, das schafft die deutsche Regierung schon ganz allein, etwa durch die unbeirrte Fortführung einer selten dummen Energiepolitik, durch neue Steuererhöhungsdebatten oder weitere Unsinnsregeln wie die „High-Noon-Spritpreiserhöhung“ von Bundeswirtschaftsministerin Reiche.

ANZEIGE



Ein Monat Irankrieg

Doch bekanntlich blieb es nicht beim Zollhammer. Am 28. Februar starteten die gemeinsamen US-israelischen Angriffe auf den Iran – der zweite große Trump-Impuls für die Märkte. Unsere Tabelle spricht eine klare Sprache: Der Irankrieg hat bislang vor allem Energie begünstigt. Alles andere kam im letzten Monat mehr oder weniger stark unter die Räder. Auch der so gewinnverwöhnte KOSPI leidet mit einem Minus von 19%, gilt Asien doch als Hauptabnehmer des Golf-Öls, das durch die Straße von Hormus kommt. Bemerkenswert ist die Doppelnatur der Edelmetalle: Silber und der Gold Bugs Index führen die Jahresbilanz des Zollhammers mit +121% bzw. +116% an, haben seit Kriegsbeginn jedoch jeweils mehr als 20% verloren. In beiden Fällen hätte man erwartet, dass die Argumente Inflationsschutz und „sicherer Hafen“ ziehen. Allerdings war die Situation im März 2026 eine andere. Der Markt war heiß gelaufen und die Terminbörsen hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Spekulationswelle in den Edelmetallen zu brechen. Dazu kam, dass die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen mit Kriegsbeginn zerstoben. Keine Frage, Krieg wirkt inflationär, was grundsätzlich positiv für Edelmetalle wäre. Wenn aber der Ölpreis innerhalb eines Monats um rund +44% nach oben schießt, dann sind der Fed hinsichtlich einer allzu lockeren Geldpolitik erst einmal die Hände gebunden. Der Ölpreisanstieg dürfte zudem viele Marktteilnehmer, wenn nicht die Notenbanken selbst, auf dem falschen Fuß erwischt haben. In den Monaten bis zum Kriegsausbruch dümpelte der Preis des schwarzen Goldes nämlich lediglich vor sich hin bzw. war sogar leicht abwärtsgerichtet. Zwar wünscht sich die Trump-Regierung sehnlichst niedrigere Zinsen, doch angesichts eines US-Schuldenbergs von inzwischen mehr als 39 Bio. USD würde sich bei einer als zu lax empfundenen Geldpolitik nicht nur sofort die Frage nach der Glaubwürdigkeit der US-Notenbank stellen, sondern die nach dem künftigen Status der Weltleitwährung. An letzterem wird ohnehin kräftig gesägt.

Ein rekordhoher Schuldenberg, eine wieder anziehende Inflation, eine möglicherweise verhagelte 250-Jahr-Feier, ein drohendes Desaster bei den Midterm-Wahlen und ein endloser Krieg ohne Ausstiegsoption. Trump ist unter extremem Druck, so schnell wie möglich gesichtswahrend aus diesem Krieg auszusteigen. Gestern reichte die Andeutung seiner Bereitschaft, den Militäreinsatz zu beenden und die Aktienmärkte starteten eine fulminante Erleichterungs-/Short-Covering-Rally, die sich im Nachhinein auch als typische Bärenmarkt-Rally erweisen könnte. Denn die aktuelle Führung des Iran scheint wenig Interesse daran zu haben, Trump vom Haken zu lassen. Jeder Tag, den das Regime der überwältigenden Militärmacht standhält, verbucht es als Erfolg. Das Bild kann also schlagartig wieder kippen, wenn Trump zu einem echten Vabanque-Spiel greifen sollte („Boots on the Ground“), um seine Misere aufzulösen. Viel Zeit dafür hat er auch insofern nicht, als die negativen ökonomischen Folgen der De-facto-Hormus-Blockade massive Schäden in der Weltwirtschaft nach sich ziehen.

Interessanterweise konnte ein Asset überhaupt nicht von den Trump-Schocks profitieren – der Bitcoin. Das „digitale Gold“ machte die Hausse echter Edelmetalle nicht nur nicht mit, sondern musste mit -27,5% seit April 2025 sogar kräftig Federn lassen. Immerhin übte der Irankrieg keinen weiteren Druck aus, obwohl es kaum etwas energieintensiveres als die Pflege der Blockchain gibt.

ANZEIGE



Zu den Märkten

Der DAX hat heute nachvollzogen, was die Wall Street gestern Abend vorgemacht hatte. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe steht der deutsche Leidindex mit einem Plus von +2,6% sogar wieder über der Marke von 23.000 Punkten. Allerdings befindet er sich damit noch immer rund 2.000 Punkte unterhalb des Standes, den er vor Kriegsbeginn aufwies. 2.000 Punkte sind weniger als 10%. Das ist erklärungsbedürftig. Allenthalben hört man von der dritten großen Ölkrise, von Stagnation, Rezession und Inflation. Dennoch würden die Aktienindizes am liebsten gleich wieder zur Tagesordnung übergehen wollen. Der gestrige bzw. heutige Handelstag hat gezeigt, wie sehr die Märkte auf ein baldiges Kriegsende hoffen. Ist solche Hoffnung ein guter Ratgeber und ist sie überhaupt realistisch? Zweimal ein klares Nein. Es spricht also einiges dafür, dass noch viel zu viel Optimismus in den Aktienkursen steckt. Das wiederum kann sich schnell ändern, wenn Nachrichten über Öl- und Gasmangel die Runde machen bzw. wenn der Krieg erneut eskaliert.

Deutsche Dividendentitel: heute DHL Group

Gelbes Logo, globale Reichweite: Die DHL Group (WKN: 555200) ist einer der wenigen echten Logistik-Allrounder weltweit – von der Briefzustellung in Deutschland bis zum internationalen Expressversand auf allen Kontinenten. Im Geschäftsjahr 2025 hat das Bonner Unternehmen trotz anhaltender Handelskonflikte und Währungsgegenwind seine Ziele übertroffen: Das operative Ergebnis stieg um 3,7% auf 6,1 Mrd. EUR, der Free Cashflow legte um 8,3% auf 3,2 Mrd. EUR zu. Dabei setzt DHL auf klare Wachstumsfelder: Digitalisierung und der Ausbau im wachstumsstarken Bereich Life Sciences & Healthcare. Im Rahmen seiner „Strategie 2030“ investiert der Konzern unter anderem in KI-Agenten, Robotik und den weiteren Ausbau des Packstationsnetzes.

DHL Group ist ein fester Name im deutschen Dividendenkalender. Seit 2008 wurde die Dividende je Aktie jedes Jahr gesteigert – ohne eine einzige Unterbrechung. Für das zurückliegende Geschäftsjahr schlagen Vorstand und Aufsichtsrat 1,90 EUR je Aktie vor, eine erneute Erhöhung gegenüber den 1,85 EUR des Vorjahres. Die Ausschüttungsquote liegt bei soliden 61% des Nettogewinns, das KGV bei rund 15 – beides deutet auf eine nachhaltig gedeckte Dividende hin. Beim aktuellen Kurs von rund 44 EUR ergibt sich eine Dividendenrendite von knapp 4,3%. Wer am 8. Mai 2026 in den Genuss der Ausschüttung kommen möchte, sollte die Aktie bis zum Ex-Datum 6. Mai 2026 im Depot haben.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio steht heute ganz im Zeichen des Öls. Die große Monatsübersicht zum Aktienmusterdepot für März inklusive Tabellenteil finden Sie in der Ausgabe vom 25.3. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.

Fazit

Alles Trump, oder was? Im Wesentlichen: ja. Der Mann hat in einem Jahr zwei globale Marktschocks ausgelöst – einen handelspolitischen und einen militärischen, und dabei ist noch nicht einmal die Hälfte seiner Amtszeit um.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier oder ein Derivat darauf wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Substanz Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

Abonnements:
Unsere Substanz Investor Abonnements finden Sie hier.

Das Magazin:
Das aktuelle Substanz Investor Magazin finden unsere Abonnenten hier.

E-Mail-Versand:
Sollten Sie den E-Mail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine E-Mail mit dem Betreff “Abbestellen des SIW” an
weekly@substanzinvestor.de.

Unsere Datenschutzerklärung finden sie hier.

Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

UNSERE EMPFEHLUNGEN