„Zerfall der Weltordnung“

„Zerfall der Weltordnung: Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des globalen Südens“ von Patrick Kaczmarczyk; Westend Verlag; 224 Seiten; 24,00 EUR

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Buchbesprechung

In seinem neuesten Werk stellt Wirtschaftswissenschaftler Kaczmarczyk seine Leser vor vollendete Tatsachen – die globale Ordnung steht vor einem historischen Bruch, der kaum mehr aufzuhalten ist. Die globalen Kräfteverhältnisse verschieben sich immer mehr zugunsten der Länder des Globalen Südens, die Entwicklung in Richtung multipolarer Welt nimmt an Fahrt auf und die westliche Monopolstellung, die in Stein gemeißelt schien, zerfällt – wenn auch nicht ohne Gegenwehr. Doch wie kam es überhaupt dazu, und hätte man diesem Zerfall nicht frühzeitig begegnen können?

Kaczmarczyk legt detailliert die bewusste Ignoranz und Überheblichkeit der Industriestaaten dar und macht deutlich, „wie strukturelle Armut, neokoloniale Praktiken und ein von der Kette gelassener Finanzsektor“ die Entwicklung in weiten Teilen der Welt massiv behindern. Dabei wäre eine ehrliche, offene und auf Augenhöhe geführte Zusammenarbeit geboten, will man tatsächlich die Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen in Angriff nehmen, denen sich die reichen Nationen vermeintlich verpflichtet haben. Besonders die Ausführungen zum Kapitel „globale Armut“ sind hervorzuheben, z.B. die wichtige Rolle der Länder China, Indien, Indonesien und Vietnam bei der Armutsbekämpfung: Denn wenn von „globalem Rückgang der Armut“ die Rede ist, spricht man strenggenommen ein rein asiatisches Phänomen an. Würde man nämlich diese vier Länder herausrechnen, wären die Fortschritte gleich null und es wird deutlich, dass der Armutsrückgang „stark regional-konzentriert“ geblieben ist.

Fazit
Der Autor bezeichnet den gegenwärtigen Zustand der Weltordnung als „katastrophal“ und sieht wenig Hoffnung, dass das Ruder von Politik und Gesellschaft noch herumgerissen wird. Dementsprechend kurz skizziert er am Ende des Buches Lösungsvorschläge und Prinzipien, von deren Umsetzung „wir aber so weit weg sind, dass es müßig wäre, sich jetzt über Details zu streiten“. Echte Hoffnung liest sich irgendwie anders.

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