Inside: Value – Totgesagte leben länger

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Fondsmanager auf der Suche nach Werthaltigkeit

Oberflächlich betrachtet spielt die Investmentmusik aktuell auf der KI-Party und bei den zugehörigen Tech-Titeln, die eher dem Growth-Segment zuzuordnen sind. In Phasen mit Value-Gegenwind taucht immer wieder die Frage auf, ob werthaltiges Investieren noch zeitgemäß ist oder man sich nicht doch besser der Momentum-Bubble anschließt. Dabei können Value-Investoren trotz Hyperscaler-Hype durchaus zufrieden sein. Avi Lavi, CIO für Value-Aktien bei AllianceBernstein, hat vor Kurzem darauf aufmerksam gemacht, dass der MSCI World Value seit Anfang 2025 bis Ende Mai 2026 mit einer Sharpe-Ratio von 2,3 solide risikobereinigte Renditen aufweist. Damit übertraf die Value-Benchmark den breiter gefassten MSCI World mit einer Sharpe-Ratio von 1,4 bei geringerer Volatilität.

Europäische Value-Titel
Der BNP Paribas Easy Value Europe ETF (WKN: A2AL32; +64,2% in drei Jahren und damit deutlich mehr als die Vergleichsgruppe) bildet den BNP Paribas Value Europe Index mit gut 70 Titeln ab. Zur Identifizierung des Value-Charakters werden vier Fundamentalkriterien genutzt, z.B. das Verhältnis von EBITDA zum Unternehmenswert oder die Relation des Free Cashflow zur Marktkapitalisierung. Sektoral besteht mit 27,1% ein Schwerpunkt bei Finanztiteln, gefolgt von Industriewerten mit 17,4%. Aktuell enthält der ETF u.a. die Aktien des Maschinenbauers KION und der Mercedes-Benz Group.

Der Brandes European Value Fund (WKN: 260189; +75,5% und damit mehr als die Wettbewerber) wird von einem fünfköpfigen Team über einen Bottom-up-Ansatz mit einem Deep-Value-Fokus gemanagt. Die Sicherheitsmarge spielt beim Kauf und der Gewichtung eine entscheidende Rolle. Mit Blick auf klassische Value-Kennziffern wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist das Portfolio mit einer Bewertung von 1,4 deutlich attraktiver als der breite europäische Markt (MSCI Europe; 2,5). Zu den Top-Holdings zählen u.a. Sanofi und die Swatch Group. Seit Auflegung im Februar 2003 schaffte der Fonds eine Rendite von 8,8% p.a. vs. 8,5% p.a. (MSCI Europe).

Gegen den Strom
Zum 1.4.2026 hat Jan David Meyer von Peter E. Huber beim TT Contrarian Global (WKN: A3CRQ6; +83,1% in drei Jahren und damit mehr als die Peergroup) das Ruder übernommen. Co-Fondsmanager Norbert Keimling ist für das quantitative Research verantwortlich. Der Fonds aus dem Hause Taunus Trust meidet Sektoren oder Regionen, die fundamental teuer bewertet sind und in die ETF-Anleger über Standardindizes verstärkt investiert sind. Konsequenterweise sind daher die USA im Unterschied zum MSCI World vergleichsweise gering im Fonds (17,2%) vertreten. So ergibt sich ein Portfolio mit einem KGV von 11,8 und damit einem deutlichen Abschlag zum Weltaktienindex (KGV: 23,6). Zu den am stärksten gewichteten Aktien zählen u.a. SK Hynix und Barrick Mining.

David Iben, der den Kopernik Global All-Cap Equity Fund (WKN: A1XEJ0; +88,7% in drei Jahren und damit mehr als die Wettbewerber) verantwortet, ist ebenfalls ein überzeugter Contrarian. Kopernik bzw. Kopernikus, der sich gegen den wissenschaftlichen Mainstream seiner Zeit gestellt hat, dient als Namenspatron. Iben kann mit großer Freiheit in Unternehmen unterschiedlicher Marktkapitalisierung aus entwickelten Volkswirtschaften bis hin zu Frontier Markets investieren. Ein Investmentfokus liegt aktuell auf dem Materials-Sektor mit 29,1% vs. 3,6% beim zum Vergleichszweck genutzten MSCI ACWI NR USD. An der Spitze der Gewichtung stehen Rohstoffunternehmen wie Valterra Platinum und Seabridge Gold. Iben achtet strikt darauf, dass Risiken bezahlt werden. Je höher das Risiko ausfällt, umso höher muss der Abschlag zum inneren Wert sein. Seit 30.4. befindet sich der Fonds im Soft Close.

Deutsches Value-Urgestein
Zum 1.7. hat Dr. Hendrik Leber administrative Aufgaben bei ACATIS abgegeben. Damit bietet sich für ihn die Gelegenheit, seine Arbeitszeit komplett dem Management seiner Fonds zu widmen. Dazu zählt auch der bereits 1997 aufgelegte ACATIS Aktien Global (WKN: 978174; +50,9% in drei Jahren und damit mehr als die Vergleichsgruppe). Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der Value-Ansatz weiterentwickelt. Dem hat Leber Rechnung getragen und eine Value-Strategie „Buffett 2.0“ mit einem Fokus u.a. auf die künftige Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle und dem Schutz vor disruptiven Entwicklungen konzipieren. Bei starken Margen, stabilen Wachstumsraten und hoher Innovationskraft fallen auch Tech-Giganten unter diesen innovativen Value-Begriff. Titel wie Taiwan Semiconductor und Alphabet stehen daher an der Spitze der Top Ten.

Die Suche nach jungen Elefanten
Matthias Riechert setzt im P&R Real Value (WKN: A1J8CF; +73,2% in drei Jahren und damit mehr als die Peergroup) auf ein hoch konzentriertes Portfolio mit zehn bis 20 Titeln, was durch eine spezielle Fondsstruktur (AIF) möglich ist. Für das Portfolio werden Unternehmen im Nebenwertesegment (laut P&R „junge Elefanten“) gesucht, die ein langfristiges Wachstum bieten können. Im Fokus stehen dabei die zukünftige Cashflow-Entwicklung und die Managementqualität. Eine Spezialität des Fonds sind Serienakquisiteure, also Unternehmen, die systematisch durch geeignete Zukäufe kleinerer Unternehmen Wachstum erzeugen. Zu den größten Positionen (Stand Ende März 2026) gehören die Serienakquisiteure Next Generation Technology und Software Circle.

Untergewichtete IT
Im Pzena Emerging Markets Focused Value Strategy (WKN: A3DGM5; +58,2% und damit weniger als die Vergleichsgruppe) ist das IT-Segment im Vergleich zum MSCI Emerging Market Index deutlich geringer gewichtet (12,6% vs. 45,3%). Statt in Chipunternehmen, die den Index dominieren, investiert das vierköpfige Anlageteam schwerpunktmäßig u.a. in den lateinamerikanischen Getränkehersteller Ambev sowie den chinesischen Textil- und Bekleidungshersteller Shenzhou International Group. In der jüngeren Vergangenheit hat das Performance gekostet – es könnte sich aber aus antizyklischen Gesichtspunkten in der Zukunft bezahlt machen.

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