Nvidias überraschende Prognose
Putsch in China?Aktuell kursieren durch das Netz Gerüchte über einen vereitelten Putsch in China. Demnach soll der langjährige enge Vertraute von Xi Jinping, der stellvertretende Vorsitzende der Zentralen Militärkommission (CMC), Zhang Youxia zusammen mit dem Stabschef der Gemeinsamen Stabsabteilung der CMC, Liu Zhenli, den Aufstand gegen den Staats- und Parteichef geprobt haben. An einigen Stellen ist sogar von einer Hotel-Schießerei die Rede, die neun Leibwächter Xis und mehrere Dutzend Soldaten aus dem Umfeld Zhangs das Leben gekostet haben soll. Alle entsprechenden Berichte gehen auf eine einzige Quelle zurück, Sheng Xue, die sich bei den Informationen wiederum auf einen ominösen „Mister X“ beruft. Man könnte die Geschichte vom Shootout als Räuberpistole abtun, allerdings eine, die einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Doch ganz so einfach ist es nicht.
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Offiziell bestätigt ist bislang nur, dass die beiden Top-Generäle tatsächlich entmachtet wurden. Über die Motive kann man spekulieren. Die Formulierung „schwerwiegende Verstöße gegen Parteidisziplin und Gesetz“ deutet in Richtung Korruption. In der offiziellen Militärzeitung PLA Daily wird den Generälen vorgeworfen, das „Verantwortungssystem des Vorsitzenden“ schwerwiegend verletzt zu haben. Das spricht für den Ausbau einer eigenen Machtbasis, bis hin zu einer versuchten Machtübernahme. Tatsächlich gibt es innerhalb des Apparats verschiedene Cliquen, und Säuberungswellen sind in kommunistischen Regimen nichts Ungewöhnliches. Von den ursprünglich sieben Mitgliedern der Zentralen Militärkommission (CMC) sind beispielsweise noch ganze zwei übrig, einer davon ist Xi selbst. Zudem wurden in den letzten Jahren Dutzende Generäle und Kommandeure, insbesondere bei den Raketen- und Nuklearstreitkräften entfernt. Andere Gerüchte besagen, dass Zhang nukleare Geheimnisse an die USA verraten haben soll, oder dass es zu einem Zerwürfnis über die Frage einer Invasion Taiwans gekommen sei. Da die chinesische Führung zudem auf kaum einem Feld Interna oder Absichten offen kommuniziert, gibt es reichlich Boden für mehr oder weniger plausible Szenarien. Die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft kann man kaum unterschätzen. An den Börsen wäre es turbulent geworden, wäre der Machtkampf live übertragen worden. Börsianer sind mit reichlich Fantasie gesegnet, das ist eine Déformation professionnelle. Was hätten sich Aktionäre nicht alles ausgemalt, und wie hätten sie unter dem Druck der Ereignisse reagiert? So bleibt das Gefühl, gerade noch an etwas Größerem vorbeigeschrammt zu sein – vorerst.

Kaum bedauern dürften Anleger, dass Jensen Huang beim Wirtschaftsgipfeltreffen in Davos freimütig seine überraschenden Ansichten über die Künstliche Intelligenz (KI) teilte und bei der Gelegenheit auch gleich Hinweise gab, wo man seiner Meinung nach im anbrechenden KI-Zeitalter investieren sollte, nämlich in Europa.
Sinngemäß sagt der Nvidia-Chef, seine talentierten Kopfarbeiter in Santa Clara können zwar KI und Chips entwickeln. Das ist aber nur die halbe Miete. Jemand muss mit der KI auch etwas produzieren, und zwar etwas anderes als Excel-Auswertungen, TikTok-Futter und Info-Snippets auf Monitoren. Gemeint sind physische Dinge wie Maschinen, Fabriksteuerungen, Roboter. Auf dem Gebiet sind Europas Ingenieure stark.
Der Markt ist schlau. Mindestens so schlau wie der Nvidia-CEO. Er hat die Fährte bereits aufgenommen. Die Zukunft wird bepreist, indem Anleger ihre Einschätzungen mit Geld hinterlegen. Zum Beispiel bei Siemens (WKN: 723610). Das Unternehmen wurde 1847 mit Sitz in Berlin und München gegründet von den Namensgebern als Telegraphenbauanstalt Siemens & Halske. Die Produkte hatten Weltruf im Kaiserreich und elektrisierten später das Wirtschaftswunder. Aktuell ist Siemens in einer Pole Position, ähnlich wie Werner von Siemens es im Zeitalter der Pferdefuhrwerke war. Die Siemens von heute hat Wissen, Maschinen und geschäftliche Verbindungen, um KI von den Monitoren in die stoffliche Welt zu bringen. Zumindest setzen Anleger darauf und kaufen sich ein.
Als französisches Pendant zu Siemens darf Schneider Electric (WKN: 860180) gelten, einer der größten Industriekonzerne des Nachbarlandes. Die Kursentwicklung von Schneider Electric ist in jüngster Zeit allerdings weniger eindrucksvoll als bei Siemens. Das mag aktuellen politischen Turbulenzen in Paris geschuldet sein. ABB (WKN: 675089) ist ein dritter Kandidat, der zu den Gewinnern des Trends zur „KI der Dinge“ gehören kann. ABB hat seinen Sitz in Zürich und ist als technologieführender Industriekonzern in über 100 Ländern aktiv. Die Kursentwicklung erfreut, 22% Zugewinn in den letzten zwölf Monaten.
Der Präsidenten-ZyklusDie Statistik ist eindeutig. Im ersten Jahr einer US-Präsidentschaft erzielt der US-Vorzeigeindex S&P 500 einen Zugewinn von durchschnittlich +12%. Im zweiten Jahr sind es nur +2%. Im dritten Jahr schnellt der Gewinn auf +20%, fällt im Wahljahr dann auf +11% zurück. In der Statistik, vom Wall Street Journal veröffentlicht, sind die Kurse seit 1960 berücksichtigt. Aktuell befinden wir uns im zweiten Jahr der Trump-Präsidentschaft und diesmal wird alles anders sein, sagt und begründet das Wall Street Journal in einer spannenden Analyse.
Den Unterschied macht die außergewöhnliche Präsidentschaft des Donald Trump. Das schwache zweite Jahr rührt – so die Analyse – im Allgemeinen daher, dass amtierende Präsidenten wenig Interesse an den Zwischenwahlen haben, die dann stattfinden. Ganz anders ist es bei Donald Trump, er will Mehrheiten in Senat und Kongress behalten, um durchregieren zu können. Er will seine Agenda innerhalb von vier Jahren umsetzen. So beginnen jetzt sein One Big Beautiful Bill und die Steuererleichterungen zu wirken. Beides soll für Aufschwung in der Wirtschaft und am Aktienmarkt sorgen, um im Herbst bei den Wahlen die Mehrheit zu sichern.
Die Zyklusjahre drei und vier, also 2027 und 2028, können dann für Anleger zur Durststrecke werden, fürchten Wall Street-Analysten. Trump hat keine Wahlen mehr zu gewinnen und die Volkswirtschaft wird ihre Rechnung präsentieren: Steigende Inflation und sinkende Staatseinnahmen werden verunsichern. Dazu kommen möglicherweise vermehrte dirigistische Eingriffe eines rapide alternden Präsidenten. Gerade gibt es einen Vorgeschmack. Die Kurse von Kreditkartenunternehmen sinken, da der Präsident öffentlich den Plan entwickelt, eine Obergrenze von 10% auf Kreditkarten-Zinssätze einführen zu wollen.

Raumfahrt reloaded
Der letzte Mann auf dem Mond war Eugene Cernan. „Wir werden zurückkehren“, sagte er vor dem Heimflug zur Erde am 14. Dezember 1972. Doch niemand interessierte sich mehr für Mond und Sterne, die Rückkehr wurde verschoben auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Plötzlich, mit dem Aufkommen von KI und ihrem Energiehunger, ist alles anders. Raumfahrt-Aktien haussieren, schließlich will man so bald wie möglich Solarkraftwerke in der Erdumlaufbahn oder gar auf dem Mond installieren. Im Weekly vom 17. Dezember 2025 machten wir auf OHB (WKN: 593612) aufmerksam. Der Kursgewinn des Satellitenbauers aus Bremen beträgt seitdem 160%. Die Auftragsinteressenten stehen bei OHB Schlange. Neu hinzu kommt jetzt das Geschäftsfeld Rüstung. Gemeinsam mit Rheinmetall (WKN: 703000) will man ein Satellitenprojekt entwickeln, das ähnlich wie Elon Musks Starlink arbeitet: 100 Satelliten würden Panzer, Schiffe und Soldaten vernetzen. Auch Kurse von Raumfahrt-Aktien im Apollo- und Astronauten-Mutterland steigen, zum Beispiel von Intuitive Machines (WKN: A3D5BY), die Mondlander konstruieren, oder vom Triebwerksbauer GE Aerospace (WKN: A3CSML). Sein Risiko streuen kann der sicherheitsbewusste Anleger unter anderem mit dem VanEck Space Innovators ETF VanEck Space Innovators ETF (WKN: A3DP9J).

Zu den Märkten
Nachdem der DAX im Zuge der Grönlandkrise unter Druck geraten war, konnte er sich in der Folge wieder teilweise erholen. Erneut ließen sich die Märkte durch die Maximalforderungen von US-Präsident Trump verunsichern, um kurz darauf festzustellen, dass dies nur Teil seiner groben Verhandlungsstrategie war. Verglichen mit den Kurseinbrüchen zum sogenannten „Liberation Day“ im April 2025 waren die Abschläge aber ohnehin relativ gemäßigt. Selbst in Bezug auf Trumps Bombenwürfe „Flooding the Zone“ setzt unter den Marktteilnehmern so etwas wie Gewöhnung ein. Was aber möglicherweise noch nicht eingepreist sein könnte, ist eine weitere Eskalation im Iran. Derzeit konzentrieren die USA in der Region ihre Truppen und die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Militärschlag gegen Teheran kommt, wird mit jedem Tag wahrscheinlicher. Verständlich, dass die Bullen vor diesem Hintergrund erst einmal ihr Pulver trockenhalten.
Peter Hahne kommt …
… nach Ergolding. Wer den renommierten Ex-ZDF-Moderator und Bestsellerautor Peter Hahne einmal live erleben will, hat dazu Gelegenheit im Bürgersaal Ergolding (Lindenstraße 40, 84030 Ergolding) bei Landshut am 19.2. ab 18:00 Uhr (Einlass ab 17:00 Uhr). Freuen Sie sich auf den Vortrag „… nicht alles vorbei! Sind wir noch zu retten?“, bei dem das Medienurgestein auch diesmal kein Blatt vor den Mund nehmen wird. Der Eintritt beträgt 20 EUR. Tickets gibt es online unter krasser.guru/hahne oder im Rathaus Ergolding; Restkarten an der Abendkasse. Im Rahmen der Veranstaltung besteht die Möglichkeit Hahnes brandneues Buch „Warum macht ihr uns kaputt?“ zu erwerben und signieren zu lassen.
Musterdepots & wikifolio
In der Rubrik Musterdepots & wikifolio finden Sie in unserer heutigen Ausgabe die große Musterdepotübersicht inklusive Tabelle für den Monat Januar. Die erzielten Werte sind nicht nur erfreulich, sie sind sensationell. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.
Fazit
Schon im ersten Monat des neuen Jahres ist gefühlt mehr passiert als im ganzen Vorjahr. Besonderes Augenmerk wird auf die Spannungen zwischen den USA und China gelegt, die sich in den verschiedensten Regionen der Welt entladen können.
Werfen Sie heute gerne auch einen Blick in unsere Rubrik Musterdepots & wikifolio, in der Sie äußerst erfreuliche Ergebnisse finden werden.
Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.




