Nachholpotenzial bei Healthcare-Fonds/-ETFs
Mit Blick auf die elf Sektoren des S&P 500 führt mit Stand vom Ende April 2026 die Energiebranche den Reigen der Kursgewinner seit Jahresbeginn mit satten +29,9% an. Das Schlusslicht bildet mit -6,7% der Gesundheitssektor. Trotz der aktuellen Kursschwäche bleiben die Wachstumstreiber der Branche weiter intakt. Dazu zählen die demografische Entwicklung, Innovationen durch Robotik und KI, aber auch Digital Health zur Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung. Für antizyklische und wertorientierte Investoren ist der Sektor aktuell in jedem Fall einen Blick wert.
Innovationen aus der zweiten Reihe
Eines der Portfoliocharakteristika des MEDICAL BioHealth (WKN: 941135; +47,4% in drei Jahren und damit mehr als die Vergleichsgruppe) ist die hohe Diversifikation über rund 80 Titel. Der Fokus des von Mario Linimeier gesteuerten Fonds liegt auf Biotech-Unternehmen aus der zweiten Reihe mit starker Innovationskraft und soliden Finanzen, die häufig als interessante Übernahmekandidaten gehandelt werden. Im April wurden die Übernahmen von Soleno Therapeutics und KalVista Pharmaceuticals mit deutlichen Aufschlägen angekündigt. Kürzlich kamen zudem positive Nachrichten vom Portfoliounternehmen Veradermics, das über erfreuliche Zwischenergebnisse einer klinischen Studie zur Bekämpfung von Haarausfall berichtet hat. Mit dem Fonds lassen sich erfolgreich die wachstumsstärksten Segmente des Healthcare-Sektors abbilden. Dafür nutzen wir ihn auch in unserem Fondsmusterdepot.
Healthcare-Urgestein
Der AB International Health Care Portfolio (WKN: A0JMHJ; mit -1,1% auf Sicht von drei Jahren und damit leicht besser als die Peergroup) ist ein Klassiker unter den Gesundheitsfonds mit milliardenschwerem Volumen und einem Track Record seit 1983. Einen Blick in das Innenleben erhalten Sie auf S. 26.
Zuverlässige Outperformance
Das Portfolio des Polar Capital Healthcare Opportunities Fund (WKN: A0M8VD; 18,9% in drei Jahren und damit deutlich mehr als die Wettbewerber) wird vom Biochemiker Gareth Powell mittels eines antizyklischen, fundamental orientierten Investmentansatzes gesteuert. Der 2007 aufgelegte Fonds hat auf unterschiedlichen Zeitebenen zuverlässig Alpha generiert. Ein Schwerpunkt des mit 30 bis 45 Titeln konzentrierten Portfolios liegt mit zusammen 74,4% auf den Segmenten Biotechnologie und Pharma. Bei der Aktienauswahl stehen u.a. Innovationen, neue Produktzyklen und das Wachstum des Sektors in den Schwellenländern besonders im Fokus. Zu den Top-Holdings zählen aktuell auch Eli Lilly, das Biopharmaunternehmen argenx und Teva Pharmaceutical Industries.
Orphan-Drugs-ETF
Der L&G Pharma Breakthrough ETF (WKN: A2H9XR) lieferte auf Sicht der vergangenen drei Jahre mit +8,4% eine deutlich bessere Performance als die Peergroup. Die Benchmark, die der ETF abbildet, ist der Solactive Pharma Breakthrough Value Index Net TR USD. Der Index konzentriert sich auf das Orphan-Drugs-Segment im Healthcare-Sektor, also Unternehmen, die Mittel zur Prävention, Diagnose und Behandlung von seltenen Erkrankungen zur Verfügung stellen. Entsprechende Anbieter können häufig spezielle Fördermöglichkeiten nutzen; zudem winken bei Orphan Drugs hohe Margen. Zu den Top Ten zählt Travere Therapeutics aus den USA, das kürzlich von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für ein Medikament gegen seltene Nierenerkrankungen bekommen hat.
Science and Business
Der Janus Henderson Global Life Sciences Fund (WKN: 935592; +12,9% in drei Jahren und damit mehr als die Vergleichsgruppe) investiert grundsätzlich in Unternehmen aller Marktkapitalisierungen. Aufgrund des Milliardenvolumens des Fonds sind allerdings die großen Player des Sektors wie Eli Lilly und Johnson & Johnson prominent vertreten. Das von den Biochemikern Andy Acker und Daniel Lyons gesteuerte Portfolio deckt alle Teilsektoren wie Pharma, Biotechnologie, Gesundheitsdienstleistungen und Medizinprodukte ab. Die Aktienselektion basiert auf einer Kombination aus wissenschaftlichen (u.a. Adressierung ungelöster medizinischer Probleme) und wirtschaftlichen Kriterien (Markteintrittsbarrieren für die Konkurrenz, Preissetzungsmacht etc.).
Gesundheitskosten im Blick
Dr. Nathalie Flury und Dr. Michael Schröter steuern den HSBC GIF Global Equity Sustainable Healthcare (WKN: A3CPSS; +9,9% in drei Jahren und damit mehr als die Wettbewerber). Ein Schwerpunkt des Fonds liegt auf Unternehmen, die das Gesundheitssystem finanziell entlasten. Diese Entlastung kann sich beispielsweise auf eine Reduzierung der Behandlungskosten durch Generika beziehen, aber auch auf Effizienzsteigerung durch schnellere Diagnostik und Prozessoptimierung durch Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Strategie verfolgt einen Multi-Cap-Ansatz, das High-Conviction-Portfolio ist mit 35 bis 50 (aktuell: 37) Titeln vergleichsweise konzentriert. Aktuell zählen AstraZeneca, Teva Pharmaceutical Industries und der US-Pharmagroßhändler Cencora zu den Schwergewichten. Auf Abstand gehen die Fondsmanager zu Unternehmen, die in erster Linie von Preiserhöhungen für ihre Produkte profitieren, da dieser Ansatz durch notwendige Sparzwänge zunehmend auf Widerstand in der Politik stößt. Gegenüber dem MSCI World Health Care ist der Fonds in den Subsektoren Biotechnologie (35,5% vs. 16,0%) deutlich übergewichtet bzw. im Pharmasegment mit 25,9% vs. 47,4% deutlich untergewichtet.
Attraktive Bewertung
Der von Stefan Blum und Marcel Fritsch gesteuerte Bellevue Medtech & Services (WKN: A0RP27) beschränkt sich bewusst auf einen eigentlich vergleichsweise defensiven Subsektor im Gesundheitssegment, der mittlerweile attraktiv bewertet ist. Auf Sicht von drei Jahren liegt der Fonds mit -13,9% hinter der Peergroup. Einen detaillierten Einblick in das Medtech- und Services-Segment und die Gründe dafür, dass der Subsektor nach der COVID-Krise gelitten hat, lesen Sie im Interview mit Marcel Fritsch von Bellevue Asset Management auf S. 28.



