Kolumne: Zurück in die Zukunft – Teil II

Dirk Stöwer

ARTIKEL TEILEN

Facebook
Twitter
LinkedIn
Email

Gastbeitrag von Dirk Stöwer, Kontor Stöwer Asset Management

Die Copy-Paste-Energiekrise
In SI 10/2022 wurden in der Kolumne „Zurück in die Zukunft“ die augenscheinlichen Parallelen zwischen dem Ukrainekrieg und den 1970er Jahren thematisiert. Damals erschütterten zunächst das Jom-Kippur-Wochenende, später dann die Revolution im Iran, die Volkswirtschaften weltweit bis ins Mark. Eine toxische Mischung aus geopolitischer Instabilität im Nahen Osten, explodierenden Rohstoffpreisen und einer galoppierenden Inflation beendete damals das Zeitalter des Nachkriegswachstums. Heute, fünf Jahrzehnte später, schließt sich der Kreis durch eine Duplizität der Ereignisse nach dem zweiten Schwarzen Ölschwan. Dabei werden lange Zeit vernachlässigte Triebkräfte hinter dieser Entwicklung wieder diskutiert, insbesondere der merkliche Einfluss des christlichen Fundamentalismus auf die US-Außenpolitik.

Der eschatologische Risikofaktor
Religiöser Eifer ist in den USA keine Randerscheinung, sondern das dogmatische Rückgrat, aus dem Imperien traditionell ihre Legitimation ableiten. Wenn jedoch eine biblisch induzierte Vorgehensweise als Notwendigkeit verstanden wird, gehen die Errungenschaften der Moderne rasch wieder verloren – Demokratie und Rechtstaatlichkeit drohen, wie im alten Rom, in den Hintergrund zu treten. Dies verändert die Risikomatrix für globale Portfolios dramatisch, da der diplomatische Spielraum massiv verengt wird. Das Szenario einer dauerhaften Fragilität der Welt ist somit kein „Tail Risk“ mehr, sondern vermutlich das Basisszenario.

Postmoderne Assetallokation hat sich bewährt

In dem postmodernen Umfeld, das von derartigen Spannungen, politischen Wirren – wie der „babylonischen Geschlechterverwirrung“ – und Handelskriegen geprägt ist, sind erfahrene Multi-Asset-Manager mit ihrem umfangreichen Instrumentenkasten gefragt. Eine auf die aktuellen Fehlentwicklungen ausgerichtete Diversifikationsstrategie hat sich bewährt und bietet sich weiterhin an:

1. Commodities als strukturelle Versicherung: Öl, Rohstoffe, Edelmetalle und dazugehörige Aktien.
2. Die „richtigen“ Anleihen: Kurzläufer und Floater hoher bis sehr hoher Qualität.
3. Resilienz neu denken: Vermeintliche „Burggräben“ müssen in Zeiten von Konsumkrisen und der disruptiven Macht der KI penibel hinterfragt werden. Digitale Plattformen dürften weiterhin zu den Gewinnern gehören, da ihre hohen Cashflows Zukunftsinvestitionen ermöglichen, die für die breite Masse der Unternehmen untragbar sind.
4. Nach Übertreibungen Ausschau halten: Sobald Märkte in eine Angststarre verfallen, sind attraktive Einstiegschancen meist nicht fern.

Fazit
Wir befinden uns in einer Ära, in der tektonische Fliehkräfte wirken und die Weltordnung in Bewegung ist. Die dramatischen Kursverluste von Anleihenportfolios Ende der 1970er Jahre lehren uns, dass in Zeiten heftiger geopolitischer Spannungen aktives Management der Schlüssel für den Kapitalerhalt ist.

Gleichzeitig sollten Übertreibungen in beide Richtungen nicht aus dem Blick verloren werden. So bildeten jüngst etwa Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin bereits vor Beginn des Irankriegs sogenannte Fahnenstangen aus, die gewöhnlich wieder abverkauft werden und den Nachzüglern bislang spürbare Verluste bescherten. Weitblick statt Hektik bleibt somit weiterhin das Motto.

Dirk Stöwer ist zusammen mit Martin Beckmann Geschäftsführer der Kontor Stöwer Asset Management (KSAM) in Trier. Beide verantworten den KSAM Einkommen Aktiv Fonds (WKN: A113US), den KSAM-Value² Fonds (WKN: A2QAX5), den KSAM REBO Flex Fonds (WKN: A3DV7N) und seit 01.02.2024 auch den Scandinavian ValueBuilder (WKN: A2N66Y). Die erfolgreichen Value-Investoren betreuen bundesweit vermögende Privatkunden und institutionelle Anleger. KSAM ist zudem Veranstalter der Fondskongresse in Stuttgart und Trier.

UNSERE EMPFEHLUNGEN