Gastbeitrag von Manuel Peiffer, KAMAVEST Asset Management GmbH
Der Rohstoffsektor befindet sich aus unserer Sicht an einem entscheidenden Punkt. Während die Rohstoff- und Edelmetallproduzenten bereits heute von hohen Preisen und entsprechend hohen Margen profitieren, könnte die nächste Phase des Zyklus für Anleger noch interessanter werden: eine zunehmende Konsolidierung des Sektors durch Übernahmen und Fusionen.
Stärkung der Bilanzen
Die großen Produzenten erwirtschaften derzeit zum Teil erhebliche freie Cashflows. In den vergangenen Quartalen stand zunächst die Stärkung der Bilanzen im Vordergrund. Schulden wurden reduziert, Liquidität aufgebaut und die finanzielle Stabilität verbessert. Gleichzeitig haben viele Unternehmen begonnen, ihre Aktionäre über Aktienrückkäufe und steigende Dividenden stärker am Erfolg partizipieren zu lassen.
Wir glauben, dass ein zunehmender Teil dieser freien finanziellen Mittel künftig für Akquisitionen eingesetzt werden könnte. Für große Produzenten wird es immer schwieriger, die eigene Produktion durch neue, große Minenprojekte organisch auszubauen. Neue Lagerstätten zu entdecken und anschließend zu entwickeln, ist zeitaufwendig, kapitalintensiv und mit erheblichen technischen sowie politischen Risiken verbunden. Gleichzeitig sind hochwertige Projekte und fortgeschrittene Entwickler begrenzt. Genau hier entsteht aus unserer Sicht eine interessante Dynamik. Produzenten verfügen über Cashflows und starke Bilanzen, während viele Junior-Unternehmen attraktive Ressourcen, bereits weit fortgeschrittene Projekte oder erhebliches Explorationspotenzial vorweisen können. Treffen diese beiden Welten aufeinander, kann ein klassischer M&A-Zyklus entstehen.
Erhebliche Potenziale
Für Aktionäre der Junior-Produzenten und Developer kann eine solche Übernahmewelle erhebliche Wertsteigerungspotenziale bieten. Der Markt bewertet diese Unternehmen häufig noch auf Basis ihres Entwicklungsrisikos und des notwendigen Kapitalbedarfs. Sobald jedoch ein großer Produzent Interesse an einem Projekt zeigt, kann sich die Bewertung fundamental verändern. Zusätzlich entsteht bei mehreren potenziellen Käufern die Möglichkeit eines Bieterwettbewerbs. Wir investieren daher nicht ausschließlich in etablierte Produzenten, sondern legen einen Schwerpunkt auf Unternehmen, die aus unserer Sicht potenzielle Übernahmekandidaten darstellen.
Ziel ist es, frühzeitig in Unternehmen investiert zu sein, bevor eine mögliche Transaktion angekündigt wird. Entscheidend sind dabei die Qualität des Projekts, die Größe und Wirtschaftlichkeit der Ressource, der Entwicklungsstand sowie die Frage, ob das Projekt für einen größeren Produzenten strategisch interessant sein könnte.
Fazit
Wir sehen im kommenden M&A-Zyklus eine mögliche zweite Renditequelle neben steigenden Rohstoffpreisen. Während Produzenten von hohen Metallpreisen und steigenden Cashflows profitieren, können Developer und Junior-Produzenten überproportional an einer zunehmenden Konsolidierung partizipieren. Bei einer Übernahme werden oftmals „Aufpreise“ von 30% bis 80% gezahlt. Sollte sich unsere Erwartung einer zunehmenden Übernahmewelle bestätigen, könnten ausgewählte Developer und Junior-Produzenten einen wesentlichen Beitrag zur Outperformance leisten.
Manuel Peiffer ist Gründer und Geschäftsführer der KAMAVEST Asset Management GmbH, einem auf Rohstoffe spezialisierten Assetmanager. Als Fondsberater des KAMAXUS Resource Fund (WKN: A40X8Z), einem auf Rohstoffaktien spezialisierten Fonds, verantwortet er gemeinsam mit Kai Hoffmann die Anlagestrategie. Sein Schwerpunkt liegt auf der Identifikation attraktiver Chancen entlang des gesamten Rohstoffzyklus – von Produzenten über Developer bis zum Explorer. Zudem ist er im Aufsichtsrat von Cartier Resources Inc. Kamaxus hat bei den Boutiquen Awards 2026 in der Kategorie „Best Newcomer“ gewonnen.


