Schrumpelt der Apfel?

Bild: grok.com

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Zuspätkommer werden an der Börse bestraft

Im Neandertal

Ab dem 1. September übernimmt bei Apple (WKN: 865985) John Ternus den Chefposten und Tim Cook zieht sich auf die Position des Executive Chairman zurück. Ternus gilt intern als „supernetter Kerl“. Ob er der Richtige ist, um Apple aus dem KI-Dornröschenschlaf zu wecken, wird sich schnell zeigen. Die Konkurrenz eilt mit riesigen Entwicklungsschritten voran. Apples KI-Assistent Siri scheint derweil im Neandertal steckengeblieben zu sein. Aus immer neuen Höhen des Fortschritts kommunizieren stattdessen Anthropic und Gemini (Konzernmutter Alphabet, WKN: A14Y6H) mit der Zukunft und versprechen der Industrie oder gleich der gesamten Menschheit enorme Produktivitätsgewinne.

John Ternus ist ein Mann des Greifbaren, weniger der Visionen. Er ist Maschinenbauingenieur. 25 Jahre lang prägte er die Hardware-Architektur des Konzerns mit. Er hat außerordentliche Qualitäten, übersteht Redeschlachten in Sitzungssälen, gilt als Teamplayer mit guten Manieren. Sein größtes Plus dürfte sein, dass er geschmeidige Führungsstärke mit technischem Fachwissen verbindet:

– Er setzte die Unified Memory-Architektur durch, welche die neuen Macs zur lokalen Lieblingshardware von KI-Enthusiasten macht.
– Er ist verantwortlich für die iPhone 17-Reihe. Die margenstarken Pro- und Pro-Max-Modelle brechen Verkaufsrekorde.
– Das preiswerte MacBook Neo gilt als persönlicher Erfolg von Ternus. Durch geschickte Nutzung älterer iPhone-Chips kann Apple trotz weltweiter Speicherknappheit ein populäres Einstiegsgerät etablieren, das aktuell derart gefragt ist, dass es zu Lieferwartezeiten kommt.

Allerdings ist Ternus bislang nicht als Mann der riskanten, visionären Entwicklungen aufgefallen, die viele immer noch von Apple erwarten. Tim Cook verwandelte die kreativen Ausbrüche des unvergessenen Firmengründers Steve Jobs (gestorben 2011) in seiner 15-jährigen Ägide als Apple-CEO in eine hochtourige Gewinnmaschine, brachte den Konzern auf einen Börsenwert von atemberaubenden 4 Bio. USD. Cook presste Billionen aus dem iPhone-Ökosystem, verschlief jedoch die KI-Revolution. John Ternus muss nun beweisen, dass eine Fokussierung auf schicke Hardware in einer Welt der klug schnatternden KI-Chatbots noch zieht. Immerhin glänzt der Apfel außen. Innen ist er nicht mehr ganz so frisch.

Börse 2.0

Früher folgte auf einen massiven Kurssturz meist ein langwieriges Testen der Tiefststände. Das Muster war über Jahrzehnte verlässlich. Doch seit der Pandemie 2020 agieren die Märkte zunehmend nach neuen Regeln: Die Einbrüche sind brutaler, die Erholungen erfolgen in einer Geschwindigkeit, die Experten überrascht. Die jüngste Serie von 13 Gewinntagen in Folge beim Nasdaq verdeutlicht diesen Wandel. Anleger müssen sich darauf einstellen.

Verantwortlich für die neue Art von Marktdynamik sind neue Akteure im Geschehen. Auf der einen Seite sind das moderne Hedgefonds („Pod Shops“ genannt), die KI-gestützt mit extrem engmaschigem Risikomanagement agieren. Sie liquidieren Positionen bei Verlusten sofort, um damit eine saubere Basis für den nächsten Aufschwung schaffen. Es geht rasend schnell bergab an der Kurstafel. Auf der anderen Seite agiert eine massive Welle neuer Privatanleger, die Kursrücksetzer unerschrocken zum Einstieg nutzt („Buy the Dip“). Im Zusammenspiel mit computergesteuerten Trendfolgern sorgt das für eine enorme Wucht bei Markterholungen, die oft weit vor einer realen wirtschaftlichen Besserung eintritt.

Bisher agierten beide Seiten zumeist glücklich, das heißt äußerst einträglich, und in der neuen, schnellen Zeit scheint zu gelten: Den Zuspätkommer, den Zögerer, der nach alten Erfahrungsregeln spielt, den bestraft die Börse mit mangelhafter Rendite. Irgendwann allerdings wird der Buy-the-Dip-Reflex teuer schiefgehen und die Kurse werden einfach weiter fallen. Dann sind die vermeintlichen Zuspätkommer plötzlich in der Pole Position. Sie werden dann sagen: Seht Ihr, wir haben es immer gewusst. Nur: Wann wird das sein und wie viel Gewinn werden die fixen Börsenspieler bis dahin bereits gemacht haben?

Wer mitspielen will, aber mit gebremstem, weil gestreutem Risiko, mag sich auf ETFs konzentrieren, die bei blitzschnellen V-Erholungen mit ihrem Momentum-Ansatz eine gute Performance zeigen können. Der iShares Edge MSCI World Momentum Factor UCITS ETF (WKN: A12ATF) setzt auf globale Aktien mit der stärksten Kursdynamik der letzten Monate. Der iShares MSCI USA Momentum Factor UCITS ETF (WKN: A12ATG) konzentriert sich auf den US-Markt als Taktgeber der Marktdynamik.

ASML-System aus Klemmbausteinen

Rick Lenssen ist bei ASML (WKN: A1J4U4) als Datenanalyst beschäftigt. Praktisch aus Versehen bescherte „Brick“ (firmeninterner Spitzname) jetzt dem weltbekannten Konzern aus den Niederlanden ein neues Erfolgsprodukt. Lenssen schrumpfte die wohl komplexeste Maschine der Welt, das ASML-Lithografie-System für die Halbleiterproduktion, auf Miniaturformat. Während das Original über 100.000 Einzelteile besitzt und drei Boeing-Frachtmaschinen für den Transport benötigt, kommt Lenssen mit 851 Klemmbausteinen aus – plus einem winzigen Plastikmännchen im Reinraum-Anzug.

Eigentlich suchte Lenssen nur einige fehlende Klemmbausteine für seine Kinder. Dann begann er mit den Steinen zu experimentieren und war zunehmend fasziniert von den Möglichkeiten. Sein Miniatur-Meisterwerk des riesigen ASML-Lithografie-Druckers stellte Lenssen im internen Shop des Konzerns aus, bot bald Bausätze an. Die Konstrukteure und Ingenieure der großen Maschine waren sofort begeistert. Sie kauften den Shop zeitweise leer. Auf dem Zweitmarkt werden mittlerweile Preise von über 600 Dollar für einen sofort lieferbaren Bausatz geboten. ASML hat mit dem kleinen Modell einen Bestseller gelandet. Vom neuesten High-End-Maschinentyp konnte ASML bisher sechs der gigantischen Originale absetzen, von der Variante aus Plastiksteinchen immerhin bereits 1.355 Stück.

Zu den Märkten

Der vergangene Donnerstag war im DAX der wichtigste Tag der abgelaufenen Börsenwoche. Unter deutlich anziehenden Umsätzen sprang der deutsche Leitindex um knapp 2,3% in die Höhe. Hintergrund war wieder einmal der Irankrieg, konkret die Öffnung der Straße von Hormus. Doch die Euphorie währte nur Stunden, schon kurz nach der Erstmeldung gab es Irritationen, dann erfolgte erneut die Schließung. Der DAX gab in den Folgetagen wieder nach, verlor aber nur einen Teil der Gewinne. Man kann dies als ein Zeichen der Stärke interpretieren, denn die Ausgangslage ist eigentlich wieder die alte. Zwischenzeitlich kam es sogar erneut zu kleineren Scharmützeln. So gesehen gibt es kaum einen Grund, warum der Index heute höher stehen sollte als vor der Ankündigung, bis auf einen, aus dem die Marktteilnehmer im Moment Honig saugen: Hinter den Kulissen finden tatsächlich Gespräche/Verhandlungen statt. Allerdings könnten diese auch jederzeit final scheitern, was dann zu entsprechender Enttäuschung an den Märkten führen würde.

Hormus-Blockade und die Folgen

Im neuen Substanz Investor 5/2026, der zum Wochenende erscheint, haben wir uns übrigens ausführlich der Hormus-Thematik gewidmet und dabei insbesondere auch jene Branchen und Einzeltitel beleuchtet, die von der Blockade auf die eine oder andere Weise betroffen sind bzw. davon sogar profitieren. Auch das Thema Krisenvorsorge kommt nicht zu kurz. Wir sprachen mit Stefan Spiegelsperger, Betreiber des äußerst erfolgreichen YouTube-Kanals @OutdoorChiemgau. Grundsätzlich wird es in unserer Titelgeschichte: Wir kontrastieren Marx mit Mises und spüren der Frage nach, warum der Kapitalismus so ein schlechtes Image hat, während der Sozialismus trotz seines beständigen Scheiterns und angesichts von vielen Millionen Opfern immer noch verklärt wird. Dies und vieles mehr im neuen Substanz Investor 5/2026.

Deutsche Dividendentitel: heute Allianz

Mit Munich Re und Hannover Rück haben wir in dieser Reihe bereits zwei starke Rückversicherer vorgestellt – heute gesellt sich ein anderes Kaliber dazu: die Allianz SE (WKN: 840400), der größte Versicherer Europas und mit Abstand der größte Dividendenzahler im deutschen Leitindex. Während viele DAX-Titel in den letzten Monaten unter Druck standen, hielt sich die Allianz-Aktie bemerkenswert stabil – ein Beleg für die defensive Qualität des Wertes. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Münchner Konzern ein operatives Rekordergebnis von 17,4 Mrd. EUR, ein Plus von 8,4%. Das Geschäftsmodell überzeugt durch seine Breite: Schaden- und Unfallversicherung, Leben & Kranken sowie Asset Management über die Tochter PIMCO bilden drei stabile Ertragssäulen, die sich gegenseitig ausbalancieren. Für dieses Jahr peilt das Management ein operatives Ergebnis auf gleichem Niveau an.

Als Dividendentitel spielt die Allianz in einer eigenen Liga. In den letzten zehn Jahren wurde die Ausschüttung im Schnitt um 8% jährlich angehoben – zwölf Jahre ohne eine einzige Kürzung. Für das Geschäftsjahr 2025 schlagen Vorstand und Aufsichtsrat 17,10 EUR je Aktie vor, ein Plus von 11% gegenüber dem Vorjahr. Obendrauf kommt ein Aktienrückkaufprogramm von 2,5 Mrd. EUR – das Halten der Allianz-Aktie lohnt sich also doppelt. Beim aktuellen Kurs von rund 390 EUR ergibt sich eine Dividendenrendite von knapp 4,4%. Wer am 12. Mai 2026 in den Genuss der Ausschüttung kommen möchte, sollte die Aktie bis zum Ex-Datum 8. Mai 2026 im Depot haben.

Fondskongress Stuttgart

Unter dem Leitthema „Zwischen KI-Boom und Ölkrise 2.0 – Welche Fonds bestehen den Härtetest?“ öffnet der II. Fondskongress Stuttgart am 19. und 20. Mai 2026 seine Tore im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Die „Arena der Ideen“ bietet eine Plattform für den fachlichen Austausch über resiliente Investmentstrategien in einem volatilen Marktumfeld. Wesentliche fachliche Impulse gibt es zur „New Space Economy“, den Rohstoffmärkten sowie zu regionalen Konzepten unter dem Motto „Schwaben Power“. Dabei sind renommierte Experten wie Robert Halver, Baki Irmak, Sebastian Blaeschke sowie Alexander Wehrle (VfB Stuttgart). Im Rahmen des Abendprogramms gibt es eine Keynote von Panagiota Petridou, eine Weinverkostung des Weinguts von Othegraven (Inh. Günther Jauch) und reichlich Gelegenheit zum Networken. Durch die beiden Veranstaltungstage führen der bekannte Fernsehmoderator Frank Meyer und Lina Bocari. Die Teilnahme ist kostenfrei, erfordert jedoch aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl eine rechtzeitige Anmeldung.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio gibt es heute unsere große Monatsübersicht für den April inklusive Tabellenteil. Die Performance, so viel sei schon hier verraten, war durchaus ansprechend. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.

Fazit

Apple hat eine bewegte Firmengeschichte von mehr als einem halben Jahrhundert hinter sich. Der große „iNnovator“ wirkt im Zukunftsthema KI derzeit aber etwas angezählt.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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