Die oliv-grüne Transformation

Quelle: Grok.com

ARTIKEL TEILEN

Facebook
Twitter
LinkedIn
Email

Vom Green Deal zur Hochrüstung – Scheinblüte durch letzten Kraftakt

Neues Megathema

Der Green Deal wurde polit-medial mit voller Kraft durchgedrückt. „Klimaschutz“ schlich sich sogar in den Rang eines Staatsziels. Das Leben und die Wirtschaft, sie sollten nachhaltig werden, mit der Regierung als oberster CO2-Gouvernante. Doch davon will man heute nicht mehr viel wissen. Nun heißt das neue Megathema Kriegstüchtigkeit. Aus grün wird oliv-grün. Dabei ist Rüstung keine Investition im klassischen Sinne. Sie schafft keine Güter, die den Lebensstandard heben oder Rendite einbringen. Sofern sie Sicherheit schafft, gehört sie zu den staatlichen Kernaufgaben. Damit besteht eine gewisse Analogie zur Gesundheit, ohne die bekanntlich alles nichts ist. Innere und äußere Sicherheit sind in vielerlei Hinsicht die Grundlage einer Gesellschaft. Die Praxis aber zeigt etwas ganz anderes. Schon in den Fragen der inneren Sicherheit scheiterte seit 2015 jede deutsche Regierung nicht nur kläglich, sondern immer sichtbarer – ganz egal, aus welcher Farbkonstellation sie bestand.

ANZEIGE



Im Jahr 2026 kann man sich daher des Eindrucks nicht mehr ganz erwehren, dass bei der neuen Kriegsrhetorik und Aufrüstung nicht primär die Sicherheit in Freiheit im Vordergrund steht. Wer wäre ernsthaft so verrückt, das rohstoffarme Deutschland anzugreifen, um sich ein Bündel von Problemen ans Bein zu binden, die nicht einmal die Deutschen lösen konnten? Die einzigen ernsthaften Assets des Landes, waren komparative Vorteile wie die hervorragende Ausbildung, Einfallsreichtum, Fleiß und Zuverlässigkeit. Die freilich erodieren mit atemberaubender Geschwindigkeit. Es wäre zumindest nicht das erste Mal in der Geschichte, dass Regierungen ihre selbst geschaffenen und nicht länger zu bewältigenden Probleme durch Abenteuer im Äußeren zu überdecken trachten. Werden Rüstungsgüter mit Geld, das der Staat gar nicht hat, für einen möglichen Fall der Fälle auf Halde produziert, ist das schon schlimm genug. Wird aber ernsthaft an deren Einsatz gedacht, potenziert sich der volkswirtschaftliche Schaden, wie gerade die Deutschen wissen könnten. Dass es an kriegslüsternen Hasardeuren auch in der deutschen Dauerkrise nicht fehlt, zeigen uns just jene Hähne und Hennen, die noch vor wenigen Jahren mit gleicher Inbrunst über Nachhaltigkeit gekräht haben.

Die neue Herzkammer der Industrie

Natürlich produziert auch diese Entwicklung Profiteure. Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall (WKN: 703000) ist das Symbol-Unternehmen der erneuten Transformation. Im August 2025 eröffnete CEO Armin Papperger in Unterlüß (Niedersachsen) Europas größte Munitionsfabrik – das neue Werk Niedersachsen. Fast 500 Mio. EUR wurden in die Anlage investiert, die in rekordverdächtigen 15 Monaten hochgezogen wurde. Auf 30.000 Quadratmetern sollen bis 2027 jährlich bis zu 350.000 Artilleriegeschosse des Kalibers 155 Millimeter produziert werden – mehr als die gesamten USA heute herstellen. Konzernweit peilt Rheinmetall sogar 1,5 Millionen Schuss an.

Das Umsatzziel bis 2030 lautet auf 50 Mrd. EUR – eine Verfünffachung gegenüber 2024. Direkt und indirekt sollen bis zu 280.000 Arbeitsplätze entstehen: 70.000 bei Rheinmetall selbst, 210.000 bei Zulieferern und Dienstleistern. Mehr als 350.000 Bewerbungen gingen in nur einem Jahr ein. Man muss diese Zahlen zweimal lesen. Ein Rüstungskonzern als Jobmaschine der deutschen Industrie. Das ist die neue Realität.
Dabei ist Unterlüß mit firmeneigenen 60 Quadratkilometern in der Südheide seit 1899 eine Rheinmetall-Produktionsstätte mit durchaus wechselhafter Geschichte.

Die Aktienkursentwicklung der letzten vier Jahre – Rheinmetall hat sich seit 2022 mehr als verzwölffacht – erzählt eine klare Geschichte. Nicht das freie Unternehmertum erzielt in Deutschland diese Wachstumsraten, sondern die verlängerte Rüstungswerkbank des Staates.

Panzer statt Passat

Während Rheinmetall boomt, kämpft Volkswagen (WKN: 766403) gegen den Niedergang. Der Gewinn brach 2025 um knapp die Hälfte ein – von 12,4 auf rund 6,9 Mrd. EUR netto. US-Zölle, der Preiskrieg in China, die völlig verfehlte Elektrotransformation, etc. Dazu kommt die VW-spezifische Ausprägung von Politik-, Staats- und Gewerkschaftseinfluss, die das Unternehmen schon immer zusätzlich belastete. Nirgendwo sieht man so deutlich wie hier, dass der deutsche Wohlstandsfaktor schlechthin, das Automobil, zum Auslaufmodell zu werden scheint – besonders im Export.

Oliver Blume, seit 2022 VW-Konzernchef und bis Ende 2025 auch Chef der Porsche AG, hat die Konsequenz gezogen. Im ZDF-Interview im März 2026 sprach er von einem großen Lösungsraum – auch in Richtung Rüstungsindustrie. Die neue Strategie dürfte sich im VW-Werk Osnabrück konkretisieren, dessen T-Roc-Produktion 2027 ausläuft. Rheinmetall-Chef Papperger hat es öffentlich als sehr geeignet für Militärfahrzeuge bezeichnet. Schützenpanzer statt Sportwagen. Das hat historische Tiefe. Ferdinand Porsche – Namensgeber des Sportwagenkonstrukteurs, aus dem Blume kam – konstruierte nicht nur den Volkswagen – auf Wunsch eines gewissen Herrn Hitler –, sondern auch den Tiger-Panzer. VW selbst produzierte im Zweiten Weltkrieg Militärfahrzeuge mit Zwangsarbeitern. Der Typ 82 – Kübelwagen – war die militärische Ableitung des KdF-Wagens, des Ur-Volkswagens. Der Porsche-Mann Blume schließt diesen historischen Kreis nun gewissermaßen wieder. Noch betont VW, es gehe allenfalls um militärischen Transport und keinesfalls um Waffensysteme. Doch solche Entwicklungen haben ihre eigene Dynamik. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten, und die Virus-Kurve sollte auch in wenigen Wochen weggeglättet sein. Die Symbolik ist jedenfalls erheblich. Deutschlands größter Wirtschaftswunder-Industriekonzern, erwägt die Rückkehr an seine Wiege der Rüstungsproduktion – um seine Werke auszulasten, mit Staatsaufträgen.

In dünner Luft, stabiler als befürchtet

Zum Kontext der automobilen Zeitenwende lieferte heute auch Mercedes-Benz (WKN: 710000) Zahlen. Das erste Quartal 2026 verlief mit einem EBIT-Rückgang von 17% auf 1,9 Mrd. EUR zwar schwach – doch die Märkte reagierten erleichtert, weil die Rückgänge kleiner ausfielen als befürchtet. Der Umsatz sank um 5% auf 31,6 Mrd. EUR, die Pkw-Marge rutschte auf 4,1% – kein Ruhmesblatt für einen Konzern, der sich eigentlich als hochmargige Luxusmarke repositionieren wollte. Der neuralgische Punkt bleibt China: Minus 27% beim Absatz im ersten Quartal. Chinesische Premiumanbieter besetzen zunehmend Segmente, die Mercedes früher für sich beanspruchen konnte. Dennoch hält das Stuttgarter Management an der Jahresprognose fest und investiert deutlich über 10 Mrd. EUR in Technologie. Der Aktienkurs liegt bei rund 50 EUR – Optimisten und Geduldige mögen auf einen Turnaround hoffen, wo auch immer der herkommen soll. Für Momentum-Trader ist das Papier weiter ein No-Go.

Mega-Mittwoch: KI auf dem Prüfstand

Heute Abend ist von Unternehmensseite der wichtigste Börsentag des bisherigen Jahres. Alphabet (WKN: A14Y6H), Microsoft (WKN: 870747), Meta Platforms (WKN: A1JWVX) und Amazon (WKN: 906866) berichten nach US-Börsenschluss ihre Zahlen für das erste Quartal. Apple (WKN: 865985) folgt morgen. Zusammen repräsentieren diese fünf Unternehmen eine Marktkapitalisierung, die das deutsche BIP mehrfach übersteigt.

Die zentrale Frage ist nicht, ob Wachstum vermeldet wird – das wird im Rahmen des Pflichtprogramms erwartet. Brutaler ist die Kür: Fließt ein Teil der KI-Investitionen von weit über 500 Mrd. USD, die diese Konzerne allein für 2026 angekündigt haben, bereits in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung zurück? Meta hat seinen Capex-Plan für 2026 auf 115 bis 135 Mrd. USD hochgeschraubt – ein Plus von bis zu 97% gegenüber 2025. Microsoft steht unter Beobachtung wegen des Azure-Wachstums und der Copilot-Traktion. Alphabets Cloud-Sparte wuchs zuletzt mit 48%, die entscheidende Frage zielt hier auf die Nachhaltigkeit.

Der NASDAQ 100 notiert auf Allzeithoch, der S&P 500 schloss zuletzt bei 7.178 Punkten ebenfalls auf Rekordniveau. Die Marktteilnehmer haben sich trotz des geopolitischen Störfeuers positioniert. Das aber bedeutet, dass es bei Enttäuschungen schnell und empfindlich nach unten gehen kann. In den heutigen Abendstunden wird der Markt den Stab über die weitere Substanz des KI-Booms brechen. Aber selbst, wenn die Blütenträume perspektivisch intakt bleiben, der Übergang von der Euphorie zur Monetarisierung ist regelmäßig ruppig; das war beim Internet nicht anders.

Zu den Märkten

Der DAX startete in diesen ereignisreichen Tag zunächst verhalten. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe befindet er sich leicht im Minus und kämpft mit der wichtigen Marke von 24.000 Punkten. Vom Iran-Krieg kommen derzeit sogar eher negative Impulse. De facto ist die Straße von Hormus weiter blockiert, die USA haben ein iranisches Frachtschiff aufgebracht und die Friedensgespräche in Islamabad endeten ergebnislos. Damit wird der S&P 500 zu einer der wichtigen Orientierungsmarken, wobei Deutschland hier zunehmend nicht mehr richtig mithalten kann. Von Höchstkursen ist der DAX jedenfalls deutlich weiter entfernt. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel mit 84,4 Punkten auf den tiefsten Stand seit der Corona-Krise und Besserung ist angesichts der geplanten heimischen Steuererhöhungsamoklaufs nicht in Sicht. Insofern ist der aktuelle DAX-Stand durchaus respektabel.

Heute Abend trifft neben den Mega-Tech-Zahlen die Fed-Entscheidung als weiterer Impuls auf die Märkte. Allerdings dürfte die US-Notenbank in der voraussichtlich letzten Sitzung unter Jerome Powell den Korridor bei unverändert 3,50 bis 3,75% belassen. Nachfolger Kevin Warsh hat Zinssenkungen in Aussicht gestellt. Für die morgige EZB-Sitzung wird ebenfalls keine Bewegung erwartet. Der Einlagenzins dürfte bei 2,0% bleiben. Noch können sich die Notenbanken totstellen, mit wachsendem Inflationsdruck wird das aber immer schwieriger, wollen sie den Rest an Glaubwürdigkeit nicht auch noch einbüßen.

Deutsche Dividendentitel: heute Talanx AG

Zum Abschluss unserer Dividendenreihe wieder ein Versicherer – der vierte in dieser Serie, was kein Zufall ist. Der Sektor dominiert die deutsche Dividendensaison 2026 wie der FC Bayern die Fußball-Bundesliga. Bei genauerem Hinsehen fällt bei unserer heutigen Aktie aber doch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal auf: Die Talanx AG (WKN: TLX100) aus Hannover ist nicht nur als Erstversicherer unter der Marke HDI tätig, sondern gleichzeitig auch Mehrheitsaktionär der Hannover Rück – die wir ebenfalls vorgestellt haben. Damit vereint der Konzern Erst- und Rückversicherung unter einem Dach. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte Talanx das Konzernergebnis um 25% auf einen neuen Rekordwert von 2,48 Mrd. EUR. Für 2026 peilt der Vorstand ein Konzernergebnis von rund 2,7 Mrd. EUR an – und will damit das ursprünglich erst für 2027 geplante Ziel ein Jahr früher erreichen.

Knapp 3% Dividendenrendite sind kein Spitzenwert – das Wachstum aber sehr wohl. Die Ausschüttung steigt für 2025 um 33% auf 3,60 EUR je Aktie, über drei Jahre liegt der Durchschnitt bei rund +19% per anno – unter deutschen Dividendentiteln kaum zu übertreffen. Seit dem Börsengang wurden die Auszahlungen in jedem Jahr erhöht oder zumindest stabil gehalten. Bis 2027 sollen sogar 4,00 EUR je Aktie erreicht werden. CEO Torsten Leue bringt die selbstgesteckten Ziele an die Aktionäre auf den Punkt: „Wir halten, was wir versprochen haben: eine stetig steigende Dividende.“ Wer am 12. Mai 2026 in den Genuss der Ausschüttung kommen möchte, sollte die Aktie bis zum Ex-Datum 8. Mai 2026 im Depot haben.

Fondskongress Stuttgart

Unter dem Leitthema „Zwischen KI-Boom und Ölkrise 2.0 – Welche Fonds bestehen den Härtetest?“ öffnet der II. Fondskongress Stuttgart am 19. und 20. Mai 2026 seine Tore im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Die „Arena der Ideen“ bietet eine Plattform für den fachlichen Austausch über resiliente Investmentstrategien in einem volatilen Marktumfeld. Wesentliche fachliche Impulse gibt es zur „New Space Economy“, den Rohstoffmärkten sowie zu regionalen Konzepten unter dem Motto „Schwaben Power“. Dabei sind renommierte Experten wie Robert Halver, Baki Irmak, Sebastian Blaeschke sowie Alexander Wehrle (VfB Stuttgart). Im Rahmen des Abendprogramms gibt es eine Keynote von Panagiota Petridou, eine Weinverkostung des Weinguts von Othegraven (Inh. Günther Jauch) und reichlich Gelegenheit zum Networken. Durch die beiden Veranstaltungstage führen der bekannte Fernsehmoderator Frank Meyer und Lina Bocari. Die Teilnahme ist kostenfrei, erfordert jedoch aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl eine rechtzeitige Anmeldung unter: www.fondskongress-stuttgart.de

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über neue Entwicklungen bei unseren Depotwerten. Die große Monatsübersicht für April finden Sie in der Ausgabe vom 22.4.2026. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@substanzinvestor.de an.

Fazit

Deutschland rüstet auf — wirtschaftlich, industriell, mental. In der Breite wird damit kein Wohlstand geschaffen, für einige wenige schon. Zumindest in dieser Hinsicht gleicht die oliv-grüne Transformation der grünen Variante, die zuvor durchgedrückt wurde.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier oder ein Derivat darauf wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Substanz Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

Abonnements:
Unsere Substanz Investor Abonnements finden Sie hier.

Das Magazin:
Das aktuelle Substanz Investor Magazin finden unsere Abonnenten hier.

E-Mail-Versand:
Sollten Sie den E-Mail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine E-Mail mit dem Betreff “Abbestellen des SIW” an
weekly@substanzinvestor.de.

Unsere Datenschutzerklärung finden sie hier.

Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

UNSERE EMPFEHLUNGEN