Gastbeitrag von Dana Kallasch, Commodity Capital AG
Warren Buffett zählt zu den erfolgreichsten Investoren der Welt. Seine Philosophie ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: Unternehmen verstehen, ihren tatsächlichen Wert erkennen und möglichst günstig investieren. Gerade im Rohstoffsektor eröffnet dieser Ansatz interessante Chancen.
Preis und Wert
„Der Preis ist das, was man bezahlt. Der Wert ist das, was man dafür bekommt.“ Dieses berühmte Zitat von Buffett beschreibt einen wesentlichen Grundsatz des Value Investing. Gerade im Rohstoffsektor unterscheiden sich Börsenkurse und fundamentale Unternehmenswerte häufig erheblich. Während Aktienkurse stark auf kurzfristige Rohstoffpreisentwicklungen und Marktstimmungen reagieren, verändern sich die Qualität einer Lagerstätte, ihre langfristige Wirtschaftlichkeit oder die Kompetenz des Managements nicht zwangsläufig im gleichen Umfang.
Im Mittelpunkt unserer Investmentphilosophie steht nicht die Suche nach kurzfristigen Trends, sondern die Identifikation von Unternehmen, deren tatsächliches wirtschaftliches Potenzial vom Kapitalmarkt noch nicht angemessen bewertet wird. Dabei spielt die Sicherheitsmarge zwischen Börsenkurs und konservativ geschätztem Unternehmenswert eine zentrale Rolle. Gerade bei Minengesellschaften ist sie angesichts geologischer, operativer und politischer Risiken besonders wichtig.
Antizyklisch Chancen erkennen
„Sei vorsichtig, wenn andere gierig sind, und mutig, wenn andere Angst haben“. Buffetts Aufforderung, gegen die vorherrschende Marktstimmung zu handeln, ist gerade für Rohstoffinvestoren relevant. Rohstoffmärkte verlaufen in ausgeprägten Zyklen. Auf Phasen der Euphorie folgen häufig starke Korrekturen, in denen selbst hochqualitative Unternehmen erheblich an Börsenwert verlieren. Für fundamental orientierte Investoren können gerade diese Phasen interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten. Entscheidend ist jedoch, zwischen vorübergehenden Marktverwerfungen und tatsächlichen wirtschaftlichen Problemen zu unterscheiden.
Wachstum und Value sind kein Widerspruch
„Es ist wesentlich besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem angemessenen Preis zu kaufen als ein durchschnittliches Unternehmen zu einem außergewöhnlich günstigen Preis.“ Für Buffett steht die Qualität eines Unternehmens im Mittelpunkt. Ein niedriger Aktienkurs allein macht noch kein attraktives Investment.
Die langfristigen Wachstumsperspektiven der Rohstoffmärkte schließen erhebliche kurzfristige Kursschwankungen keineswegs aus. Ein Beispiel: Im Lithiumsektor zeigt sich, wie stark negative Marktstimmungen die Bewertungen beeinflussen können, obwohl langfristig weiterhin ein erheblicher Rohstoffbedarf erwartet wird. Die Herausforderung besteht darin, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die über hochwertige Projekte, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und solide Finanzierungsperspektiven verfügen. Value Investing bedeutet somit nicht, auf Wachstum zu verzichten – sondern Wachstum zu einem attraktiven Preis zu erwerben.
Fazit
Warren Buffett ist nicht für klassische Mineninvestments bekannt. Dennoch lassen sich seine grundlegenden Prinzipien hervorragend auf den Rohstoffsektor übertragen: Qualität erkennen, Risiken verstehen, unabhängig denken und langfristig investieren.
Dana Kallasch, Mitgründerin und CEO von Commodity Capital, verfügt über eine langjährige und umfassende Erfahrung im Finanzsektor. Ihre Karriere begann 1999 bei der Dresdner Bank AG, wo sie private und institutionelle Kunden im Bereich der Investmentstrukturierung unterstützte. Im Jahr 2006 wechselte sie zur Banque LBLux S.A. in Luxemburg. Dort verantwortete sie den Bereich Business Development. Kallasch ist als CEO bei Commodity Capital hauptverantwortlich für die einzelnen Unternehmensbereiche und zuständig für die strategische Entwicklung des Unternehmens. Zudem zählt der Produktvertrieb zu ihren Schwerpunkten. Ihre Ausbildung umfasst einen BBA-Abschluss der HfB (Frankfurt Business School) und der Universidad Pablo de Olavide (Sevilla). Zusätzlich erlangte sie praxisorientierte Abschlüsse der Universität München.


