Interview: „Wir machen unsere geologischen Hausaufgaben“

Dr. Joachim Berlenbach

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Substanz Investor im Gespräch mit Dr. Joachim Berlenbach, Earth Resource Investments, über Rohstoffknappheit und die Vorteile von Geologen bei Mineninvestments

Substanz Investor: Herr Dr. Berlenbach, was sind aus Ihrer Perspektive strukturelle Treiber der Rohstoffknappheit?
Dr. Joachim Berlenbach: Langfristig betrachtet ist die Ursache ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Kurzfristig spielt bei Rohstoffpreisen natürlich auch Spekulation eine Rolle. Aktuell ist das beim Öl zu beobachten: Bei Nachrichten über eine Entspannung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran werden Short-Positionen aufgebaut. Unser Geschäft ist allerdings nicht die Spekulation, wir agieren nach fundamentalen Kriterien. Dabei ist die Kernfrage, wie viel Rohstoffe künftig benötigt werden und wie viele produziert werden kann. Der große Treiber ist das Wirtschaftswachstum. Länder wie China, aber auch bevölkerungsreiche südamerikanische Länder wollen wachsen – und das geht eben nicht ohne Energie. Man sieht eine positive Korrelation zwischen Bruttoinlandsprodukt und Energienachfrage. Daher steigt die Nachfrage u.a. bei Energierohstoffen. Vor dem Hintergrund des hohen Bedarfs ist davon auszugehen, dass Öl weiterhin in erheblichem Umfang verbraucht wird.

SI: Bei welchen Industriemetallen sehen Sie in den kommenden Jahren das attraktivste Chance-Risiko-Verhältnis?
Berlenbach: Dazu zählt in jedem Fall Kupfer. Der Bedarf liegt bei rund 28 Mio. Tonnen. Davon stammen etwa 22 Mio. Tonnen aus der Primärproduktion; der verbleibende Bedarf wird durch Recycling gedeckt. In den kommenden 30 Jahren wird sich die Nachfrage nach Kupfer unseres Erachtens verdoppeln. Wenn wir uns das Thema Energiewende anschauen, muss man sich vergegenwärtigen, dass ca. 30 Tonnen Kupfer für eine große Offshore-Windturbine benötigt werden. Was die Angebotsseite betrifft, sind in den letzten Jahren die Kupfergehalte deutlich gefallen. Wir sehen uns mittlerweile Lagerstätten an, die 0,3% bis 0,4% Kupfergehalt aufweisen. Ein weiteres wichtiges Industriemetall bleibt aufgrund seiner Leitfähigkeit Silber – bei Solarzellen kommt man nicht am kleinen Bruder des Goldes vorbei. Aktuell werden gut 800 Mio. Unzen Silber im Jahr produziert, ein Viertel davon geht in die Photovoltaik. Zinkminen, die wir für aussichtsreich halten, sind ebenfalls Teil des Portfolios. Es ist offensichtlich, dass Rohstoffe eine zentrale Voraussetzung für Energiewende und nachhaltige Technologien sind.

SI: Welches sind Ihre wichtigsten Kriterien bei der wertorientierten Auswahl von Minenaktien?
Berlenbach: Was die Kennzahlen betrifft, sind wir sehr auf den Free Cashflow fokussiert. Für jedes Unternehmen wird eine Discounted-Cashflow-Analyse erstellt. Das Verhältnis des Net-Asset-Value je Aktie zum aktuellen Aktienkurs ist ebenfalls interessant. Für uns ist es aber vor allem wichtig, rauszugehen und Lagerstätten zu erkunden, die der Markt möglicherweise noch nicht wahrnimmt. So können wir Alpha generieren. Was uns überhaupt nicht interessiert, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, weil das Kurs-Gewinn-Verhältnis den künftigen Investitionsbedarf und die tatsächlichen Kapitalausgaben nur unzureichend abbildet. Wenn im kommenden Jahr hohe Kapitalausgaben anstehen, gibt es ein Problem, weil die Unternehmen eventuell mehr ausgeben müssen, als sie verdienen. Bei der Bewertung wollen wir mindestens ein Kurspotenzial von 30% sehen.

SI: Können Sie Beispiele von Unternehmen aus Ihren Portfolios nennen, die Sie besonders interessant finden?
Berlenbach: In dem Zusammenhang ist das kanadische Bergbauunternehmen K92 Mining zu nennen, das die Kainantu-Mine mit Kupfer- und Goldvorkommen in Papua-Neuguinea betreibt. Aus unserer Sicht ist das Unternehmen mit Blick auf das Explorationspotenzial der Lagerstätten noch immer unterbewertet. Ein weiteres Beispiel ist Dundee Precious Metals mit der Chelopech-Gold-Kupfer-Mine in Bulgarien. Mit geologischer Expertise konnte man prognostizieren, dass der Markt das Potenzial der Mine unterschätzt. Im Öl- und Gassektor ist Meren Energy interessant. Hier sind wir seit Dezember 2025 investiert und konnten seither einen ordentlichen Kursanstieg verbuchen. Natürlich kommen auch Investments vor, die nicht unseren Erwartungen entsprechen, weil beispielsweise in Afrika oder Südamerika politische Risiken auftauchen, die wir nicht voraussehen können.

SI: Sie sind erfahrener Geologe. Welche geologischen Aspekte, die ein reiner Finanzanalyst am Schreibtisch vielleicht übersieht, sind für Sie wichtig?
Berlenbach: Durch die detaillierten Kenntnisse geologischer Strukturen können wir äquivalente Lagerstätten identifizieren. Die Folge ist, dass wir uns durch diese Erkenntnisse vergleichsweise früh positionieren können. Das ist kein Insiderwissen, aber wir machen eben unsere geologischen Hausaufgaben vor Ort. Finanzanalysten blicken vorrangig in den Rückspiegel. Natürlich können die auch mit den veröffentlichten Daten Discounted-Cashflow-Analysen erstellen, aber es fehlt der entscheidende vorausschauende Blick, den ein guter Lagerstättenexperte hat.

SI: Herr Dr. Berlenbach, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

Dr. Joachim Berlenbach ist Gründer, CEO und Portfoliomanager der Earth Resource Investments AG in Zug. Seit rund 20 Jahren verantwortet er die Anlage- und Unternehmensstrategie des auf Rohstoff- und Energieaktien spezialisierten Assetmanagers. Der promovierte Geologe verfügt über elf Jahre praktische Erfahrung in der südafrikanischen Gold- und Platinindustrie, insbesondere im Bergbau und in der Exploration. Anschließend war er sechs Jahre im Investmentbanking tätig, u.a. als mehrfach ausgezeichneter Goldanalyst für Südafrika und international. Berlenbach verbindet technische Lagerstätten-, Struktur- und Bergbaugeologie mit fundierter Kapitalmarktexpertise. Er war zudem als Dozent für Struktur- und Lagerstättengeologie tätig, etwa an den Universitäten Johannesburg, Durban und Münster sowie an der TU Bergakademie Freiberg.

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