Editorial „Rohstoffe“: Papiergeld auf Bewährung – Gold als Rettungsanker?

Björn Paffrath

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Die Staatsschulden wachsen, und mit ihnen drängt sich zunehmend die Frage auf, wie lange die Kapitalmärkte den Regierungen noch Geld leihen. In den USA hat die Verschuldung inzwischen die Marke von 40 Bio. USD geknackt. Auch in Europa und Japan rücken höhere Finanzierungskosten wieder in den Fokus. Jeder neue Schuldeneuro und -dollar muss irgendwann refinanziert werden – zu höheren Zinsen.

Bei mangelndem Vertrauen steigen die Anleiherenditen! Sie sind nicht nur eine Belastung für Bondportfolios, sie werden auch zum Vertrauensindikator. Höhere Zinsen können auf Inflation, Risikoprämien oder ein zu großes Angebot an Staatsanleihen hindeuten. Für Staaten wird die Finanzierung teurer, aber Notenbanken müssen Preisstabilität und Schuldentragfähigkeit zugleich sichern.

Auf den ersten Blick spricht dieses Umfeld nicht für Gold. Das Edelmetall zahlt weder Zinsen noch Dividenden, und steigende reale Renditen sowie ein fester Dollar können den Preis belasten. Doch Gold ist nicht nur eine Alternative zu Anleihen: Es ist eine Reserve ohne direkten Schuldner und ohne Fälligkeit. Gold geht nicht pleite!

Seit dem Nixon-Schock von 1971 beruht das internationale Währungssystem auf Vertrauen. Solange Anleger an solide Haushalte, stabile Währungen und berechenbare Institutionen glauben, funktioniert es. Wenn Schulden, geopolitische Konflikte und politische Eingriffe zunehmen, gewinnt die Suche nach Alternativen an Dringlichkeit. Nicht, weil eine Rückkehr zum Goldstandard unmittelbar bevorsteht, sondern weil Staaten und Zentralbanken ihre Abhängigkeit von einzelnen Währungen und Schuldnern verringern wollen.

Das zeigt sich an den physischen Märkten. Asien gewinnt als Handels- und Lagerplatz für Gold an Bedeutung. Zentralbanken bauen ihre Reserven aus oder verteilen sie breiter. Die veröffentlichten Zahlen sind nicht immer vollständig, doch der Trend ist erkennbar: Gold wird wieder stärker als strategischer Vermögenswert betrachtet.

Und Silber? Das kleinere Edelmetall verbindet monetäre Nachfrage mit industrieller Verwendung. In einer Edelmetallhausse kann es deshalb stärker steigen, aber auch heftiger korrigieren. Gold bleibt der Reservewert, Silber der volatilere Verstärker.

Hohe Staatsschulden garantieren noch keine Gold- oder Silberhausse. Dollarstärke, reale Zinsen und Liquidität können beide Metalle belasten. Doch je stärker die Schulden wachsen, desto wichtiger wird es, wem Anleger und Staaten ihr Vertrauen schenken. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Gold und Silber morgen steigen – sie lautet, ob man erst dann über Sachwerte nachdenkt, wenn das Vertrauen bereits teuer geworden ist.

Welche Rolle Gold, Silber und Edelmetallaktien spielen und warum bei den Minenwerten die richtige Auswahl zählt, besprechen wir im diesmaligen Abschnitt „Rohstoffe“.

Björn Paffrath
Minenexperte und Unternehmer,
Herausgeber des Börsenbriefs

„DER ROHSTOFF-KÖNIG“

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