Neue Anlage-Themen für 2026
Übertreibung bei KI-AktienIm März 2000 war Cisco (WKN: 878841) das wertvollste Unternehmen der Welt. Innerhalb von nur vier Monaten hatte sich der Kurs des Netzwerkausrüsters aus Kalifornien verdoppelt. Cisco war der Star der Dotcom-Ära. Anleger begeisterten sich für alles, was mit dem „Neuland“ Internet zu tun hatte. Dann, noch im selben Monat, platzte die Blase. Erst jetzt, nach 25 Jahren, schafft es der Aktienkurs von Cisco zurück auf die damaligen Höhen.
Die Geschichte zeigt, was passieren kann, wenn eine Blase platzt. Plötzlich will die Mehrheit verkaufen, aber es fehlen Käufer und die Kurse finden infolgedessen keinen Halt. Gerade dürften Anleger überlegen, ob ihren Aktien, die sich 2025 über das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) auf immer höhere Kursniveaus schraubten, die Luft ausgehen könnte. Solche Überlegungen, besser gesagt Befürchtungen, sind berechtigt, denn in der Börsenhistorie zeigt sich häufig folgendes Phänomen: die Kurse der unterjährigen Anlagefavoriten können sich bis zum Jahreswechsel halten, ab Januar aber rutschen sie ab. Der dahinterstehende Vorgang heißt „Window Dressing“. Bei dieser Praxis belassen professionelle Vermögensverwalter die Positionen mit den größten Kursgewinnen im Portfolio, damit die Kunden diese zum Stichtag sehen. Die Starperformer werden also buchstäblich ins Schaufenster gelegt.
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Nach dem Jahreswechsel gibt es dann oft keine stichhaltigen Gründe mehr, die teuer gewordenen Titel weiter zu halten und es wird verkauft. Wendige Renditesucher machen sich das schon jetzt zunutze. Sie halten nach neuen Themen bzw. Titeln Ausschau und kehren gut gelaufene 2025er-Favoriten entschlossen aus den Depots: zu teuer, zu weit gelaufen, auserzählt.
Für Nvidia (WKN: 918422), Palantir (WKN: A2QA4J), Microsoft (WKN: 870747), Intel (WKN: 855681), Alphabet (WKN: A14Y6F) und all die anderen KI-Helden beginnt dann die spannendste Zeit. Es wird sich herauskristallisieren, wer die wirklichen Gewinner sind und wer im Wettlauf zum bloßen Mitläufer degradiert oder gar aussortiert wird. Damals, aus dem rauchenden Dotcom-Trümmerfeld des Jahres 2000, erhob sich Amazon (WKN: 906866) wie Phönix aus der Asche und machte Anleger reich.

Seit Jeff Bezos, Elon Musk (vgl. letzte Ausgabe zum möglichen Börsengang von SpaceX) und Google-CEO Sundar Pichai vernehmlich über Rechenzentren in der Erdumlaufbahn nachdenken, haben mutige Investoren das Thema kommerzielle Raumfahrt für sich entdeckt. Gerade erst trieben sie den Kurs des Satellitenanbieters Planet Labs (WKN: A3C84C) mit entschlossenen Aktienkäufen um 15% in die Höhe, nachdem der kalifornische Satellitenanbieter ansprechende Quartalszahlen präsentiert hatte. Auch bei BlackSky (WKN: A3CY5Y) und Satellogic (WKN: A3DDRD) wird beherzt zugegriffen. Allerdings sollte man trotz großer und neuer Begeisterung für die Raumfahrt als Aktionär nicht alle Vorsicht fahren lassen. Die Kursentwicklung von Rocket Lab (WKN: A419CG) verdeutlicht, dass Kapitalgeber neben einem wohlsortierten Depot auch starke Nerven brauchen: Seit 2024 schoss die Börsennotierung des Raketenentwicklers nämlich um über 1.000% (!) in die Höhe, stürzte zwischendurch aber auch tief, zuletzt von Oktober bis Anfang Dezember um 45%.

Das muss man aushalten können, finanziell und nervlich. Weitere Raumfahrt-Aktien, die derzeit im Fokus stehen, sind die texanische AST SpaceMobile (WKN: A3CL8W) sowie der deutschen OHB (WKN: 593612). Die Bremer erfreuen dieses Jahr mit einem Kursplus von 120%, zuletzt allerdings wirkt die Entwicklung uninspiriert. Wer als privater Investor das Risiko in dem volatilen Sektor streuen möchte, sollte sich den VanEck Space Innovators ETF (WKN: A3DP9J) anschauen.

Die Welt schaut auf Tesla (WKN: A1CX3T), Nvidia und KI: Kaum registriert wird ein bemerkenswertes Comeback, das gerade dem traditionsreichen Autokonzern General Motors (WKN: A1C9CM) aus Detroit gelingt. Im April markierte GM das diesjährige Kurstief. Seitdem geht es aufwärts. Derzeit liegt der Zugewinn bei über 80%. Die Überlegung der GM-Aktionäre ist von bestechender Einfachheit und geht so: Trump-Politik plus Einfuhrzölle ermöglichen GM steigende Unternehmensgewinne.
Anfang April erschreckte der US-Präsident die Welt mit der Ankündigung von hohen Zöllen auf Importe in die USA. Auch wenn Donald Trump sich seitdem einige Zollspitzen wegverhandeln ließ, bleiben doch substantielle, neu errichtete Zollhindernisse für GM-Konkurrenten aus Europa sowie China. Hinzu kommt, dass GM aufgrund von Trumps Politik wieder stärker auf hubraumstarke Benziner setzen darf und die Importe von GM-Autos in die Europäische Union (EU) billiger werden. Donald Trump hat durchgesetzt, dass die EU ihre Importzölle für amerikanische Wagen auf 15% absenkt. America First wirkt, für Amerikas Unternehmen und für international agierende Anleger.
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Zu den Märkten
In der letzten Ausgabe des Jahres lassen wir noch einmal die Entwicklung des DAX 40 Revue passieren. Zum Jahresbeginn sah es so aus, als würde der deutsche Blue Chip-Index einfach nur weiter steigen. Dann fiel Anfang April Trumps Zollhammer und traf die Märkte mit voller Wucht; sie stürzten ab und die Volatilität ging durch die Decke. An den Börsen war der Spuk schneller ausgestanden als in der Realität. Der DAX mündete bis zur Jahresmitte sogar wieder auf seinen ursprünglichen Wachstumspfad ein.
Das zweite Halbjahr war dann das glatte Gegenteil des ersten. Es gab keine größeren Kursgewinne mehr und die Volatilität normalisierte sich. Jeder Versuch, aus dem Kanal zwischen ca. 23.000 und 24.650 Punkten auszubrechen (vgl. Markierungen), wurde unmittelbar gestoppt. Zwar kamen die Kurse während der letzten Wochen per Saldo ordentlich voran, diese „Jahresendrally“ fand aber innerhalb der genannten Begrenzungen statt. Echte Aufwärtsdynamik sieht anders aus, zumal sich der deutsche Leitindex im Prinzip ein halbes Jahr lang ausgeruht hat.
Musterdepots & wikifolio
In der Rubrik Musterdepots & wikifolio finden Sie heute Informationen zu unserer letzten Transaktion, und ein besonderes „Zuckerl“. Wir zeigen Licht und Schatten eines insgesamt weit überdurchschnittlichen Erfolgsjahres für unser Aktienmusterdepot inklusive Jahresendbetrachtungen und Tabellenteil. Diese Rückschau können Sie auch im neuen Substanz Investor 1/2026 lesen.Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.
Fazit
Mit diesem letzten Substanz Investor Weekly für das Jahr 2025 verabschieden wir uns in die Feiertage. Weiter geht es dann am 7.1.2026. Wir sind gespannt, welche Trends ins neue Jahr hinübertragen werden und was an Neuem entstehen wird. Schauen Sie dazu gerne auch in den Kapitalmarktausblick im neuen Substanz Investor 1/2026 der zum Wochenende erscheint.
Zum Schluss wünschen wir Ihnen frohe Festtage und einen guten Rutsch in ein hoffentlich gesundes, friedliches und erfolgreiches 2026!
Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.




