Für die Jahresendrally wird es knapp
Erwartungen in den KursenHeute Abend steht die Bekanntgabe der Leitzinsentscheidung der US-Notenbank Fed auf dem Programm. Kurz vor dem Termin will kaum jemand große Wetten riskieren. Zumal das Jahr für Aktionäre im Großen und Ganzen zufriedenstellend gelaufen ist. Der DAX liegt 2025 rund 20% im Plus. Beim marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 sind es trotz allerlei Turbulenzen +16%.
Beobachter erwarten um 20:00 Uhr MEZ eine Leitzinssenkung der Fed um 25 Basispunkte. Sie ist am Markt eingepreist. Spannend werden die Erläuterungen sein, die Fed-Chef Jerome Powell bei der anschließenden Pressekonferenz zur Zinsentscheidung ab 20:30 UHR gibt. Händler, Analysten und automatisierte KI-Systeme werden Powells Worte wägen und die Kurse noch während seiner Rede tanzen lassen. Für unterhaltungsaffine Börsianer ist das der Moment, das Popcorn auszupacken. Eine belastbarere Aussage wird sich erfahrungsgemäß aber erst am Tag nach der Rede herauskristallisieren, wenn die Entscheider mit den grauen Schläfen und großen Portefeuilles die Sache überschlafen haben. Für eine durchgreifende Jahresendrally ist die Zeit ohnehin schon recht knapp geworden. Sie bräuchte als Treibstoff zudem neue, bislang unbekannte Argumente. Es ist unwahrscheinlich, dass Powell diese liefern kann.
Der Kursgewinner des Jahres steht übrigens schon fest. Es ist das Gold. Es erfreute 2025 mit einem Kursplus von 60%. Damit ließ es den DAX und die US-Aktienindizes weit hinter sich. Börsianer wünschen sich von der Fed zwar niedrige Zinsen, da sie Aktienkursen helfen. Andererseits misstrauen Anleger dem Geldsystem der Notenbanken zunehmend und schichten in Gold um, das für sie das ultimative Wertaufbewahrungsmittel ist. Im Windschatten des Goldes ist zuletzt auch Silber „heiß“ geworden. Es sprang gestern über die magische 60-USD-Marke auf ein neues Allzeithoch.
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Berkshire nach Buffett
Bei der legendären Investment-Holding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) bereitet sich der 95-jährige Warren Buffett auf seinen zum Jahresende angekündigten Rücktritt als CEO vor. Die offizielle Ernennung von Greg Abel zu seinem Nachfolger ist nur noch Formsache. Die Entscheidung hat Folgen. Todd Combs, ebenso ambitionierter wie erfolgreicher Investmentmanager von Berkshire und CEO von Geico, verlässt überraschend das Unternehmen, um die 10 Mrd. USD schwere Sicherheits- und Resilienzinitiative von JPMorgan Chase (WKN: 850628) zu leiten. Marc Hamburg, der langjährige CFO von Berkshire, wird am 1. Juni 2026 von seinem Amt zurücktreten und durch Charles Chang ersetzt.
Todd Combs gilt als begnadeter Stockpicker, der Berkshires Rendite in den zurückliegenden Jahren nach oben trieb. Buffett stellte ihn 2010 persönlich ein. Der Abgang des 54-Jährigen schwächt das Unternehmen. „Wenn man in die Zukunft blickt, ist es jetzt, da Todd weg ist, noch düsterer“, lässt sich der renommierte Vermögensverwalter Paul Lountzis zitieren. Greg Abel ist derzeit stellvertretender Vorsitzender bei Berkshire. Wenn er im Januar die Position des CEO übernimmt, tritt er komplett aus Buffetts Schatten ans Licht. Er erbt einen gewaltigen Cash-Berg von 382 Mrd. USD, der über kurz oder lang investiert werden will. Auch das übt Druck auf Abel aus. In dieser Zeit der Unsicherheit muss sich erst zeigen, wie er sich in den großen, vielleicht übergroßen Fußstapfen des Meisters bewegen wird. Seit Buffetts Rücktrittsankündigung im Mai sind Berkshire-Aktien um rund 7% gefallen. In der kommenden Ausgabe des Substanz Investor 1/2026 wird Berkshire Hathaway übrigens unsere Aktie im Blickpunkt im Rahmen eines Gastbeitrags von Michael Keppler sein.
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Wertvoller als OpenAI
SpaceX, Elon Musks Weltraumunternehmen, könnte im Jahr 2026 an die Börse kommen. 800 Mrd. USD ließen sich damit womöglich vereinnahmen: SpaceX wäre auf einen Schlag wertvoller als der ChatGPT-Entwickler OpenAI heute. Der Kapitalmarktgang von SpaceX – so er tatsächlich kommt – dürfte an der Börse endgültig einen neuen Weltraum-Sektor begründen und die Fantasie der begeisterungsfähigen Anleger entfachen.
Vor zwei Wochen berichtete Substanz Investor Weekly noch mit spöttischem Unterton über die jüngsten Imaginationen der Milliardäre Elon Musk (Tesla, WKN: A1CX3T) und Jeff Bezos (Amazon, WKN: 906866). Sie stellten sich vor, KI-Rechenzentren im Weltall einzurichten, da wäre genug Platz und Sonnenenergie. Jetzt verkündet Google-Chef Sundar Pichai (Alphabet, WKN: A14Y6H) in Interviews ähnliche Pläne, und es entsteht ein immer glaubhafterer Business Case für SpaceX-Raketen – deren Nutzlast wird gebraucht.
Auf den KI-Hype folgt gerade die Raumfahrt-Story und in zehn Jahren reden wir bei SpaceX nicht von 800 Milliarden, sondern vielleicht von einer Marktkapitalisierung, die bei 800 Bio. USD liegt. Heute fast unvorstellbar, aber möglich ist es. Wenn Musks gigantisches Starship erfolgreich mit voller Besatzung von der Rampe in Texas abhebt und auf einem Feuerstrahl in den Himmel steigt, kann das der Startschuss sein für Anleger mit Pionier-Gen. „Go West“ ersetzen die Finanz-Cowboys durch „Go Space“, wohin sie atemberaubende Gewinnmöglichkeiten locken.

Zu den Märkten
Wenig Bewegung gab es in der Berichtswoche beim DAX 40. Auch hier war Warten auf die Fed-Sitzung angesagt. Zwar betrifft eine US-Zinsentscheidung den deutschen Aktienmarkt nicht unmittelbar, aber dem Sog der US-Aktientrends konnte man sich in Deutschland selten entziehen, besonders auf der Kurzfristebene wartete man vor der Fed-Sitzung erst einmal ab.
Da in der Berichtswoche im Index selbst so wenig passiert ist, nutzen wir die Gelegenheit für eine etwas andere Darstellung. Zwei der führenden Komponenten der letzten Jahre waren SAP (WKN: 716460) und Deutsche Telekom (WKN: 555750). In diesem Jahr gaben beide Aktien per Saldo jedoch um rund 10% nach. Da es sich in der Tendenz um Gewinnmitnahmen handeln dürfte, kann man das positiv interpretieren. Der DAX hält sich seit Monaten im Bereich seiner Rekordhochs, obwohl die beiden führenden Aktien in dieser Zeit nichts mehr dazu beigetragen haben. Mehr noch, sollten sie wieder Tritt fassen, könnte der DAX aus dieser Richtung einiges an Rückenwind bekommen, zumal auch die Aktie von Rheinmetall nach einem fulminanten Lauf zuletzt Schwäche zeigte (vgl. Substanz Investor 8/2025, S. 46 „Goodbye“).
Musterdepots & wikifolio
In der Rubrik Musterdepots & wikifolio finden Sie heute einen neuen Kauf für unser Aktienmusterdepot. Die Novemberübersicht inklusive der Tabellen finden Sie in der Ausgabe vom 26.11. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.
Fazit
Warten auf die Fed ist der Name des Spiels, an dem sich Börsianer bis zum heutigen Abend beteiligen. Sobald die Karten auf dem Tisch liegen, kann zur Tagesordnung übergegangen werden. Ob daraus noch die ersehnte Jahresendrally wird, ist offen. Zumindest einer dürfte an steigenden Kursen aktuell kein größeres Interesse haben. Denn der designierte Berkshire Hathaway-CEO Greg Abel sitzt auf 382 Mrd. USD Cash, die irgendwann wieder angelegt werden wollen.
Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.




