Märkte, Mullahs und Millionen

Bild: grok.com

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Wie man reich wird …

… und wann man reich ist

Wie viel Geld braucht ein Mensch der westlichen Welt, um nicht mehr arbeiten zu müssen? Der amerikanische Finanzexperte und Bestseller-Autor Tony Robbins weiß Antworten. Er entwickelt ein Fünf-Stufen-Modell finanzieller Selbstbestimmung. Wir dampfen – unserem Namen verpflichtet – Modell und Antworten ein auf die pure Substanz.

Finanzielle Sicherheit erlangt man ab einer Summe von 24.000 EUR Rendite. Angenommen wird dabei ein monatlicher, persönlicher Bedarf von 2.000 EUR. Robbins kalkuliert mit einer durchschnittlichen Kapitalrendite von 6%, lässt Inflation und Steuern allerdings unberücksichtigt. Die langfristige Durchschnittsrendite globaler Aktien liegt tatsächlich sogar bei rund 8%. Substanz Investor rechnet, um es einfach zu machen, das Robbins-Modell mit 5%. So wären für finanzielle Sicherheit 480.000 EUR Kapital nötig. Finanzielle Vitalität nennt Robbins die nächste Stufe. Dafür braucht es gemäß der Formel 960.000 EUR, ergibt 4.000 EUR monatlich. Finanzielle Freiheit erlangt man ab 2,4 Mio. EUR, dann stünden immerhin 10.000 EUR im Monat zur Verfügung. Absolute Freiheit soll der Träumende erreichen, wenn er sich neben allem anderen auch noch den Kauf und vor allem den Unterhalt einer eigenen Jacht leisten kann. Der Experte nennt hier Kapitalsummen, die einem den Atem rauben – und prompt stellt sich die Frage: Ist das wirklich noch Freiheit, oder nur eine neue und besonders teure Form der Verpflichtung? Nicht umsonst gelten der Tag des Erwerbs und der Tag des Verkaufs als die beiden glücklichsten Tage im Leben eines Jacht-Besitzers. Dass Luxusjachten inzwischen massenweise auf offener See „Unfällen“ zum Opfer fallen, sei nur am Rande erwähnt.

Simulation von Regierungshandeln

Während der US-Präsident Märkte und Mullahs in Atem hält, scheinen hierzulande Kanzler und Kabinett endgültig bei der bloßen Simulation von Regierungshandeln angekommen zu sein. Allerorten ist Reformstau zu beobachten. Straßen verfallen, es wachsen die bürokratischen Zumutungen. Sie ersticken Initiativen von Unternehmern, Freiberuflern und engagierten Bürgern. Jürgen Papier, ehemals Präsident des Bundesverfassungsgerichts, resigniert öffentlich: „Das ist verweigerte Staatsführung.“ Nach der gerade beschlossenen, ebenso kleinteilig gedachten wie voraussehbar fast wirkungslosen Senkung der Steuer auf Benzin und Diesel um 17% für zwei Monate urteilt die Wirtschaftsweise Veronika Grimm in der Berliner Zeitung: „Im Endeffekt hat man das Gefühl, dass die Politik die Situation komplett verkennt.“

Der deutsche Michel bleibt ruhig. Netflix läuft schließlich und der Strom kommt aus der Steckdose. Die Energiewende funktioniert offensichtlich … dank französischer Atomkraftwerke, die gern (und teuer) den Strom nach Deutschland liefern, wenn die Sonne untergeht und der Wind nicht weht.

Dabei verdienen und der geneigte Aktionär darf mitverdienen:
– RWE (WKN: 703712) als der dominierende Energieversorger Europas. RWE konzentriert sich auf erneuerbare Energien, investiert auch in den USA in großem Stil. Der Essener Konzern rechnet mit einer jährlichen Wachstumsrate des Gewinns je Aktie von 12% von 2026 bis 2031. Den Experten der Deutschen Bank erscheint das zu konservativ. Sie verweisen auf den steigenden Strombedarf bei Rechenzentren.
-Enel (WKN: 928624) ist der bekannteste Energieversorger Italiens, betreibt dort und in Südamerika große Stromnetze. In Deutschland engagiert sich Enel in Wind- und Solarparks und ist an Netzen beteiligt. Die Aktie befindet sich seit 2023 in einem übergeordneten Aufwärtstrend.
-Iberdrola (WKN: A0M46B) heißt der marktführende spanische Energielieferant und -erzeuger. Traditionell ist Iberdrola stark in Lateinamerika tätig. In Deutschland betreibt der Konzern über eine Tochtergesellschaft Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee. Der Aktienkurs erreicht Ende März ein Allzeithoch und gibt seither ein wenig nach.
-Engie (WKN: A0ER6Q) ist der zweitgrößte französische Energiekonzern, er besitzt neben Kraftwerken auch Netze. Der Kurs ist nahe am Allzeithoch. Die Aussichten bleiben gut. Der Betrieb von neu gebauten Rechenzentren benötigt im anbrechenden KI-Zeitalter zusätzlichen elektrischen Strom. Deutschland braucht zuverlässige Energielieferungen, da die Grundlastfähigkeit des Industriestandorts schwindet, je stärker und länger die Energiewende durchgesetzt wird.

Intels Comeback

Innerhalb von neun Handelstagen katapultiert sich der US-Chipkonzern Intel (WKN: 855681) mit einem Kursplus von 56% zurück ins Rampenlicht. Lange waren die Kalifornier als technologischer Nachzügler verspottet worden. Aber gerade wandelt sich das Traditionsunternehmen zu einem zentralen Akteur beim Rennen um die technologische Führerschaft im KI-Zeitalter.

Treiber der Rally dürfte die neu eingegangene Allianz mit Elon Musks Terafab-Projekt sein sowie eine gerade verkündete Partnerschaft mit Alphabet (WKN: A14Y6H). Intel liefert das, was der Konkurrenz oft fehlt: Design und Fertigung aus einer Hand, made in USA. Kaum zu überschätzen ist dabei das Wohlwollen des US-Präsidenten Donald Trump. Er will aus strategischen Gründen die hochgezüchtete Chip-Industrie im Land halten.

Interessierte Anleger werden bedenken, dass die Aktie aktuell mit einem Forward-KGV von über 90 gehandelt wird. Das ist eine ambitionierte Bewertung, muss aber kein Problem sein, solange Intel den Turnaround schafft und wieder zu einem führenden, hochprofitablen Chip-Hersteller wird.

Zu den Märkten

Der Wochenvergleich täuscht über die aktuelle Volatilität des DAX 40 hinweg. Vergangenen Mittwoch schloss der deutsche Leitindex mit 24.081 Punkten, aktuell steht er bei 24.036 Punkten. Das sind Veränderungen, die kaum der Rede wert sind. Dennoch sackten die großen Standardtitel am Montag bis auf 23.481 Punkte durch. Das allein ist allerdings kein Beinbruch, zumal der Index noch in derselben Sitzung frische Stärke gewann. Wieder einmal waren es Unsicherheiten rund um den Irankrieg, konkret um die Blockade der Straße von Hormus, die über das Wochenende Spannung aufbauten und die Sorgen wachsen ließen. Heute in einer Woche droht dann schon als nächstes Datum, formal soll die Feuerpause zum 22.4. enden. Mit einem solchen Damoklesschwert wird es den Märkten schwerfallen, so etwas wie Feierlaune zu entwickeln. Und noch etwas sollte man im Hinterkopf behalten: Die zurückliegenden turbulenten Wochen sind eigentlich Teil des saisonal guten Börsenhalbjahrs. Ab Mai fällt diese Unterstützung dann weg.

Deutsche Dividendentitel: heute Fuchs Petrolub SEe

Schmierstoffe klingen nach Nische – das Mannheimer Unternehmen Fuchs SE (WKN: A3E5D5) hat daraus ein globales Erfolgsmodell gemacht. Als weltweit größter unabhängiger Hersteller dieser Spezialprodukte beliefert der MDAX-Konzern Kunden aus Maschinenbau, Metallverarbeitung, Luft- und Raumfahrt, Landwirtschaft und Automobilindustrie in über 50 Ländern. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte der Konzern den Umsatz auf 3,56 Mrd. EUR und erzielte erneut das höchste Konzernergebnis der Unternehmensgeschichte. Mit dem neuen Strategiezyklus „FUCHS100″ – benannt nach dem bevorstehenden hundertjährigen Firmenjubiläum 2031 – setzt das Management auf Fokussierung: wenigere, aber zukunftsträchtige Segmente, tiefere Kundendurchdringung und weiteres organisches Wachstum. Für 2026 wird ein Umsatz von rund 3,7 Mrd. EUR und ein EBIT von rund 450 Mio. EUR angepeilt.

Fuchs SE ist ein Paradebeispiel für stille Dividendenkontinuität. Der Vorstand schlägt für das Geschäftsjahr 2025 die 24. Dividendenerhöhung in Folge vor – auf 1,22 EUR je Stammaktie, ein Plus von 5% gegenüber dem Vorjahr. Dahinter steckt Überzeugung: Als Familienunternehmen, in dem die Gründerfamilie noch heute die Stimmenmehrheit hält, denkt man bei Fuchs in Generationen – und die Dividende ist seit jeher das sichtbarste Bekenntnis dazu. Beim aktuellen Kurs von rund 34 EUR ergibt sich eine Dividendenrendite von knapp 3,6%. Wer am 11. Mai 2026 in den Genuss der Ausschüttung kommen möchte, sollte die Aktie bis zum Ex-Datum 7. Mai 2026 im Depot haben.

Konsolidierung im Royalty-Sektor nimmt Fahrt auf

Die Übernahme von Star Royalties durch Summit Royalties ist mehr als nur eine Einzeltransaktion: Sie wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Konsolidierung im Royalty-Sektor und auf die wachsende Bedeutung von Größe, Kapitalstärke und Plattformqualität. Lesen Sie mehr hierzu im Gastbeitrag von Gunter Burgbacher, Haberger Asset Management GmbH. Der Beitrag ist Teil einer Artikelserie, in der bereits Teil 1 zur Langfristigkeit als strategischem Vorteil erschienen ist.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Aufstockung einer unserer Positionen zu günstigen Kursen. Die große Monatsübersicht zum Aktienmusterdepot für März inklusive Tabellenteil finden Sie in der Ausgabe vom 25.3. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.

Fazit

Mit dem Reichtum ist das so eine Sache. Viele wollen reich werden, aber nur wenige machen das an einem konkreten Lebensstandard fest. Aktien, die vielleicht keine Übernacht-Reichmacher sind, aber dennoch etwas anzubieten haben, was wir alle brauchen, sind die europäischen Versorger.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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