Buchbesprechung
Es gibt kaum ein Thema, das die Gemüter so sehr erregt wie die Zentralbanken und ihr Gold. Der Ökonom Dr. Carsten Priebe hat ein Buch darüber geschrieben. Er entdeckte bei seinen Recherchen „fehlende Transparenz“ als „systemimmanentes Merkmal“: „Wo Gold ist, ist Macht – und wo Macht ist, bleibt vieles im Dunkeln.“
Das Buch folgt über zwei Jahrhunderte der Spur des Zentralbankgoldes – vom ersten formellen Goldstandard, bei dem die Währungseinheit an den Wert der im Umlauf befindlichen Goldmünzen gekoppelt war, bis zur Spätphase des durch nichts gedeckten Fiatgeldes heute. Die Jahre 1821 bis 1914 gelten als die Blütezeit des Goldstandards. Warum das so war, wird in dem Buch leider nicht erläutert. Goldgedeckte Währungen erfordern fiskalische Disziplin. Sie waren deshalb im 20. Jahrhundert, in dem eine Vielzahl blutiger Kriege zu finanzieren waren, eine bestenfalls temporäre Erscheinung.
Der Abstieg der USA seit Mitte der 1960er Jahre führte zu wachsenden Defiziten bei der amerikanischen Zahlungs- und Handelsbilanz und infolgedessen zu immer abenteuerlichen Tricksereien der Notenbanken bezüglich des Goldes – bis in den 1980er Jahren die systematische Goldpreisdrückung über die an der New Yorker Futuresbörse gehandelten Derivate und die wundersame Vermehrung des „nicht zugeteilten“ Goldes an der London Bullion Market Association (LBMA) begann. Diese Kapitel im Buch sind durchaus vergnüglich zu lesen. Es wird – zu Recht – sogar die Frage aufgeworfen, ob das in New York verwahrte Gold der Deutschen Bundesbank tatsächlich vorhanden ist oder nur aus einem Anspruch auf Gold besteht. Was leider fehlt, sind die Bemühungen von China, Russland und den BRICS-Staaten, Gold zu remonetarisieren, damit es tatsächlich zu einer Alternative zum US-Dollar wird. Dann würde sich der Kreis schließen: „Wo Gold ist, ist Macht.“
Die Inhalte werden mit wissenschaftlicher Genauigkeit präsentiert, es gibt einen Index und ein ausführliches Quellenverzeichnis. Vom hohen Preis abgesehen ein gutes Buch.



