Die neue Staatswirtschaft

Titelbild: grok.com

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Vom diskreten Wagniskapital zur offenen Staatsbeteiligung

Trump greift zu

Wie aktuell das Thema Staatseinfluss ist, ließ sich vergangene Woche an der Kurstafel ablesen: Auf einen Bericht des Wall Street Journal, wonach die Trump-Regierung Kredite und direkte Beteiligungen an heimischen Drohnenherstellern erwägt, sprangen die einschlägigen Werte nach oben. Unusual Machines (WKN: A40A5D) schoss zum Handelsschluss um rund +57%, Red Cat (WKN: A2PPXB) um gut +32%, Ondas (WKN: A2QLNR) um knapp +23% – und mit ihnen die gesamte Branche, gut ablesbar an den Drohnen-Themen-ETFs. Hintergrund ist das Pentagon-Programm „Drone Dominance“, das mit rund 1,1 Mrd. USD bis Ende 2027 etwa 300.000 günstige Drohnen beschaffen und die Abhängigkeit von chinesischen Komponenten kappen soll. In die Gespräche eingebunden ist auch das noch unter Biden geschaffene Office of Strategic Capital, eine Kreditinstitution für sicherheitsrelevante Lieferketten.

Bemerkenswert ist dabei weniger das staatliche Interesse als die neue Offenheit. Wie wir im kommenden Substanz Investor 7/2026 am Beispiel des Mythos der „Garagenfirmen“ nachweisen werden, engagierte sich Washington schon sehr viel früher, aber deutlich diskreter in Geschäftsfeldern, welche der Staat als relevant angesehen hatte. Damals lief es über In-Q-Tel, den 1999 unter CIA-Direktor George Tenet gegründeten Wagniskapital-Arm des Geheimdienstes, dessen Name auf den Technik-Tüftler „Q“ aus den James-Bond-Filmen anspielt. Über 800 junge Firmen hat der Fonds seither in der Frühphase mitfinanziert, darunter Palantir (WKN: A2QA4J) und das Kartenstartup Keyhole, aus dem später Google Earth wurde. Das geschah meist über stimmrechtslose Minderheitsanteile, fernab der Schlagzeilen. Jetzt greift der Staat ohne Umweg bei börsennotierten Gesellschaften zu. Pikant: Bei Unusual Machines sitzt mit Donald Trump Jr. der Sohn des US-Präsidenten als Berater und Anteilseigner mit am Tisch – ein Detail, das zwar ein „G’schmäckle“ hat, aber die Kursfantasie zusätzlich befeuert haben dürfte.

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Der unsichtbare “Notenbanker”

Nachdem Peking zu Jahresbeginn noch billiges Öl aus Russland und dem Iran gehortet hatte, sind Chinas Rohölimporte im April um rund 20% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Die seewärtigen Mengen fielen auf etwa 8 Mio. Barrel pro Tag und damit auf den niedrigsten Stand seit 2022. Der Markt liest das als nachlassende Nachfrage und preist Öl entsprechend defensiv. Tatsächlich fällt mit dem Iran aber einer der wichtigsten Lieferanten der Chinesen aus, seit die Straße von Hormus weitgehend gesperrt ist. Peking entnimmt seit Anfang Mai täglich rund 1 Mio. Barrel aus den eigenen Lagern, statt am angespannten Weltmarkt aufzutreten. Die strategische Reserve von geschätzt 1,2 Mrd. Barrel deckt etwa 109 Importtage. Das ist bzw. war ein leidlich komfortables Polster, aber eben eines mit Verfallsdatum. Solange dieser „unsichtbare Notenbanker“ des Ölmarkts die physische Knappheit aus eigenen Tanks kaschiert, bleibt der Preis verdächtig ruhig. So notiert die Sorte Brent um 90 USD, obwohl die IEA mit mehr als 400 Mio. Barrel bereits die größte Notfallfreigabe ihrer Geschichte nachschiebt, was alles andere als Normalität signalisiert.

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Schlaraffenland-Modus

An dem Tag, an dem die Tanks zur Neige gehen oder der Markt begreift, dass hier kein Nachfrage-, sondern ein Lager-/Angebotsthema vorliegt, dürfte die Neubewertung wenig Vorwarnzeit lassen. Noch behandeln die Börsen Hormus und die stockende Ölversorgung, insbesondere Asiens und Europas, nicht als die Tretmine, die es ist. Dazu kommen die schnell und immer absurder in die Höhe schießenden Notierungen weniger ausgewählter Aktiensegmente wie der eingangs erwähnten Drohnenunternehmen und schon seit längerer Zeit des KI- und Halbleiter-Segments. Hier werden inzwischen Versionen der Zukunft eingepreist, die sich nicht nur weit von der Realität entfernt haben, sondern auch solche, deren reibungslose Realisierung man sich kaum vorstellen kann. Ein Nadelstich dürfte genügen, damit hier massiv Luft abgelassen wird.   

Den Großen über die Schulter geschaut

Einmal pro Quartal lüften die großen US-Vermögensverwalter mit mindestens 100 Mio. USD verwaltetem Vermögen via Formular 13F vor der mächtigen Börsenaufsicht SEC ihre Long-Positionen in US-Aktien. Das gibt eine gute Orientierung, wie die Größen der Branche mit der aktuellen Situation umgehen. Allerdings gibt es eine wesentliche Einschränkung: Die Daten sind bei Veröffentlichung schon bis zu 45 Tage alt, bis zur nächsten Meldung wächst der Rückstand auf rund viereinhalb Monate. Gezeigt wird zudem nur die Veränderung der Long-Positionen. Leerverkäufe, Anleihen und Auslandsbesitz bleiben außen vor. Trotzdem ist es allemal interessant, von den bekannten Namen der Branche einen relativ zeitnahen Blick in deren Strategien zu erhalten. David Tepper (Appaloosa Management), bekannt für sein feines Gespür, hat Amazon mit gut 15% zur größten Position gemacht und die Beteiligung nahezu verdoppelt, flankiert von Micron, Taiwan Semiconductor und einem frischen Einstieg bei SanDisk. Nvidia hatte er dagegen schon im Vorquartal um über 10% gestutzt und diesmal traf es auf der Verkaufsseite vor allem Alibaba, Meta und Microsoft. Teppers KI-Enthusiasmus kennt also Grenzen. Noch auffälliger ist Seth Klarman (Baupost Group): Der notorisch wertorientierte und risikoaverse Investor führt sein rund 5 Mrd. USD schweres Depot aus nur 22 Titeln inzwischen ebenfalls mit Amazon an. Für einen Mann, der die Margin of Safety predigt, ein bemerkenswerter Bruch mit den eigenen Traditionen.

Ein Sonderfall in diesen Listen ist die Schweizerische Nationalbank (SNB). Mit einem US-Aktienportfolio von knapp 170 Mrd. USD per 31.3. zählt sie zu den größten Aktionären des Silicon Valley, angeführt von Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon und Meta; die zehn schwersten Werte machen allein knapp 34% des Bestands aus. Nur ist die SNB kein schlaues Geld im eigentlichen Sinn. Sie stockt ihre Positionen quartalsweise pauschal und indexnah auf, ohne Renditeziel, weil das Aktienpaket bloß Nebenprodukt ihrer Geldpolitik ist: Wer den Franken künstlich schwächt, muss die verkauften Franken in Fremdwährung anlegen, und ein Teil davon landet eben in US-Tech. Eine Notenbank, die Geld druckt, um die eigene Währung zu drücken, und so nebenbei zum Tech-Wal wird – als Vorbild taugt sie höchstens jenen, die selbst Gelddruckmaschinen betreibt, etwa der EZB.

Der Sonderfall

Berkshire Hathaway ist der prominenteste 13F-Melder überhaupt – das Buffett-Depot war jahrzehntelang das meistkopierte Dokument der Wall Street. Und ausgerechnet jetzt liefert es einen starken Aufhänger, der zugleich die Schwäche des Instruments illustriert. Die Q1/2026-Meldung (Stichtag 31.3., eingereicht 15.5.) ist die erste unter dem neuen CEO Greg Abel, der zum 1.1.2026 von Warren Buffett übernommen hat (Buffett bleibt Chairman). Abel hat das Depot in einem Quartal radikal umgebaut, von 40 auf rund 26 Positionen: Apple bleibt mit rund 22% (228 Mio. Aktien) die größte Position und wurde diesmal nicht abgebaut, ein Bruch mit dem fast zweijährigen Verkaufstrend. Dahinter American Express (ca. 17%) und Coca-Cola (ca. 12%). Alphabet mehr als verdreifacht (Zuwachs: +224%), inzwischen ein Top5-Wert. Das ist bemerkenswert, weil Buffett Big Tech sechs Jahrzehnte gemieden hatte. Abel zieht seinen „Circle of Competence“ sichtlich weiter. Neu sind Delta Air Lines (ca. 2,65 Mrd. USD), dazu die mehr als verdreifachte New York Times, Lennar und eine Mini-Position Macy’s. Komplett bzw. fast komplett raus sind 16 Werte, u.a. Visa, Mastercard, Amazon, UnitedHealth, Domino’s, Aon, Charter. Stark gestutzt wurden Chevron, Bank of America, Constellation Brands (-95%). Der eigentliche Knaller: der Rekord-Cashberg beträgt nun rund 397 Mrd. USD und ist gegenüber dem Vorquartal noch einmal um +6,5% gewachsen. Gerade Berkshire, das Heiligtum der 13F-Nachahmer, zeigt, warum blindes Kopieren tückisch ist. Wer Abels neue Alphabet-Wette aus der Mai-Meldung nachkaufte, lag schon 38% hinter dem Einstand der Berkshire-Leute zurück. Schlaues Geld zu spiegeln heißt eben nicht zwangsläufig, auch zu schlauen Kursen einzusteigen.

Zu den Märkten

Der Bitcoin ist in dieser Woche unter die psychologisch wichtigen Marken von 70.000 und 65.000 USD abgetaucht. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe steht er bei knapp 67.000 USD. Gegenüber dem Oktoberhoch von knapp 126.000 USD ist das nahezu eine Halbierung. Den letzten Schub für die Baisse brachte ausgerechnet der Bitcoin-Vault Strategy* (WKN: 722713): Michael Saylors Gesellschaft verkaufte zwischen dem 26. und 31.5. erstmals seit knapp vier Jahren Bitcoin. Es handelte sich um ganze 32 Stück, gerade einmal 0,0038% des Bestands von 843.706 BTC, und der alleinige Grund bestand in der Bedienung der Dividende der STRC-Vorzugsaktie. Doch der Markt sah in dieser ökonomischen Lappalie einen symbolischen Donnerschlag: Der Mann, der „never sell“ zum Glaubenssatz erhob, hat verkauft. Saylor beeilte sich zwar zu versichern, künftig je verkauftem Coin das Zehn- bis Zwanzigfache nachzukaufen, doch die Aktie gab am Montag rund 5% nach. Das Kursgeschehen bestätig unsere These, dass Strategy von der Dampflock des Kryptomarktes inzwischen zu dessen Damoklesschwert geworden ist.

Veranstaltungshinweis

Alles spricht über die Probleme mit der Einwanderung, dabei wandern die Klugen längst aus. Der persönliche DEXIT wird inzwischen zigtausendfach in jedem Jahr praktiziert. Doch mit der Grundsatzentscheidung fangen die Probleme an: Wohin? Wie? Was ist zu beachten? Auf diese Fragen geben Christoph Heuermann und das Team von staatenlos.ch auf der “DEXIT – Die Auswanderer Konferenz 2026” kompetente Antwort. Merken Sie sich also schon jetzt den Zeitraum vom 7. bis 9. August vor und kommen Sie nach München ins Smartvillage Bogenhausen. Beachten Sie bitte hierzu auch die Anzeige im aktuellen Substanz Investor 6/2026 auf Seite 11. Weitere Informationen gibt es auf der Website von Staatenlos.

Musterdepots & wikifolio

In unserer Rubrik Musterdepots & wikifolio geht es diesmal um die auffälligsten Bewegungen der Berichtswoche und einige Verkäufe. Unsere große Monatsübersicht für den Mai inklusive des Tabellenteils finden Sie In der Ausgabe vom 27.5.2026. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.

Fazit

Wer in einer Welt zwischen Geopolitik und brachialer Innovation investiert, muss deren Logik erkennen. Alte Lehrbücher helfen da nur bedingt weiter.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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