Favoritenwechsel oder Sommerloch?
Über einen Mangel an Spannung konnten sich die Börsianer im abgelaufenen Monat nicht beklagen – gleich zwei politische Topereignisse ließen nicht nur ihnen den Atem stocken.
Über einen Mangel an Spannung konnten sich die Börsianer im abgelaufenen Monat nicht beklagen – gleich zwei politische Topereignisse ließen nicht nur ihnen den Atem stocken.
Die Vielzahl wirtschaftlich relevanter Daten hinterließ auch an den Rohstoffmärkten ihre Spuren. Vor allem die guten US-Arbeitsmarktdaten, die sich öffnende Zinsschere zwischen den USA und Europa sowie der Ausgang der Europawahl hoben den Dollar zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Anfang Mai.
Die internationalen Spielregeln für Gold haben sich seit dem Einfrieren der russischen Währungsreserven durch die USA und die EU im Jahr 2022 geändert.
Der seit letztem Dezember amtierende argentinische Staatspräsident Javier Milei besuchte Deutschland, um die Hayek-Medaille 2024 entgegenzunehmen. Die Argentinier mussten Jahrzehnte des Peronismus und eine Militärdiktatur erdulden, bevor sie für radikal marktwirtschaftliche Reformen reif waren.
Der erst kürzlich vermiedene Ausstieg aus den Aktienmärkten steht nun wohl doch zeitnah an. Augenfällig ist das vor allem bei unserem Trendindikator, der jüngst die Entscheidungslinie im freien Fall nach unten durchbrochen hat.
Die Korrektur der europäischen Aktienmärkte im Nachgang der EU-Wahlen hat die Stimmung ordentlich gedämpft. Wir messen einen Pessimismus wie zuletzt im April oder zur Jahreswende 2023/2024. Damals markierte das jeweilige negative Sentiment auch das Ende von Korrektur- bzw. Konsolidierungsphasen.
In keinem der etablierten Aktienindizes war seit den Tiefs der Corona-Panik im März 2020 mehr Geld zu verdienen als im NASDAQ 100. Technologieaktien erfüllten die Erwartungen, die an sie gestellt wurden. Sie waren hochvolatil und hochprofitabel.
Die Zinsstrukturkurve (langfristige abzgl. kurzfristiger Zinsen) bleibt tief im Minusbereich mit -1,29 nach -1,34 im Vormonat. Bis sie die Nulllinie überschreitet, werden vermutlich noch weitere zwölf Monate vergehen, denn die Zentralbanken senken ihre Leitzinsen nicht so schnell wie erwartet.
Wie Politiker, Konzerne und Wissenschaftler sich beim Klimapoker gegenseitig die Bälle zuspielen, untersuchte Axel Bojanowski, WELT-Chefreporter Wissenschaft, in einem eigenen Bestseller („Was sie schon immer übers Klima wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Der Klimawandel zwischen Lobbygruppen und Wissenschaft“).
Am 22.6.2024 erschien der neue argentinische Präsident Javier Milei pünktlich um 15:00 Uhr im Konferenzsaal eines Hamburger Hotels mit Blick auf die Landungsbrücken und den Hafen. Der frenetische Applaus der rund 250 Teilnehmer der Hayek-Tage war ihm gewiss, und auch die stakkatoartigen „Libertad“-Rufe, die das Motto des Argentiniers in einem Wort wiedergeben.