Gewinne locken woanders
Zinsschmelze„So schön wird es ‘nie wiedia’“ vermuteten wir letzten Mittwoch an dieser Stelle und das sollte sich recht schnell bewahrheiten. Nvidia (WKN: 918422) veröffentlichte seinen Quartalsbericht, CEO Jensen Huang hatte einen fulminanten Auftritt. Die Kurse von Nvidia und vieler im Vorfeld zerzauster KI-Unternehmen zogen an. Dennoch kehrten bei den Investoren die alten Ängste rasch zurück. Wie ein Soufflé fiel das luftige Kursgebäck wieder zusammen. Da nutzte es wenig, dass noch am Freitag John Williams versuchte, dem Markt zur Hilfe zu eilen. Der Präsident der New Yorker Fed plädierte für eine sehr baldige Senkung der Zentralbankzinssätze. Diese Woche sekundierte die Präsidentin der San Francisco Fed, Mary Daly. Sie ist ebenfalls für eine Senkung. Am 10. Dezember ist die nächste Fed-Sitzung und tatsächlich steigen zuletzt die Chancen auf eine Zinssenkung. Die Hoffnung darauf könnte am Aktienmarkt doch noch etwas Jahresendrally-Stimmung aufkommen lassen.
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Buffetts Nase
Das Vertrauen der Anleger in den heiß gelaufenen KI-Sektor bleibt derzeit dennoch begrenzt. Bisherige Anlegerfavoriten wie Nvidia, Microsoft (WKN: 870747), Oracle (WKN: 871460), Palantir Technologies (WKN: A2QA4J) oder AMD (WKN: A2QA4J) zeigen mittlerweile unschöne Chartverläufe. Sie lassen Verkäufe des „Großen Geldes“ vermuten. Eine bemerkenswerte Ausnahme im Sektor ist allein Google. Der Suchmaschinenriese mit KI-Ambitionen holt mächtig auf – Gemini 3 und Nano Banana AI sind „Talk of the Town“. Die Aktien des Mutterkonzerns Alphabet (WKN: A14Y6F) konnten innerhalb von nur einer Woche um 12% zulegen. Wir müssen Warren Buffett und seinem Nachfolger Greg Abel ein Kompliment machen. Sie haben den richtigen Riecher gehabt. Erst letzte Woche berichtete Substanz Investor Weekly, dass Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) für 4,3 Mrd. USD die eigene Alphabet-Position ausgebaut hatte.

Grund für Alphabets positive Kursentwicklung dürften Meldungen sein, dass Google zum Nvidia-Konkurrenten wird. Gerade stellte das Unternehmen die siebte Generation eines eigenen KI-Chips vor, intern „Ironwood“ genannt. Man will unabhängiger von teuren Nvidia-Produkten werden. Zuckerbergs Facebook-Mutterkonzern Meta Platforms (WKN: A1JWVX) bekundet laut Bericht des Tech-Newsdienstes „The Information“ großes Interesse an KI-Chips von Alphabet. Zuckerberg lässt selbst an KI-Lösungen forschen und benötigt dafür modernste Prozessoren. 2027 könnten Alphabet-Chips in Meta-Rechenzentren eingesetzt werden. Außerdem bestände die Möglichkeit für Meta, bereits 2026 Kapazitäten in der Google-Cloud zu mieten.

Bayer in der Wende
„Dauerkrisler“ Bayer (WKN: BAY001) schafft zum Wochenanfang einen Tagesgewinn von spektakulären 10%. Ist die Krise damit vorbei beim früheren deutschen Vorzeigekonzern, der seit der Übernahme von Monsanto in Schwierigkeiten steckt? 2023 trat Bill Anderson als CEO bei Bayer an und man traute dem zupackenden, Optimismus ausstrahlenden Manager zu, Bayer wieder auf die Erfolgsschiene zu setzen. Doch immer neue Klagen wegen mutmaßlicher Nebenwirkungen des Pflanzenschutzmittels Roundup verschreckten in den Folgemonaten die wichtigen internationalen Anleger und schickten den Börsenkurs auf Talfahrt. Roundup hatte sich Bayer durch den Monsanto-Kauf ins Produktportfolio geholt.
Jetzt sorgen positive Meldungen für Auftrieb beim Aktienkurs. Asundexian ist von Bayer als Mittel gegen Vorhofflimmern entwickelt worden. Zunächst schien es wenig wirksam. Doch in einer neuen Studie überzeugt es bei der Vorbeugung von Schlaganfällen. Im langfristigen Bild ist zu sehen, dass die Bayer-Aktie Anfang 2025 ihren Tiefpunkt hatte. Seitdem steigt der Kurs und nun kommt die Asundexian-Fantasie hinzu. Bill Anderson hat Bayer umgebaut, Sparprogramme aufgelegt und Innovationen angeregt. Substanz Investor Weekly bleibt trotz allem zunächst vorsichtig. Die Konkurrenz von Bayer schläft nicht. US-Konzerne wie Bristol-Myers Squibb (WKN: 850501) und Johnson & Johnson (WKN: 853260) entwickeln unter Hochdruck Alternativen zu Asundexian. Wie ein Mühlstein hängt zudem Monsanto an Bayer. 65.000 Roundup-Klagen sollen noch anhängig sein, heißt es.

Zu den Märkten
Wird sich die Saisonfigur doch noch durchsetzen? Sprich: Bekommen wir eine Jahresendrally? Zuletzt kämpfte sich der DAX bis zum Ausbruchsniveau – der vormaligen Unterstützung – nach oben. Das ist die gute Nachricht. Kaum wurde die Marke jedoch angekratzt, lastete sofort neues Angebot auf dem Markt, da zunächst einmal absorbiert werden muss. Offenbar haben einige nur auf diese Pullback-Bewegung gewartet, um sich von ihren Beständen zu trennen. Kurzfristige Irritationen sind an solchen umkämpften Punkten nicht ungewöhnlich. Dies muss keine Vorentscheidung über den weiteren Kursverlauf sein. Entscheidend wird vielmehr sein, wie der nächste größere externe Impuls am Markt aufgenommen wird. Tauchen die Kurse wieder in die Widerstandszone ein, dann müsste der Ausbruch nach unten als Fehlsignal bewertet werden. Aus solchen Episoden entsteht oft besondere Schubkraft in die Gegenrichtung. Prallt der DAX dagegen erneut nach unten ab, dann müsste man die Bewegung der letzten Tage als Pullback bewerten, welches den ursprünglichen Kursausbruch nach unten in Form eines erfolgreichen Tests bestätigt hätte.
Musterdepots & wikifolio
In der Rubrik Musterdepots & wikifolio finden Sie heute das große Update zu unserem Aktienmusterdepot, inklusive Übersichtstabelle. Ferner berichten wir über offene und neue Transaktionen. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.
Fazit
Nvidia hatte zwar geliefert, erfreut war der Markt aber nicht. Dagegen entwickelte sich Alphabet zu dem Zugpferd des Tech-Bereichs.
Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.




