
Chefredakteur
Editorial 08/2026
Vor exakt fünf Jahren behandelte unsere Titelgeschichte die Schließung des Goldfensters in den USA, welche sich im August 2021 zum 50. Mal jährte; in meinem Editorial ging ich damals auf diesen vermutlich wichtigsten währungspolitischen Vorgang der letzten 100 Jahre ein. Warum die Loslösung des Geldes von der Materie, konkret des Dollar vom Gold, ein solch herausragendes und alles andere in den Schatten stellendes Ereignis war, das erklärt unser Beitrag ab S. 12. Anlässlich des nun anstehenden 55. Jubiläums stellen wir übrigens die heiße These auf, dass die Koinzidenz der damaligen Mondlandungen und dieser frechsten „Quasi-Enteignung“ der Geschichte womöglich nicht ganz zufällig war – ein Gedanke, der meines Wissens noch nie vorher publiziert wurde. Seien Sie gespannt!
Im letzten Heft beschrieben wir die völlig überzogene Bewertung des SpaceX-Börsengangs. Der Markt gab uns hier recht: Denn zunächst markierte diese Aktie, welche ganz eng mit dem Namen Elon Musk verknüpft ist, am dritten Tag ihrer Notiz ein Intraday-Hoch von 225,64 USD. Dies entsprach einem Wert von 2,35 Bio. USD, also dem rund 150 Fachen des Firmenumsatzes – völlig absurd! Seither geht es mit der Aktie – aktueller Kurs: 121 USD – nur nach unten. Ich wage die Prognose, dass sie den Höchstwert nie mehr wieder erreicht und die Aktie sich irgendwo zwischen 10 und 50 USD einpendeln wird – weitere Informationen dazu auf S. 42.
Aber auch die Börsensuperstars der letzten Jahre, allen voran die Titel mit KI-Fantasie, sind hinsichtlich ihrer fundamentalen Bewertungskennzahlen vielfach als überteuert zu bezeichnen. Aus den gigantischen Cashbeständen, die früher in deren Bilanzen schlummerten, werden nun mehr und mehr Finanzschulden. Insbesondere sind dies Verbindlichkeiten aus Anleihen, welche für die Finanzierung der irrsinnig hohen Investitionen in Rechenzentren aufgenommen werden. Auch hier schrillen meine Alarmglocken. Mehr dazu ab S. 30.
Eine weitere Prognose aus dem letzten Heft lautete, dass das Memorandum of Understanding von Mitte Juni zwischen den USA und dem Iran nicht allzu lange eingehalten werden würde. Dass es aber schon rund zwei Wochen nach Unterzeichnung wieder gebrochen wird, hatte zugegebenermaßen auch ich nicht erwartet. Das Wiederaufflammen des Nahostkonflikte samt Schließung der Straße von Hormus bedeutet dabei für die gesamte Welt nichts Gutes: Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasversorgung könnte somit längerfristig ausfallen, zudem noch ein gehöriger Teil der Düngemittelproduktion. Ebenso wie im Falle des Ukrainekriegs scheint mir auch im Nahen Osten nicht Frieden das Ziel der verfeindeten Parteien zu sein.
Meine Voraussage, dass die aktuelle schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz bis Jahresende gesprengt wird, halte ich weiter aufrecht. Nachdem kurz vor der Sommerpause noch eine eher missglückte Renten- und Sozialreform beschlossen und ein paar nicht ganz so bürgernahe Gesetze durch den Bundestag und das EU-Parlament gepeitscht wurden (siehe „Löcher in der Matrix“ auf S. 38), dürfte es danach dann doch insbesondere hierzulande heiß hergehen. Die abwärts taumelnde Wirtschaft und zwei richtungsweisende Landtagswahlen im September werden vermutlich einigen Sprengstoff liefern.
Ich wünsche Ihnen eine unterhaltsame und erkenntnisstiftende Sommerlektüre
Ralf Flierl
Chefredakteur



