Licht am Ende des Tunnels

Bild: grok.com

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Oder ist es nur ein entgegenkommender Zug?

Wenn der Aufschwung kommt …

… dann sollten Anleger vorbereitet sein. Nein, der Aufschwung ist gerade weit und breit nicht in Sicht. In Rheinland-Pfalz hat der Souverän, also das Wahlvolk, Veränderung gewählt. Aber er bekommt eine Große Koalition, mit anderen Worten ein Weiter-so. In Baden-Württemberg straften Wähler die CDU ab für blasse Regierungsleistung und einen ebensolchen Spitzenkandidaten. Dafür bekommen sie jetzt nach einem Ministerpräsidenten der Grünen einen … Ministerpräsidenten der Grünen.

Nun, geht das Personal nicht, gehen die Arbeitsplätze. Das Autoland Baden-Württemberg verlor 2025 circa 32.000 Stellen allein in der Elektroindustrie. Für 2026 sind weitere Arbeitsplatzverluste angekündigt. In Rheinland-Pfalz planen laut IHK-Umfrage ein Viertel der Industriebetriebe in den nächsten Monaten Stellen abzubauen. Es sieht deutschlandweit nicht besser aus. Mit Blick auf die Börse könnte mancher hartgesottene Anleger allerdings sagen: Die Ausgangslage ist gar nicht so schlecht, eben weil sie so schlecht ist. Börse ist Zukunft, und Börsianer sind in ihrer Grundanlage Optimisten. Sonst beteiligten sie sich durch Aktienkauf nicht an Unternehmen, was schließlich immer Risiko bedeutet, und frohe Zukunftserwartung erfordert. Würde sich nun, unter dem Eindruck des SPD-Desasters in Rheinland-Pfalz und des drohenden CDU-Desasters bei den kommenden Wahlen im Osten, die Bundesregierung zu Reformen durchringen … sogar weniger wäre nötig: Schon die Andeutung von Überlegungen zu wirtschaftsfreundlichen Reformen, die sich in die Medien schleichen, würden genügen. Dann werden die Optimisten an der Börse einen Elefanten daraus machen, der alles übertrampelt – selbst die Einwendungen, welche Pessimisten zutreffender Weise erheben.

Bei einer Regierung, die sich bereits ein Jahr nach einer zudem praktisch vollständig zweckentfremdeten Rekordneuverschuldung bereits wieder einen Steuererhöhungswettbewerb liefert, würde wohl schon der kleinste Hinweis auf deren Auseinanderbrechen genügen, um ein Oskar(-Lafontaine)-verdächtiges Kursfeuerwerk auszulösen. Nach dessen Rücktritt als Finanzminister sprang der DAX in nur einer Sitzung um bis zu 7% in die Höhe, so erleichtert waren die Marktteilnehmer seinerzeit. Im Moment sieht es aber nicht so aus. Trotz einer Serie krachender Wahlniederlagen – weitere werden dieses Jahr folgen – attestierte die Tagesschau der SPD, dass diese Partei nicht einmal zu Lars Klingbeil und Bärbel Bas personelle Alternativen habe, was einer amtlichen Bankrotterklärung gleichkommt. Dass sich das Niedergangs-Duo „Sensibel & Bullshit“ angesichts der großen Aufgaben, denen es sichtbar nicht gewachsen ist, auch noch selbst für unverzichtbar hält, lässt sich nur mit einer Mischung aus Dunning-Kruger-Effekt und Peter-Prinzip erklären.

Im Moment „trumpelt“ der Elefant wieder voran. Jeder Hoffnungsschimmer auf ein Ende des Irankriegs treibt die Börsen. Schließlich ist die Straße von Hormus eine der Lebensadern für Asien und Europa. Die Kurse gehen hoch und das ist, was gelenkige Anleger letztlich interessiert. Denn die bereiten sich auf genau diese Situation vor. ETFs bieten sich an, um gebührenschonend und schnell ein-, aber auch wieder auszusteigen. Denn was in Teheran oder Berlin nach dem Licht am Ende des Tunnels aussehen mag, könnte sich bei der Annäherung als entgegenkommender Zug aus Washington entpuppen.

Art of the Deal

Der oberste Dealmaker der Welt, US-Präsident Donald Trump, ist für seine Wendigkeit bekannt. Zu Wochenbeginn, bestens getimt kurz vor Börsenöffnung in New York, zeigte er seinen neuesten Limbo – mit beeindruckender Marktresonanz: Die Kurse schossen nach oben. Eben noch dachten die Experten in Handelssälen und Redaktionen, der alte Mann hätte sich mit steifer Hüfte in eine Ecke manövriert. Von seinem maximal uncharmanten 48-Stunden-Ultimatum, verbunden mit der Drohung eines Bombardements der iranischen Ölanlagen, zeigt sich der Iran maximal unbeeindruckt. Trump „löste“ das Problem mit einem Tweet. Man sei gerade in besten Gesprächen mit dem Iran. Kurzerhand verlängerte er die Frist via x.com. Kleiner Schönheitsfehler: Die Ajatollahs wussten nichts von Gesprächen oder gaben vor, nichts zu wissen. Und die „Experten“? Die wussten auch nichts, wie eigentlich immer. Nur die Börsianer, die wussten mehrheitlich, was zu tun ist: kaufen, nicht denken. Denn die großen Gewinne werden früh gemacht. Wenn ein Experte alles durchdacht hat, dann ist die Börse schon weiter, dann fallen die Kurse womöglich bereits wieder, da die schnellen Gewinne gesichert werden.

Der Normalanleger hat zwei Möglichkeiten. Er kann versuchen mitzuspielen. Oder er tritt beiseite, bis sich der Staub gelegt hat. Die Historie bietet Entscheidungshilfe, Analyst Ben Carlson fand folgendes heraus: Der US-Leitindex stand ein Jahr nach dem Korea-Krieg 11% höher. Ein Jahr nach der Kubakrise waren es 27% Zugewinn, nach dem Sechstagekrieg +13%, Golfkrieg +10% und ein Jahr nach der Irak-Invasion 2003 stand der Index sogar satte 26% höher.

Die Hotel-Wette

Für Reisende und Urlauber sind Marriott International (WKN: 913070) und Hilton Worldwide (WKN: A2DH1A) beste Hoteladressen. Für Anleger sind es Geldmaschinen. Während die Eigenschaft als Top-Hotels nicht in Frage steht, ist der Blickwinkel der Investoren ein anderer. Haben Marriott und Hilton das Zeug dazu, Geldmaschinen mit angesetztem Turbo zu werden, oder werden sie zu Ladenhütern. Abhängig ist das nicht nur von Krieg und Ölpreisschock, sondern von zwei Zukunftstechnologien – Roboter und selbstfahrende Autos.

Setzen sich selbstfahrende Autos durch, dann könnte der ein oder andere Hotelkunde überlegen, doch lieber auf der Straße zu bleiben, statt im Hotel abzusteigen. Im Selbstfahrer mit Wohnzimmerambiente ließe sich Netflix schauen, etwas trinken oder gar schlummern. Dabei wäre es egal, ob das Vehikel gerade auf der Überholspur entlangschnurrt oder eine Auszeit auf dem Parkplatz nimmt. Die Besucherzahlen der Hotels würden sinken.

Setzen sich Roboter durch, dann sind deren Einsatzfelder in großen Hotels mannigfaltig. Insbesondere beim fast unsichtbaren Servicebereich im Hintergrund wie der Zimmerreinigung könnten sie eingesetzt werden als unermüdliche, zuverlässige und preiswerte „Kollegen“. Die Margen würden sich ausweiten und die Aktionäre bekämen glänzende Augen. Welche Entwicklung nach Meinung der Anleger die bestimmende sein könnte, wird die Kursentwicklung bald zeigen.

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Zu den Märkten

Der DAX hängt weiter an der Politik und den Tweets des US-Präsidenten. Ultimatum, Verlängerung, Gespräche – was immer Trump entscheidet oder auch nur kundtut, hat das Zeug die Kurse zu treiben. Die Marktteilnehmer tun sich schwer mit diesen neuen Realitäten zurechtzukommen. Denn Trumps Poltern kann schon recht überzeugend sein. Wenn er eine seiner Drohungen ausstößt, gehen die Marktteilnehmer erst einmal auf Nummer sicher, also an die Seitenlinie. Zwar ahnt man, dass viel Show dabei ist und manche Äußerung allein dazu dient, die Gegner einzuschüchtern, aber irgendwie wirkt das Ganze weniger berechenbar als es möglicherweise ist. Denn nach einiger Zeit kommt die 180-Grad-Kehrtwende und die Börsen ziehen wieder nach oben. Dieses Muster ließ sich nun schon so oft beobachten, dass der entsprechende Trade einen eigenen Namen bekommen hat – der TACO-Trade („Trump Always Chickens Out“ / “Trump macht immer einen Rückzieher“). Auch dieses Mal erfolgte die Kehrtwende. Nach herben Anfangsverlusten schoss der Markt nach oben. Man kennt dieses Muster, aber man weiß nicht unbedingt, wann es einsetzt. Allerdings gab es auch diesmal vor der eigentlichen Nachricht größeres Kaufinteresse, was ja irgendwie auch ein Muster ist. Trotz des kräftigen Zurückschnalzens konnte das Ausbruchsniveau bei rund 23.000 DAX-Punkten bislang noch nicht überzeugend zurückerobert werden.

Dividendensaison: heute Münchener Rück

Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (WKN: 843002) ist der weltgrößte Rückversicherer und trägt die Risiken anderer Erstversicherer – von Naturkatastrophen über Cyberattacken bis hin zu Pandemien. Je unruhiger die Welt, desto gefragter ist dieser Schutz. Im Geschäftsjahr 2025 erzielten die Münchener ein Konzernergebnis von 6,1 Mrd. EUR – das fünfte Jahr in Folge, in dem der Konzern seine eigene Gewinnprognose übertroffen hat. Mit der neuen Strategie „Ambition 2030″ hat das Management die Messlatte gleich noch höher gelegt und will den Gewinn je Aktie jährlich um mehr als 8% ausbauen.

Was Dividendeninvestoren an der Munich Re besonders schätzen, ist die Verlässlichkeit. Seit über 25 Jahren zahlt der Konzern ununterbrochen eine Dividende – und hat sie in diesem gesamten Zeitraum kein einziges Mal gesenkt. Für das vergangene Geschäftsjahr wurden 24,00 EUR je Aktie beschlossen, was gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 20% entspricht. Das durchschnittliche Dividendenwachstum der letzten fünf Jahre liegt bei knapp 20% jährlich – im DAX nahezu einzigartig. Beim aktuellen Kurs von ca. 525,00 EUR ergibt sich eine Dividendenrendite von rund 4,5%. Wer am 5. Mai 2026 in den Genuss der einjährigen Gewinnausschüttung kommen möchte, sollte sich die Aktie bis zum Ex-Datum 30. April 2026 ins Depot legen.

Blick nach Fernost

Japan liegt fernab des Krieges, aber Asien gehört zu den Betroffenen der Blockade in der Straße von Hormus. Zwar verfügt das Land im Moment noch über ausreichende Öl- und Gasreserven, einfach ist die Situation aber dennoch nicht. An dieser Stelle sei Episode 7 des ThinkMacro Podcasts „Japan emerges from the shadows: over a decade of Abenomics and the end of deflation“ der H2O AM Group empfohlen. Hierin beschäftigt sich Vincent Chailley, CIO der H2O AM Group, mit aktuellen Tendenzen der japanischen Wirtschaft und Politik. Der Podcast ist in englischer Sprache.

Gastbeitrag von Gunter Burgbacher, Haberger Asset Management GmbH

Eigenständiges Anlagesegment mit unterschiedlichen Strategien

Börsennotierte Beteiligungsunternehmen bilden ein eigenständiges Anlagesegment, das Anlegern ermöglicht, gemeinsam mit erfahrenen operativen Investmentprofis zu investieren. Diese verbinden

Unternehmertum und Investmentexpertise auf besondere Weise und schaffen so nachhaltige Wertschöpfung. Zum Segment zählen insbesondere Investment- und Beteiligungsgesellschaften, Holdinggesellschaften sowie ausgewählte Mischkonzerne. Ihre CEOs zeichnen sich häufig durch außergewöhnliche Kapitalallokationsfähigkeiten aus. Die Unternehmen verfolgen unterschiedliche Investmentstrategien, die sich in zwölf übergeordnete Kategorien einordnen lassen. Diese stellen wir in einer Serie von zwölf Folgen näher vor.

Folge 1: Buy and Hold – Langfristigkeit als strategischer Vorteil

Buy and Hold gehört zu den klassischsten Strategien börsennotierter Beteiligungsunternehmen – und zugleich zu den am häufigsten unterschätzten. Hinter dem scheinbar einfachen Prinzip „kaufen und liegen lassen“ steht eine klare unternehmerische Haltung: nicht jedem Marktsignal hinterherzulaufen, sondern sich bewusst auf wenige, gut verstandene Beteiligungen zu konzentrieren und ihnen Zeit zu geben, ihren Wert zu entfalten. Der größte Vorteil zeigt sich in volatilen Phasen. Während kurzfristig orientierte Anleger häufig zu Umschichtungen gezwungen sind, können langfristige Eigentümer Marktzyklen aussitzen und gezielt dann Kapital einsetzen, wenn Bewertungen unter Druck stehen. Voraussetzung dafür ist eine tragfähige Investmentthese: Geschäftsmodell, Wettbewerbsposition, Bilanzqualität und Management müssen robust genug sein, um auch schwächere Jahre zu überstehen.
Buy and Hold stellt damit hohe Anforderungen an die Analyse vor dem Einstieg. Wer langfristig investiert, muss genau wissen, mit wem er sich wirtschaftlich verbindet – und welche Entwicklungen einen klaren Bruch der ursprünglichen Investmentthese darstellen würden. Statt häufiger Transaktionen verlagert sich der Fokus auf Monitoring, Governance und Kapitalallokation:

Werden freie Cashflows sinnvoll reinvestiert?
Stimmt die strategische Richtung weiterhin?
Passt das Risikoprofil zum Gesamtportfolio?

Auf Portfolioebene bringt die Strategie Ruhe und Struktur. Weniger Transaktionen bedeuten geringere Friktionen, klarere Verantwortlichkeiten und eine bessere Nachvollziehbarkeit der Werttreiber. Für Beteiligungsunternehmen mit langfristigem Anspruch ist Buy and Hold daher mehr als eine Technik – es ist ein Ordnungsprinzip, das Entscheidungen bündelt, Prioritäten schärft und hilft, auch in turbulenten Marktphasen den roten Faden zu behalten. Ein bekanntes Beispiel für diese Strategie ist Investor AB (WKN: A3CMTG, B-Aktie) aus Schweden:

In der Box sind einige Beispiele aus dem Beteiligungsportfolio dargestellt.

Gunter Burgbacher, Haberger Asset Management GmbH (facts@afb-fonds.de)

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio finden Sie heute die große Monatsübersicht zum Aktienmusterdepot für März inklusive Tabellenteil. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.

Fazit

Ein einzelner Tweet von Donald Trump kann die Börsen erschüttern oder beflügeln. Eine nachhaltige Strategie kann man darauf aber nicht aufbauen.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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