Buchbesprechung: „Wolfgang Grupp“

„Wolfgang Grupp: Die autorisierte Biografie“ von Volker ter Haseborg; Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag; 256 Seiten; 30,00 EUR

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Biografien müssen sich mit drei kritischen Eckpfeilern herumschlagen – erstens sollte das Leben und Wirken der Hauptperson überhaupt der Rede wert sein, zweitens sollte die literarische Ausarbeitung Freude beim Lesen vermitteln und drittens … sollte es nicht in Hofberichterstattung und sakrosankter Verklärung des biografierten Subjekts münden.

Bei der Lebensbeschreibung des Textilunternehmers Wolfgang Grupp, dem es gelungen ist, die Mechanische Trikotwarenfabrik Gebr. Mayer (TRIGEMA) aus dem schwäbischen Burladingen bis in die Neuzeit zu retten, trifft dies in bemerkenswerter Weise zu. Ein ganzes Jahr lang begleitete Autor Volker ter Haseborg den Firmenchef und seine Familie, wurde Zeuge von Eigen- und Wesensarten, sprach mit Freunden, Mitarbeitern und Wegbegleitern, aber auch mit Personen, die dem Patriarchen weniger wohlgesonnenen gegenüberstehen. So lässt sich im Laufe der Lektüre das facettenreiche Persönlichkeitsbild des streitbaren, stets gutgekleideten und jovial auftretenden Wolfgang Grupp – dem breiten Publikum entweder durch polternde Auftritte gegen politisch-wirtschaftliche Inkompetenz in Talkshows oder in seinen Werbespots mit dem Trigema-Affen Charly bekannt – auf eine Handvoll prägnanter Charaktereigenschaften eindampfen: akribisch, mit einem Hang zur Sturheit, absolut verbindlich, maximal fordernd sich selbst, aber auch anderen gegenüber und von einem getriebenen Zwang zur Perfektion.

Fazit
Das Eintauchen in die Welt des Wolfgang Grupp ist gleichzeitig eine Zeitreise durch die vergangenen Jahrzehnte deutscher Geschichte, die mit allen Elementen hinsichtlich Aufstieg, Wandel und Fall aufwarten kann. Sollte Ihnen bei Wolfgang Grupp in erster Linie dessen Suizidversuch im Juli 2025 einfallen, dann kaufen Sie erst recht dieses Buch – Sie werden verstehen, warum.

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